Politik

Präsidentenwahl in der Ukraine Selenskyj leistet sich Patzer im Wahllokal

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Wolodymyr Selenskyj bei der Stimmabgabe im Wahllokal. Danach bekam er Besuch von der Polizei.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Ausgerechnet einer der Kandidaten der Stichwahl um das ukrainische Präsidentenamt bekommt es am Wahltag mit der Polizei zu tun. Wegen eines Fehlverhaltens im Wahllokal muss Selenskyj ein Bußgeld zahlen. Amtsinhaber Poroschenko stichelt derweil gegen den Favoriten der Abstimmung.

Der Schauspieler Wolodymyr Selenskyj hat sich am Tag der Präsidentenwahl in der Ukraine wegen einer Ordnungswidrigkeit ein Bußgeld eingefangen. Weil der 41-Jährige im Wahllokal in Kiew seinen Stimmzettel mit dem Kreuz neben seinem Namen demonstrativ in die Kamera hielt, verhängte die Polizei eine Strafe, wie sein Wahlkampfteam selbst mitteilte.

Die Uniformierten kamen in den Stab von Selenskyj, um die Ordnungswidrigkeit zu ahnden. Die genaue Höhe des Bußgeldes ist bisher nicht bekannt. Sie dürfte nach Angaben von Juristen bei umgerechnet höchstens 28 Euro liegen.

Selenskyjs Team versuchte, der Panne Positives abzugewinnen: "Neuer Präsident - neue Regeln. Alle müssen nach dem Gesetz leben!", schrieb Wahlkampfleiter Dmitri Rasumkow bei Facebook. Er nannte den Komiker schon Präsident, obwohl die Abstimmung noch lief. Selenskyj erklärte später, er habe auf eine Bitte von Journalisten den Wahlzettel gezeigt. Damit verstieß er nach Behördenangaben gegen das Agitationsverbot am Wahltag. "Gesetz ist Gesetz", sagte Selenskyj. Nach Umfragen konnte er mit einem haushohen Sieg rechnen. Amtsinhaber Petro Poroschenko drohte eine Niederlage nach fünf Jahren an der Macht.

Zehntausende Polizisten sichern Wahllokale

Begleitet wurde die Abstimmung von einem weiteren Schlagabtausch der beiden Kandidaten. "Es ist sehr wichtig, dass bei der Wahl der Verstand Oberhand behält", sagte Amtsinhaber Poroschenko bei seiner Stimmabgabe in Kiew. Er sagte, die Abstimmung könne Spaß machen. "Aber danach sollte es nicht schmerzhaft werden." Weiter sagte er: "Ich verlasse mich auf die Weisheit des ukrainischen Volkes."

Rund 30 Millionen Wähler sind in der krisengebeutelten Ex-Sowjetrepublik zur Stimmabgabe aufgerufen. Erste Prognosen werden kurz nach Schließung der Wahllokale ab 19.00 Uhr deutscher Zeit erwartet. Beide Kandidaten stehen für einen prowestlichen Kurs in Richtung EU und Nato. Sie hatten sich seit dem ersten Wahlgang vor drei Wochen einen hitzigen Wahlkampf geliefert. Dabei war es unter anderem zu Drogentests und einem turbulenten Rede-Duell im Kiewer Olympiastadion gekommen.

Zehntausende Polizisten sicherten die rund 30.000 Wahllokale. In den Separatistengebieten Donezk und Luhansk im Osten wird nicht gewählt. Der blutige Konflikt im Osten der Ukraine war eines der wichtigsten Themen. Poroschenko war vor fünf Jahren mit dem Versprechen gewählt worden, den Konflikt schnell zu beenden. Nach UN-Angaben sind bei Kämpfen zwischen Regierungssoldaten und prorussischen Separatisten rund 13.000 Menschen getötet worden. Die Gefechte halten an. Die Umsetzung des 2015 unter anderem durch deutsche und französische Vermittlung vereinbarten Minsker Friedensplans liegt auf Eis.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

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