Politik

Umstrittene Südkurilen Selenskyj erkennt umstrittene russische Inselgruppe als Teil Japans an

imago0162703926h.jpg

Eine verlassene sowjetische Militärbasis auf den Südkurilen. Zuletzt hatte Russland angekündigt, es wolle seine Militärpräsenz wieder ausbauen.

(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hält die Sowjetunion die Südkurilen besetzt, eine Inselgruppe im Norden Japans. Bis heute gibt es deshalb keinen Friedensvertrag mit Russland, zuletzt verschärft sich die Rhetorik zwischen den beiden Staaten wieder. Die Ukraine schlägt sich nun auf die Seite Japans.

Als Reaktion auf die Annexion ukrainischer Gebiete durch Russland hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj per Dekret die russische Pazifik-Inselgruppe der Südkurilen als Hoheitsgebiet Japans anerkannt. Selenskyj sprach von einer Anerkennung der territorialen Unversehrtheit Japans und forderte die Weltgemeinschaft auf, das Gebiet ebenfalls als japanisch anzuerkennen. "Eine wichtige Entscheidung ist heute getroffen worden. Sie ist fair, rechtlich einwandfrei. Historisch", sagte er in einem in Kiew verbreiteten Video. Zuvor hatte das ukrainische Parlament einen entsprechenden Beschluss gefasst.

Die Sowjetunion hatte die im Norden von Japan gelegenen Gebiete als Siegermacht im Zweiten Weltkrieg erobert. Japan und Russland als Rechtsnachfolger der Sowjetunion haben wegen des Territorialstreits bis heute keinen Friedensvertrag. "Russland hat kein Recht auf diese Gebiete", sagte Selenskyj nun. Das sei jedem auf der Welt bekannt, jetzt müsse gehandelt werden. Die russischen Besatzer müssten überall vertrieben und als Aggressor besiegt werden, sagte Selenskyj. Nur so könnten Kriege in Zukunft verhindert werden.

Der Konflikt zwischen Japan und Russland hatte sich zuletzt verschärft. Russland untersagte etwa japanischen Schiffen den Fischfang vor den zwischen beiden Ländern umstrittenen vier südlichsten Kurileninseln. Nach Russlands Einmarsch in die Ukraine hatte sich Japan nicht nur an den westlichen Sanktionen gegen das Riesenreich beteiligt, sondern erstmals seit 20 Jahren von einer "illegalen Besetzung" der Inseln gesprochen, die "fester Bestandteil Japans" seien. Shinzo Abe, der Vorgänger der aktuellen Ministerpräsidenten Fumio Kishida, hatte diese Wendung vermieden, in der Hoffnung, mit Russlands Präsident Wladimir Putin noch eine Einigung zu finden.

Die Kurilen mit ihren insgesamt mehr als 30 Inseln sind wegen häufiger Erdbeben und Vulkanausbrüche nur teilweise bewohnt. Die Gewässer sind sehr fischreich. Während des Kalten Krieges war der Archipel für die Sowjetunion von strategischer Bedeutung. In den letzten Monaten hat Russland seine Militärpräsenz dort nach eigenen Angaben wieder aufgestockt.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen