Politik

Junge Klimaaktivistin in Brüssel "Sie würden als Schurken in Erinnerung bleiben"

RTX6NQPO.jpg

Jean-Claude Juncker begrüßt Greta Thunberg in Brüssel.

(Foto: REUTERS)

Jeden Freitag macht Greta Thunberg vor dem Stockholmer Reichstag auf den Klimawandel und das vermeintliche Versagen der Politiker aufmerksam. Ihrem Vorbild folgen Tausende Schüler in Europa - und schwänzen dafür die Schule. EU-Kommissionspräsident Juncker gibt sich verständnsivoll.

Die junge schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat von der EU eine doppelte Kraftanstrengung zur Reduzierung der Treibhausgase verlangt. Für einen fairen Beitrag zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens müsse die EU ihren CO2-Ausstoß bis 2030 um mindestens 80 Prozent senken, sagte die 16-Jährige in Brüssel. Bei einer EU-Veranstaltung warnte sie Politiker, sie würden bei einem Scheitern "als größte Schurken aller Zeiten in Erinnerung bleiben".

Das Pariser Klimaabkommen von 2015 fordert, die Erderwärmung in diesem Jahrhundert auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Die EU hat es sich bisher zum Ziel gesetzt, ihre Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um mindestens 40 Prozent zu senken. Grundlage ist dabei das Jahr 1990. EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete hält mit den bisherigen Maßnahmen auch eine Senkung um 45 Prozent für möglich.

RTX6NRLG.jpg

Die Klimaaktivistin Thunberg nahm an Protesten in Belgiens Hauptstadt Brüssel teil.

(Foto: REUTERS)

Thunberg verwies auf Warnungen des Weltklimarates, wonach die Temperaturen nach jetzigem Stand um drei oder vier Grad ansteigen könnten. Noch bleibe rund ein Jahrzehnt, um umzusteuern und ehrgeizigere Ziele zu setzen, sagte die Schwedin. Dabei müssten auch die Bereiche Luftfahrt und Schifffahrt einbezogen werden. "Wenn wir das nicht tun, dann waren alle unsere Erfolge und Fortschritte umsonst", sagte Thunberg. Die heute politisch Verantwortlichen seien dann "für das größte Scheitern der Menschheitsgeschichte verantwortlich".

Die schwedische Aktivistin beklagte zudem, dass im Streit über das Schuleschwänzen für Klimademonstrationen ein Ablenkungsversuch vom eigentlichen Thema stattfinde. "Viele Politiker, die über die Schulstreiks zum Klima reden, reden über fast alles außer der Klimakrise", sagte sie. "Viele versuchen, aus den Schulstreiks eine Frage zu machen, ob wir Schulschwänzen fördern oder ob wir zur Schule zurückgehen sollten oder nicht." Dies sei ein verzweifelter Versuch, den Fokus von der Klimakrise abzuwenden.

Juncker: "Ich habe das auch gemacht"

Die 16-Jährige demonstriert seit August jeden Freitag vor dem Reichstag in Stockholm dafür, dass Schweden stärker gegen seinen CO2-Ausstoß vorgeht und das Klimaabkommen von Paris einhält. Ihrem Beispiel folgen inzwischen regelmäßig Tausende junge Menschen in etlichen anderen Ländern, auch in Deutschland. Doch erhitzt nun die Frage die Gemüter, ob dies die Schulpflicht in Frage stelle. Eltern fürchten Sanktionen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker lobte die Schülerbewegung. "Ich begrüße sehr, was junge Menschen zur Zeit in Europa bewirken", sagte er bei der Konferenz, bei der auch Thunberg sprach. "Ich habe die letzten Jahre oft bedauert, dass junge Menschen sich eigentlich nicht ins Zeug werfen, wenn es darum geht, wichtige Dinge von der Stelle zu bewegen."

Er erkenne sich in der Protestbewegung wieder. "Ich habe das auch gemacht, als ich jung war", sagte Juncker. Er selbst habe jedoch immer samstagnachmittags demonstriert und nicht während der Schulzeit. "Das ist der Unterschied zu heute." Thunberg will ihren Protest nach eigenen Worten fortsetzen. Am heutigen Donnerstag schloss sie sich in Brüssel rund 7500 Schülern bei einer Klimademonstration an. Es war bereits der siebte Marsch für das Klima in der belgischen Hauptstadt.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa

Mehr zum Thema