Politik

Unabhängigkeit nur Zwischenziel Sie stehen an der Spitze der Separatisten

Leonid Passetschnik, Anführer in Luhansk, bei einer Zeremonie zur Unterzeichnung eines Dokuments zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Separatistengebiete in der Ostukraine.

Leonid Passetschnik, Anführer in Luhansk, bei einer Zeremonie zur Unterzeichnung eines Dokuments zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Separatistengebiete in der Ostukraine.

(Foto: picture alliance/dpa/Russian President Press Office/TASS)

Nachdem Putin Donezk und Luhansk als unabhängig erklärt hat, ist die Gefahr neuer Kämpfe mit ukrainischen Regierungstruppen gestiegen. Doch wer kontrolliert die Separatistengebiete, die nun mit der Eskalation aus Moskau einen viel größeren Territorialanspruch besitzen.

Sie bekommen inzwischen die große Bühne im Kreml in Moskau: die Separatisten in der Ostukraine. Seit April 2014 kontrollieren sie Teile der Gebiete Donezk und Luhansk und kämpfen gegen die Armee der ukrainischen Regierung. Russlands Präsident Wladimir Putin hat die selbst ernannten Volksrepubliken nun als unabhängig anerkannt und damit heftige Kritik im Westen ausgelöst. Mit seiner Anerkennung hat sich der Territorialanspruch der Separatisten deutlich vergrößert. Bislang haben sie nur etwa 32 Prozent der Gebiete Luhansk und Donezk kontrolliert. Das birgt die Gefahr neuer Kämpfe mit den ukrainischen Regierungstruppen, die den übrigen Teil kontrollieren.

Die Unabhängigkeit ist nur ein Zwischenziel der Aufständischen auf dem Weg des Beitritts zu Russland. In den Wirren nach dem westlichen Regierungssturz im Februar 2014 in Kiew forderten die russischsprachigen Demonstranten in der Schwerindustrie- und Bergbauregion im Osten zunächst vor allem sprachliche und wirtschaftliche Selbstbestimmung innerhalb des Landes. Nachdem sich Moskau 2014 die Schwarzmeer-Halbinsel Krim einverleibt hat, wurde schnell die komplette Unabhängigkeit der beiden Gebiete von Kiew verkündet. Ziel ist ein Anschluss ans Nachbarland. Das sieht aber ein von Berlin und Paris mit ausverhandelter Friedensplan für den Donbass nicht vor.

Am Anfang standen oft Russen wie der Ex-Geheimdienstmann Igor Girkin oder der jetzige russische Parlamentsabgeordnete Alexander Borodai an der Spitze der Separatisten. Später wurden sichtbare Positionen mit einheimischen Leuten besetzt. Die Luhansker Separatisten werden von dem 51-jährigen ehemaligen Geheimdienstler Leonid Passetschnik angeführt. In Donezk ist der 39-jährige Denis Puschilin der Chef.

Ukraine schätzt, Separatisten verfügen über 35.000 Mann

Kiew hatte die Gebiete bereits vor der Anerkennung durch den Kreml als russisch besetzt eingestuft. Mehr als 400 Kilometer Grenze zu Russland zwischen dem Asowschen Meer und dem Fluss Siwerskyj Donez hat Kiew an die Aufständischen verloren. Über 420 Kilometer Frontlinie mit mehreren Übergangspunkten trennt die Region vom Regierungsgebiet. Die Versorgung läuft wegen einer ukrainischen Wirtschaftsblockade ausschließlich über die russische Grenze mit mehreren Straßen- und Eisenbahnübergängen. Die Belieferung mit Nachschub wurde auch in einem aufsehenerregenden Gerichtsurteil im benachbarten russischen Gebiet Rostow dokumentiert.

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Die ukrainische Militäraufklärung schätzt die Zahl der Streitkräfte der Separatisten auf rund 35.000 Mann. Angeführt und ausgebildet werden die auf Vertragsbasis dienenden Einheimischen demnach von etwa 3000 russischen Offizieren. Der bekannte Rebellenkommandeur Alexander Chodakowski, ein ehemaliger Offizier des ukrainischen Geheimdienstes, betonte hingegen kürzlich, dass diese Zahlen bei Weitem nicht erreicht würden.

Quelle: ntv.de, ysc/dpa

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