Politik

Lega betreibt Stimmungsmache Sizilien erlebt Andrang von Bootsmigranten

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Zwei Militärschiffe bringen Migranten von Lampedusa nach Porto Empedocle auf Sizilien.

(Foto: picture alliance/dpa)

In Italien steigen die Zahlen von Bootsflüchtlingen wieder rasant. Nach einer Massenflucht von gut 500 Migranten auf Sizilien aus der zweiwöchigen Corona-Quarantäne machen Rechte rund um Lega-Chef Salvini Stimmung gegen die Kasernierten.

An den Küsten Süditaliens kommen nahezu täglich wieder Hunderte von Migranten in kleinen Booten an. In Malta nahmen Sicherheitskräfte 95 Menschen auf, die in Seenot geraten waren. Offizielle Stellen in Valletta bestätigten die Ankunft einer Gruppe. Auf der italienischen Insel Sizilien sind die Lager nach Angaben örtlicher Behörden überbelegt. Von Lampedusa wurden Menschen nach Protesten in andere Orte verlegt, doch der Zustrom dauerte an. Im Juli kamen bisher fast 5280 Migranten in Italien an - mehr als in den beiden Vorjahren. Das ist bemerkenswert, weil 2018 ein Jahr mit besonders hohen Zahlen war. Damals kamen von Januar bis Juli rund 18.000 Menschen an, nun sind es bereits wieder mehr als 12.000 - nach lediglich 3600 im vergangenen Jahr.

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In und um die Unterkünfte, in denen die Menschen teils eine zweiwöchige Corona-Quarantäne verbringen, kam es zu Zwischenfällen. In einer Unterkunft des Zivilschutzes am Hafen der Stadt Porto Empedocle auf Sizilien gab es eine Massenflucht von rund 520 Menschen, wie die Nachrichtenagentur Ansa schrieb. Bürgermeisterin Ida Carmina habe zuvor über unerträgliche Hitze und Enge dort geklagt.

Am Wochenende hatten sich den Angaben nach 184 Migranten aus einem Camp in der sizilianischen Stadt Caltanissetta unerlaubt abgesetzt. Sicherheitskräfte hätten rund 120 von ihnen aufgespürt. Sie seien in die Quarantäne zurückgebracht worden. Bürgermeister Roberto Gambino kündigte an, er wolle an das Innenministerium schreiben: "Ich fordere, dass niemand mehr nach Caltanissetta kommt." Das Lager sei ungeeignet.

Auf Lampedusa kamen nach Berichten in der Nacht mehr als 100 Menschen an, darunter viele Tunesier. Politiker der rechten Lega um Matteo Salvini und von anderen Rechtsaußen-Parteien machten in sozialen Medien Front: Rom gefährde durch die Aufnahme von Bootsmigranten angesichts der Corona-Risiken die Gesundheit der Bürger, behaupteten sie. Salvini schrieb von einem Desaster. Während Italiener in ihren Häusern und am Strand kontrolliert würden, machten Flüchtlinge, was sie wollten. Innenministerin Luciana Lamorgese flog zu Gesprächen nach Tunesien. Dort und in Libyen fahren viele Boote los.

Quelle: ntv.de, mau/dpa