Politik

Putin ist "Sklave des Krieges"Selenskyj zeichnet dramatisches Bild von ukrainischer Luftverteidigung

14.02.2026, 13:43 Uhr
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Wolodymyr Selenskyj sprach im Ballsaal des Bayerischen Hofs. Während seiner Rede wurden Bilder vom Verteidigungskampf der Ukraine im Hintergrund gezeigt. (Foto: picture alliance/dpa)

Der ukrainische Präsident appelliert in München eindringlich, die Ukraine stärker bei der Abwehr der russischen Luftangriffe zu unterstützen. Die Lage ist demnach dramatisch. Auch mit Blick auf die Rolle der USA hat Selenskyj offenbar wenig Hoffnung, stellt aber noch einmal Wahlen in der Ukraine in Aussicht.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz ein dramatisches Bild vom ukrainischen Abwehrkampf gegen Russlands Luftangriffe gezeichnet und die westlichen Verbündeten zu rascheren Waffenlieferungen aufgefordert. Die Arsenale der ukrainischen Luftverteidigungseinheiten seien praktisch leer, sagte Selenskyj. "Manchmal gelingt es uns, neue Raketen für unsere Patriots oder Nasams erst kurz vor einem Angriff und manchmal sogar nur im allerletzten Moment bereitzustellen", sagte er unter Verweis auf zwei von Deutschland und Norwegen gelieferte Luftabwehrsysteme.

Russland habe seine Angriffswaffen während des Kriegs massiv weiterentwickelt, dementsprechend schnell brauche die Ukraine bei ihrer Verteidigung Hilfe von ihren Partnern. Selenskyj verwies in seiner Rede auf die Schäden, welche die fortgesetzten russischen Angriffe an der Energieinfrastruktur seines Landes anrichten. "Die meisten Angriffe zielen auf unsere Kraftwerke und andere wichtige Infrastrukturen ab, und es gibt kein einziges Kraftwerk in der Ukraine mehr, das nicht durch die russischen Angriffe beschädigt wurde", sagte Selenskyj. Selenskyj versäumte es nicht, den westlichen Ländern für ihre Hilfe zu danken. Er bat aber eindringlich insbesondere um weitere Raketen für die Flugabwehr.

Russland richtet seit Monaten massive Angriffe gegen die ukrainische Energieinfrastrukur. Hunderttausende Menschen waren bei Temperaturen von um die minus 20 Grad Celsius ohne Strom und Heizung. In Kiew können derzeit auch mehr als 30 Prozent der Schulen und Kindergärten nicht heizen, wie die Behörden am Freitag mitteilten. Es ist der bisher kälteste Winter in der Ukraine seit Kriegsbeginn vor vier Jahren. Während seiner Rede ließ Selenskyj immer wieder Videoaufnahmen vom ukrainischen Abwehrkampf und den von Russland verursachten Schäden auf einem Bildschirm zeigen.

Mit scharfen Worten wandte sich Selenskyj gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin. "Niemand in der Ukraine glaubt, dass (Putin) unser Volk jemals gehen lassen wird, aber er wird auch andere europäische Nationen nicht gehen lassen, weil er sich nicht von der Idee des Krieges lösen kann. Er mag sich selbst als Zar sehen, aber in Wahrheit ist er ein Sklave des Krieges", sagte Selenskyj

Selenskyj: Es sterben noch nicht genügend Russen

Nach Angaben Selenskyjs zahlt Russland für seinen langsamen Vormarsch im Donbass einen hohen Preis. Im Dezember seien 35.000 russische Soldaten getötet oder schwer verletzt worden, im Januar 30.000. Pro erobertem Quadratkilometer verliere Russland 156 Soldaten. Sollten die Gefallenenzahlen bei russischen Soldaten auf 50.000 pro Monat steigen, sei der Kreml eher zu echten Verhandlungen bereit, zeigte sich Selenskyj überzeugt.

Mit Blick auf die geplanten Friedensgespräche in Genf kommende Woche beklagte Selenskyj den auf sein Land ausgeübten Druck. Die USA würden das Thema Zugeständnisse oft nur im Zusammenhang mit der Ukraine diskutieren, nicht aber mit Russland, kritisierte Selenskyj in einer Podiumsdiskussion im Anschluss an seine Rede. "Die Amerikaner kommen oft auf das Thema Zugeständnisse zurück", sagte der Präsident. "Und zu oft werden diese Zugeständnisse nur im Kontext der Ukraine diskutiert, nicht Russlands."

Er hoffe aufrichtig, dass die trilateralen Treffen in Genf ernsthaft und substanziell verliefen. "Aber ehrlich gesagt, fühlt es sich manchmal so an, als würden die Seiten über völlig verschiedene Dinge sprechen." Er räumte ein, durch jüngste Äußerungen von US-Präsident Donald Trump "ein wenig" Druck zu spüren - und lachte dabei vielsagend. Die Regierung in Kiew wolle aber auch von Russland Kompromissbereitschaft sehen.

Bereitschaft zu Wahlen bekräftigt

Abermals stellte Selenskyj in der Podiumsdiskussion Wahlen in seinem Land in Aussicht, knüpfte dies aber an Bedingungen. "Gebt uns zwei Monate Waffenruhe und wir werden Wahlen abhalten", sagte er und fügte scherzhaft hinzu, dass in der Zeit ja auch in Russland gewählt werden könne. Wiederholt betonte der ukrainische Präsident die Bedeutung von Sicherheitsgarantien für sein Land nach einer Waffenruhe, damit Russlands Präsident Wladimir Putin nicht erneut einfallen werde.

In diesem Zusammenhang forderte Selenskyj erneut eine Nato-Mitgliedschaft seines Landes. Die ukrainische Armee sei die stärkste Europas. "Es wäre nicht schlau, die größte Armee Europas aus der Nato herauszulassen", sagte er. "Aber stellen Sie sicher, dass dies Ihre Entscheidung sein wird und nicht die Putins", fügte er an die Adresse der Nato-Staaten hinzu. Putin lehnt eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine strikt ab und macht dies zu einer Bedingung für einen möglichen Friedensschluss.

Quelle: ntv.de, shu/dpa/AFP/rts

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