Politik

Kriegsnacht im Überblick Selenskyj: Zahl der Verluste sinkt - USA bereiten HIMARS-Lieferung vor

289430516.jpg

US-Truppen feuern 2019 mehrere HIMARS in Kuwait ab.

(Foto: picture alliance / abaca)

Im Mai und Juni beklagt die Ukraine eigenen Angaben zufolge fast 200 tote Soldaten täglich. Inzwischen scheinen die Verluste deutlich zu sinken: Das gibt Präsident Selenskyj in einem Interview bekannt. Auch aus der Region Cherson meldet die Ukraine Fortschritte. Dort haben ihre Truppen demnach mehr als 1000 russischen Soldaten einkesselt. Die USA bringen derweil die Lieferung vier weiterer Mehrfachraketenwerfer HIMARS auf den Weg. Auch die russische Armee rüstet anscheinend auf: Der tschetschenische Machthaber Kadyrow meldet den Erhalt neuer Panzerwagen. Litauen hebt das Transportverbot von sanktionierten Gütern in und aus dem russischen Kaliningrad per Schienenverkehr auf.

Selenskyj-Berater: Mehr als 1000 Russen in Cherson eingekesselt

Im besetzten südukrainischen Gebiet Cherson sind Angaben aus Kiew zufolge mehr als 1000 russische Soldaten von ukrainischen Streitkräften eingekesselt worden. Unweit der Siedlung Wyssokopillja seien die Russen in eine "taktische Umzingelung" geraten, sagte der ukrainische Präsidentenberater Olexij Arestowytsch. Unabhängig überprüfen ließ sich das nicht. Auch im Bericht des ukrainischen Generalstabs wurde Wyssokopillja nicht erwähnt. Die ukrainische Armee hatte zuletzt mehrere Gegenoffensiven auf das Chersoner Gebiet gestartet, das russische Soldaten nach Beginn des Kriegs im Februar weitgehend unter ihre Kontrolle gebracht hatten.

Ukraine erleidet weniger Verluste

Die ukrainische Armee erleidet nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj deutlich weniger Verluste als noch vor wenigen Wochen. Derzeit würden pro Tag rund 30 ukrainische Soldaten getötet werden, sagte er in einem Interview mit dem "Wall Street Journal". Im Mai und im Juni seien es zwischenzeitlich 100 bis 200 täglich gewesen.

USA schicken Ukraine weitere HIMARS-Raketenwerfer

Die USA geben weitere Militärhilfen für die Ukraine im Wert von 270 Millionen Dollar (265 Millionen Euro) frei. Geliefert werden sollen unter anderem vier neue Raketenwerfer vom Typ HIMARS, bis zu 580 Drohnen vom Typ Phoenix Ghosts sowie 36.000 Schuss Artilleriemunition, teilt das US-Verteidigungsministerium mit. Das neue Paket enthält auch vier Fahrzeuge, die als Kommandoposten genutzt werden können. Die Anzahl der HIMARS-Raketenwerfer, die in die Ukraine geschickt werden, erhöht sich damit auf 20. Die Ukraine bezeichnet die Mehrfachraketenwerfer, die auf bis zu 80 Kilometer entfernte Ziele schießen können, als entscheidend im Kampf gegen Russland.

Kadyrow meldet Erhalt von neuen Panzerfahrzeugen

Das tschetschenische Militär hat nach Angaben von Machthaber Ramsan Kadyrow neue Panzerfahrzeuge erhalten. Das berichtet die russische Tageszeitung "Kommersant" unter Berufung auf einen Telegram-Beitrag von Kadyrow. Die Panzerfahrzeuge tragen demnach den Namen "Akhmat". Den Angaben zufolge wurde sie aufgrund von Erfahrungen entwickelt, die russische und tschetschenische Truppen in der Ukraine gemacht haben. Wer der Hersteller des Panzerwagens ist, sagte Kadyrow nicht.

US-Regierung prüft eventuelle Kampfjet-Lieferung an Ukraine

Die US-Regierung prüft nach eigenen Angaben ebenfalls eine eventuelle Lieferung amerikanischer Kampfjets an die Ukraine. Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, betonte, "dass es sich um Sondierungsüberlegungen handelt, die nicht in naher Zukunft umgesetzt werden können". Bei den vorläufigen Prüfungen des Pentagons gehe es nicht um Maschinen aus der früheren Sowjetunion, sondern um solche amerikanischer Bauart.

Litauen erlaubt wieder Gütertransport per Bahn von und nach Kaliningrad

Litauen hebt das Transportverbot von sanktionierten Gütern in und aus dem russischen Kaliningrad per Schienenverkehr auf. "Es ist möglich, dass heute einige Güter transportiert werden", sagt Mantas Dubauskas, Sprecher der staatlichen Eisenbahngesellschaft, der russische Nachrichtenagentur RIA. Die staatseigene russische Nachrichtenagentur Tass zitiert einen Beamten der Kaliningrader Regierung, dass bald 60 Waggons Zement in die Exklave verschifft werden würden. Die Europäische Union hatte letzte Woche erklärt, das Transitverbot betreffe nur den Straßen-, nicht aber den Schienenverkehr. Daher solle der baltische Staat Litauen Russland erlauben, Beton, Holz und Alkohol über EU-Gebiet in die Exklave zu transportieren. Das Kaliningrader Gebiet grenzt an die Nato- und EU-Mitgliedsstaaten Litauen und Polen und ist für die meisten Güter auf den Transit-Schienen- und -Straßenverkehr durch Litauen angewiesen.

Russen fordern von Bank Entschädigung für Verluste

Ein paar Dutzend russische Privatkunden fordern von der Großbank VTB Entschädigung für Verluste, die sie wegen ausländischer Investitionen nach westlichen Sanktionen erlitten haben. In einem Schreiben werfen sie dem zweitgrößten Geldhaus des Landes vor, die Transaktionsmöglichkeiten für Privatinvestoren zu schnell eingestellt und ihnen dadurch die Chance genommen zu haben, ihr derzeit eingefrorenes Vermögen zu veräußern. VTB lehnt einen Kommentar dazu ab. Das Vermögen von Privatinvestoren belief sich dem Finanzinstitut zufolge im vergangenen Jahr auf umgerechnet 47 Milliarden Dollar.

Mehr zum Thema

Das wird am Samstag wichtig

  • Ungeachtet der bemerkenswerten Einigung beim Getreide-Streit gehen die Kämpfe in der kriegsgebeutelten Ukraine weiter. Angriffe gibt es weiter vor allem im Osten und im Süden des Landes.

Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem Liveticker zum Ukraine-Krieg nachlesen.

Quelle: ntv.de, chr/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen