Politik

Gewalt im WestjordanlandSiedler töten drei Palästinenser in zwei Tagen

23.04.2026, 09:41 Uhr
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Die israelische Armee soll mehr als 30 Personen festgenommen haben. (Foto: picture alliance / Sipa USA)

Die Gewalt extremistischer Siedler im Westjordanland eskaliert: Mehrere Menschen sterben binnen weniger Tage. Israelische Medien sprechen zunehmend von "jüdischem Terror".

Israelische Siedler haben einen Palästinenser im von Israel besetzten Westjordanland getötet. Der 25-Jährige sei durch Schüsse von Siedlern in der zentral gelegenen Stadt Deir Dibwan östlich der Stadt Ramallah getötet worden, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium mit. Es handelt sich um das dritte Todesopfer durch Siedlergewalt im Westjordanland binnen zwei Tagen. Nach palästinensischen Medienberichten durchsuchte die Armee die Stadt und nahm mehr als 30 Personen fest.

Die palästinensische Autonomiebehörde erklärte, israelische Streitkräfte hätten palästinensische Bewohner von Deir Dibwan festgenommen. Auf X veröffentlichte die Behörde Aufnahmen von Dutzendeb Männer, die in einer Reihe eine Straße entlanggehen. Die Aufnahmen konnten bislang nicht unabhängig überprüft werden.

Die israelische Armee teilte mit, sie habe einen Bericht über israelische Zivilisten erhalten, die ohne vorherige Genehmigung der Armee das Gebiet betreten hätten. Die israelischen Siedler seien "an die Polizei übergeben" worden. Weitere Verdächtige, die "Steine auf israelische Zivilisten geworfen hatten", wurden festgenommen, aber später wieder freigelassen. Nachher sei zudem ein Bericht über einen durch Schüsse getöteten Palästinenser eingegangen. Dies werde geprüft.

"Jüdischer Terror"

Am Dienstag hatte der Rote Halbmond erklärt, zwei Menschen seien im Dorf Al-Mughajjir im zentralen Westjordanland durch Schüsse israelischer Siedler getötet worden. Unter den Toten soll ein 14-jähriges Kind sein. Vier weitere Menschen wurden verletzt. Die israelische Armee teilte später mit, sie untersuche den Vorfall.

Im seit 1967 von Israel besetzten Westjordanland leben neben rund drei Millionen Palästinensern auch mehr als 500.000 Israelis in Siedlungen und Außenposten, die nach internationalem Recht illegal sind.

Seit dem Großangriff der radikalislamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat die Gewalt auch im Westjordanland deutlich zugenommen. Der Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar hat die Anzahl von Gewalttaten durch radikale Siedler nochmals verstärkt. In israelischen Medien ist dabei zunehmend von "jüdischem Terror" die Rede.

Mindestens 1065 Palästinenser wurden seit dem Beginn des Gaza-Kriegs im Westjordanland von israelischen Soldaten oder Siedlern getötet. Das ergab eine Zählung auf Grundlage von Zahlen der palästinensischen Gesundheitsbehörden. 46 Israelis - Soldaten und Zivilisten - wurden nach offiziellen israelischen Zahlen in dem Zeitraum im Westjordanland getötet.

Weitere Tote in Gaza

Auch im Gazastreifen wurden nach palästinensischen Angaben bei einem israelischen Luftangriff fünf Menschen getötet. Darunter sollen drei Kinder sein. Der Angriff ereignete sich in der Nähe einer Moschee in Beit Lahia. 

Gewaltsame Zwischenfälle haben nach UN-Angaben im Gaza-Streifen einen neuen Höhepunkt seit Inkrafttreten der Waffenruhe erreicht. Die Zahl der Vorfälle, etwa Schusswechsel, Beschuss und Angriffe, sei zwischen dem 12. und 18. April im Vergleich zur Vorwoche um 46 Prozent gestiegen, sagte der Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres, Stéphane Dujarric, in New York.

Dies stelle den höchsten Wochenwert seit der Waffenstillstandsvereinbarung vom Oktober dar. Das israelische Militär sagte auf Nachfrage, man prüfe die Aussagen. Seit Beginn der Waffenruhe sind nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 760 Palästinenser in dem schmalen Küstenstreifen getötet worden.

Quelle: ntv.de, raf/AFP/dpa

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