Politik

Elf Journalisten bleiben in Haft Sieben "Cumhuriyet"-Redakteure wieder frei

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Dutzende Journalisten sitzen in der Türkei inzwischen im Gefängnis.

(Foto: picture alliance / Can Erok/Depo)

271 Tage saßen sie in Haft, nun können einige Mitarbeiter der türkischen Zeitung "Cumhuriyet" das Gefängnis verlassen. Doch viele ihrer Kollegen bleiben weiterhin wegen angeblicher Terrorunterstützung inhaftiert. Ihnen drohen Jahrzehnte hinter Gittern.

Sieben Mitarbeiter der Zeitung "Cumhuriyet" sind frei. Den Journalisten wird vorgeworfen, sie würden die Gülen-Bewegung unterstützen, die die Regierung um Präsident Erdogan als Terrororganisation auflistet. Elf Redakteure sind weiterhin inhaftiert. Am Samstagmorgen verließ auch der Karikaturist Musa Kart das Silviri-Gefängnis außerhalb von Istanbul. Er sagte nach 271 Tagen Haft: "Wir wurden von den Menschen, die wir lieben, unseren Verwandten und unserer Arbeit ferngehalten." Ein Istanbuler Gericht hatte am Freitag die Freilassung der sieben Mitarbeiter unter Auflagen angeordnet. Neben Kart kamen auch der Literaturchef der Zeitung sowie Mitarbeiter aus der Justizabteilung vorläufig frei.

Sie bleiben angeklagt und müssen sich regelmäßig bei den Behörden melden. "Cumhuriyet" wurde in dem Prozess vorgeworfen, die heute als Terrororganisation gelistete Gülen-Bewegung sowie die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und die linksextreme DHKP-C zu unterstützen.

Kart konnte sich trotz seiner Freilassung nicht freuen. "Leider sind noch vier unserer Freunde hinter Gittern", bedauerte er. Dabei handelt es sich um die prominentesten Angeklagten - Herausgeber Akin Atalay, Chefredakteur Murat Sabuncu, Investigativjournalist Ahmet Sik und Kolumnist Kadri Gürsel. Insgesamt sind noch elf der 17 angeklagten Zeitungsmitarbeiter im Gefängnis.

Die Beschuldigten wiesen diese Vorwürfe in ihren Plädoyers zurück. Sie verwiesen darauf, dass die Zeitung die Gülen-Bewegung ebenso wie die kurdischen Separatisten immer kritisiert habe. Die Zeitung wirft der Regierung vor, eine der letzten unabhängigen Pressestimmen zum Schweigen bringen zu wollen. Die nächste Anhörung ist für den 11. September angesetzt. Sollten die Angeklagten verurteilt werden, drohen ihnen bis zu 43 Jahre Haft. Seit dem Putschversuch vor einem Jahr wurden in der Türkei mehr als 100 Journalisten inhaftiert und fast 150 Medien geschlossen.

Quelle: ntv.de, sgu/dpa