Politik

"Völlig unklar, wofür die SPD steht" So reagieren die Parteien auf Schulz

Der frisch ausgerufene SPD-Kanzlerkandidat Schulz spaltet die Parteienlandschaft: Die AfD keilt gegen den Politiker, Grüne und FDP sprechen mahnenende Worte in Richtung Sozialdemokraten. Und die Kanzlerin tut das, was sie am besten kann.

CSU-Chef Horst Seehofer warnte die eigene Partei nach dem überraschenden Wachwechsel bei der SPD-K-Frage. Es sei jetzt nicht einfacher geworden. "Eigentore dürfen keine passieren, jetzt noch weniger."

Nachdem klar ist, dass der bisherige Parteichef Sigmar Gabriel zugunsten des früheren EU-Parlamentschefs Martin Schulz abtritt, keilt die AfD gegen den frisch ausgerufenen Kanzlerkandidaten der SPD. Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry bezeichnete Schulz auf Twitter als "Symbol für EU-Bürokratie und ein tief gespaltenes Europa".

Die Kanzlerin hält sich zu ihrem Herausforderer bei der Bundestagswahl am 24. September bedeckt. Moderate Töne hingegen schlagen die Linken an. Gilt Schulz doch als Vertreter des konservativen SPD-Flügels. Parteichefin Sahra Wagenknecht betonte, ihre Partei werde Schulz an seinen Taten messen.

Die Grünen hingegen gehen in die Vollen – gegen Gabriel. Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Die Entscheidung für Schulz als Kanzlerkandidat ist vor allem eine Entscheidung Gabriels gegen Gabriel." Acht Monate vor der Bundestagswahl sei mit der Entscheidung für Martin Schulz völlig unklar, wofür die SPD stehe.

Und auch aus der FDP kommen mahnende Worte: Der Vizepräsident des EU-Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff, hält die SPD auch mit Schulz an der Spitze für chancenlos. "Das Problem der SPD ist nicht Gabriel, Gabriels Problem ist die SPD - eine desorientierte Partei ohne Projekt", sagte Lambsdorff "Daran wird sich auch durch die Nominierung von Martin Schulz nichts ändern." Es sei nicht erkennbar, "wie die SPD wieder in die Erfolgsspur kommen soll".

"Unsere Unterstützung hast du"

In den eigenen Reihen wurde die Entscheidung pro Schulz erwartungsgemäß positiv aufgenommen. "Glückwunsch Martin Schulz! Unsere Unterstützung hast du", sagte Hannelore Kraft, NRW-Ministerpräsidentin und stellvertretende SPD-Vorsitzende. Dabei stand Kraft, die Mitte Mai eine Landtagswahl zu bestehen hat, lange Zeit auf der Seite Gabriels.

Schulz selbst gab sich kämpferisch. "Dieses Land braucht in diesen schwierigen Zeiten eine neue Führung", sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gabriel. "Die SPD hat den Führungsanspruch in diesem Land." Allerdings liegen die Sozialdemokraten in Umfragen weit abgeschlagen hinter der Union.

Schulz kündigte eine harte Auseinandersetzung mit Populisten und Extremisten an: "Ich sage in dieser auseinanderdriftenden Gesellschaft allen Populisten und den extremistischen Feinden unserer Demokratie und unserer pluralen Werteordnung hier entschieden den Kampf an." Er fügte hinzu: "Mit mir wird es kein Bashing gegen Europa geben. Mit mir wird es keine Hatz gegen Minderheiten geben."

Nachdem Gabriel Schulz in der SPD-Fraktionssitzung vorgeschlagen hatte, nominierte das SPD-Präsidium den 61-Jährigen einstimmig als Herausforderer von Merkel und künftigen Vorsitzenden. "Es kann sein, dass ich die besten Chancen habe, für die SPD die Bundestagswahl zu gewinnen. Und das ist genau der Grund, warum ich diese Aufgabe übernehme", sagte Schulz. Ein mögliches Bündnis aus SPD, Linken und Grünen fehlen laut Umfragen allerdings immer noch zehn Prozentpunkte zu einer eigenen Mehrheit.

Quelle: n-tv.de, cas/dpa/AFP

Mehr zum Thema