Politik

Varoufakis und Merkel So sehen Verlierer aus

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(Foto: Reuters (2))

Griechenlands Finanzminister Varoufakis zelebriert seinen Abgang, die Kanzlerin schlurft ins Kanzleramt: Zwei Bilder zeigen, dass die Protagonisten der griechischen Schuldenkrise zumindest optisch nicht viel trennt.

Bilder können so ehrlich sein. Ein Reuters-Fotograf hat die Kanzlerin am Morgen auf dem Weg ins Kanzleramt erwischt. Es ist das erste Bild von Angela Merkel nach dem Griechenland-Referendum. Sie ist sichtlich nicht zurecht gemacht. Das Gesicht müde, den Blick gesenkt, die Haare verstrubbelt.

Geht es der Kanzlerin nicht gut, oder sähe sie an einem anderen Morgen genauso aus? Tatsache ist: Das Bild zeigt die Kanzlerin, wie man sie sonst nur von Urlaubsfotos etwa aus Ischia oder Südtirol kennt. Nur trägt sie diesmal keine praktische Wind- oder Fleecejacke. Die Wahl ist auf ein hellblaues Jackett gefallen. In der Rechten hält sie ihre rote Tasche. Die bunten Farben können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Wochenbeginn nach dem griechischen Nein Merkel nicht zu beglücken scheint. Montage sind immer speziell. Nur dieser besonders.

Die Kanzlerin gehört eigentlich zu den Menschen, die lieber reagieren statt agieren. Sie mag es nicht, wenn Unvorhergesehenes geschieht. Wie das griechische Nein. Die Kanzlerin trifft sich heute Abend mit Frankreichs Präsident François Hollande in Paris zum Abendessen. Danach wollen sie alle - die Griechen, die Deutschen, die Europäer - wissen, wie es weiter geht.

Diese Erwartungshaltung liegt an diesem Morgen betonschwer auf Merkels Schultern. Wen wundert's? Es muss undankbar sein, zu wissen, dass alle von einem erwarten, die Patentlösung vorzulegen. Man möchte Merkel daher nachsehen, dass sie ein wenig ausschaut wie ein gerupftes Huhn. Tage wie diese sind es, weshalb es immer heißt, dass es einsam werden kann an der Spitze der Macht.

Varoufakis inszeniert sich als Gewinner

Ein zweites, sehr ähnliches Bild hat Reuters am Morgen um die Welt geschickt. Es zeigt Yanis Varoufakis, bis zu seinem Rücktritt ebenfalls einer der wichtigsten Akteure der Griechenland-Krise. Wie die Kanzlerin dreht sich der Grieche auf dem Bild nach links weg. Wie bei ihr schwingt der linke Arm. Auch die gebückte Haltung ist fast synchron. Die Haltung von Verlierern?

Die Aufnahme von Varoufakis stammt vom späten Sonntagabend. Zu diesem Zeitpunkt war er noch griechischer Finanzminister. Das Ergebnis des Referendums war gerade verkündet, da trat er vor die Presse. Als berauschter Sieger. Varoufakis wird zu diesem Zeitpunkt schon gewusst haben, dass es sein letzter offizieller Auftritt ist. Am frühen Montagmorgen verkündet er seinen Rücktritt.

So groß die Parallelen auch sind: Im Gegensatz zu Merkel schaut Varoufakis fast zufrieden. Er zelebriert die Erlösung, inszeniert sich als Gewinner. Es ist ein Abgang mit erhobener Faust, ein Varoufakis-Abgang. Kapitalverkehrskontrollen, Grexit, Drachme: Er, der von sich selbst sagt, dass er die Abscheu der Geldgeber mit Würde trägt, hat damit nun nichts mehr zu tun. Auf Seiten der EU kann bei der Suche nach einem Schuldigen niemand mehr auf Varoufakis zeigen. Nach dessen Abgang ist einmal mehr Brüssel am Zug. Es ist die nächste Etappe im Schulden-Poker.

Bei Merkel kann von Erlösung keine die Rede sein. Ihr steht das Schlimmste womöglich erst noch bevor. Viele erwarten, dass sie sich jetzt bewegt, auf Athen zu. Sonst könnte es irgendwann noch heißen, sie sei es gewesen, die den Grexit besiegelt habe. Die Kanzlerin kann sich nicht aus dem Staub machen. Ob es ihr auch diesmal gelingt, am Ende als Siegerin dazustehen? In den vergangenen Tagen ist es jedenfalls nicht leichter geworden – und das ist Merkel anzusehen.

Quelle: n-tv.de