Politik

Emotionale Rede vor Bundestag Selenskyj spricht von Volksvernichtung und fordert Luftbrücke

Mit einer emotionalen Videoansprache wendet sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj an die Abgeordneten des Bundestags und bittet um mehr Hilfe für sein Land. Er macht Deutschland auch Vorwürfe, nicht genug getan zu haben, um den Krieg zu verhindern.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einer Videoansprache an die Bundestagsabgeordneten um mehr Unterstützung für sein Land gebeten. "Bitte helfen Sie uns", rief er den Abgeordneten zu. Er forderte unter anderem die Einrichtung einer Luftbrücke nach Kiew. "Russland lässt keine humanitären Güter durch", sagte er. Seit fünf Tagen werde bombardiert, damit keine Hilfe durchkomme. Das alles könne Deutschland sehen. Zudem erinnerte er an die Berliner Zeit im Zweiten Weltkrieg und sagte: "Es gibt wieder eine Mauer. Mitten in Europa, wo es Freiheit gibt. Und diese Mauer ist stärker, mit jeder Bombe, die auf unseren Boden in der Ukraine fällt."

Jedes Jahr bekräftigten deutsche Politikerinnen und Politiker ihre historische Verantwortung auch gegenüber der Ukraine, sagte Selenskyj. Nun gelte es, der Ukraine zu helfen, damit "nicht etwas passiert, wofür man wieder so eine lange Aufarbeitung braucht. Jedes Jahr wiederholen Politikerinnen und Politiker die Worte 'Nie wieder'. Jetzt sehen wir, dass diese Worte nichts wert sind", kritisierte Selenskyj. Städte wie Charkiw und Tschernihiw, die bereits im Zweiten Weltkrieg verheerende Zerstörung erlebt hätten, würden nun aufs Neue zerstört.

Selenskyj warf Deutschland vor, nicht genug getan zu haben, um den Krieg zu verhindern. Die Bundesrepublik habe daran mitgewirkt, diese Mauer zu errichten, um die Ukraine zu isolieren und Russland auszuliefern. Als Beispiel nennt er das lange Festhalten an der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 und die Weigerung des Westens, der Ukraine eine Mitgliedschaft in der NATO zu ermöglichen. Selenskyj bat als Fazit dieser Erfahrungen nun darum, der Ukraine den Beitritt zur Europäischen Union zu ermöglichen und "nicht noch einen weiteren Stein in die Mauer zu setzen". Zugleich dankte er aber auch für die Unterstützung und erwähnte etwa die Wirtschaft, die die Sanktionen gegen Russland unterstütze, und die vielen Helfer, die sich um die Flüchtlinge kümmern.

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Die Menschen in der Ukraine wollten frei leben und sich nicht einem anderen Land unterwerfen, sagte Selenskyj. In seinem Land seien nun Zivilisten und Soldaten wahllos Ziel russischer Angriffe. "Russland bombardiert unsere Städte und zerstört alles, was in der Ukraine da ist. Das sind Wohnhäuser, Krankenhäuser, Schulen, Kirchen, alles. Mit Raketen, mit Luftbomben, mit Artillerie. In drei Wochen sind sehr viele Ukrainer gestorben, Tausende. Die Besatzer haben 108 Kinder getötet, mitten in Europa, bei uns im Jahre 2022", sagte Selenskyj. "Die russischen Truppen unterscheiden nicht zwischen zivilen und militärischen Objekten" Und: "Wieder versucht man in Europa, das ganze Volk zu vernichten."

Die Bundestagsabgeordneten waren vor der Rede aufgestanden und begrüßten den zugeschalteten Selenskyj mit Applaus. Begrüßt wurde der Präsident von der Vize-Präsidentin des Bundestags, Katrin Göring-Eckardt. "Ihr Land hat sich für die Demokratie entschieden, genau das fürchtet Wladimir Putin." Der russische Präsident versuche, der Ukraine das Existenzrecht abzusprechen. "Doch damit ist er schon jetzt gescheitert." Auch nach seiner Rede voller Emotionen gab es Ovationen. An Bundeskanzler Olaf Scholz richtete der Präsident den Appell: "Zerstören Sie diese Mauer. Geben Sie Deutschland die Führungsrolle, die Deutschland verdient. Reißen Sie diese Mauer nieder, unterstützen Sie uns!"

Quelle: ntv.de, tno/dpa/rts/AFP

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