Politik

Trümmer, Nachschubwege, "gelbe Linie"So sieht der Gazastreifen von oben aus

11.09.2026, 17:27 Uhr
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Der Ausblick an einem Erdwall an der "gelben Linie": Dahinter erstreckt sich der verbliebene Teil des Gazastreifens (Aufnahme aus dem November 2025). (Foto: REUTERS)

Knapp drei Jahre nach dem Hamas-Überfall auf Israel gibt es für die Menschen in der Region weiterhin keinen Frieden. Die Terrororganisation wirkt unbesiegt, das israelische Militär hält weite Teile im Gazastreifen besetzt. Aufnahmen aus dem All zeigen eindrücklich, wie sich die Armee entlang der "gelben Linie" eingräbt.

Der Krieg im Gazastreifen dauert an: Am 7. Oktober jährt sich der Überfall der Hamas auf Israel zum dritten Mal. Im Kampf gegen die Hamas sind die israelischen Streitkräfte mit Panzern und Bodentruppen tief in den rund 40 Kilometer langen Küstenstreifen vorgedrungen. Dabei sind Schätzungen zufolge mindestens 70.000 Palästinenser getötet worden. Viele Experten gehen von höheren Zahlen aus.

Entlang der sogenannten "gelben Linie" sind in den vergangenen Monaten umfangreiche Stellungen entstanden, wie aktuelle Satellitenaufnahmen belegen:

Hinweis: Zoomfähiges Satellitenbild. Anklicken zum Vergrößern.

Die Veränderungen am Boden sind bei näherem Hinsehen gut zu erkennen: Mit Erdwällen, geschützten Vorposten und einem Netz aus Nachschubwegen hat die israelische Armee eine Art Belagerungsring erschaffen. Die Demarkationslinie folgt dabei grob den Rändern der einst dichtbebauten städtischen Gebiete.

Die "gelbe Linie" trennt auf diese Weise die an der Küste gelegenen Flächen der Palästinenser von einer breiten Pufferzone unter Kontrolle der Besatzungsmacht. Im inneren Bereich haben unterdessen weiter Hamas-Funktionäre das Sagen.

Das Satellitenbild enthüllt zahlreiche weitere Details: In der Falschfarbenaufnahme erscheint lebende Vegetation in rot, Trümmerbrachen und planierte Gebiete in hellgrau, intakte Gebäude in dunkelgrau sowie vertrocknetes Land in dunkelbraun. Die landwirtschaftliche Produktion im Gazastreifen ist demnach weitgehend zum Erliegen gekommen. Auf den Anbauflächen im Süden und entlang der früheren Kontrollzone an der israelischen Grenze.

Vorher-Nachher-Fotos belegen Kriegsfolgen am Boden

Die Satellitenfotos zeigen die Situation am 27. August 2026, aufgenommen von einem Sentinel-2-Satelliten aus dem europäischen Erdbeobachtungsprogramm Copernicus aus rund 800 Kilometern Höhe. Im Gazastreifen lebten zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs Schätzungen zufolge zwischen 2,0 und 2,3 Millionen Menschen. Nach den intensiven Bombardierungen der israelischen Luftwaffe und dem ständig drohenden Beschuss durch israelische Artillerie, Kampfhubschrauber oder Bodentruppen liegen in Städten wie Gaza, Nurseirat oder Chan Junis ganze Straßenzüge in Trümmern.

Wiederholte Evakuierungsaufforderungen haben Hunderttausende Bewohner des Gazastreifens zu Binnenflüchtlingen gemacht. Die Grenzübergänge nach Israel und auch die Grenze zum südlich gelegenen Nachbarland Ägypten sind für die Palästinenser versperrt. Die Versorgungslage ist weiter schwierig. Der Gazastreifen bleibt bis auf Weiteres von der Außenwelt weitgehend abgeschnitten.

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Die "gelbe Linie" soll die vordere Linie der israelischen Besatzungszone markieren. Der innere Bereich bis zur Küste umfasst die verbliebenen Palästinensergebiete unter Kontrolle der Hamas. (Foto: ntv.de Daten | Satellitenfoto © Copernicus Sentinel Data 2026)

Wie es für die Bevölkerung im kriegszerstörten Gazastreifen weitergeht, ist vollkommen unklar. Die israelische Regierung hat nach den Worten von Außenminister Gideon Saar "nicht die Absicht, irgendjemanden aus dem Gazastreifen auszuweisen oder zu deportieren".

Wenn jedoch jemand "freiwillig auswandern möchte und es ein Land gibt, das bereit ist, ihn aufzunehmen - wie es in allen Konfliktgebieten der Welt der Fall ist -, werden wir uns dem nicht widersetzen", erklärte Saar Anfang September vor Journalisten. Niemand werde gegen seinen Willen zum Auswandern gezwungen.

Zuvor hatten mehrere Mitglieder der israelischen Regierung Pläne ins Gespräch gebracht, wonach die Einwohner des vom Krieg verwüsteten Gazastreifens diesen verlassen könnten. Die Rede war von einer rein freiwilligen Initiative. Viele Beobachter sahen angesichts der katastrophalen Zustände im Gazastreifen in den Plänen jedoch zumindest eine angedeutete Zwangsumsiedlung. Aus israelischer Sicht gibt es viele auswanderungswillige Palästinenser, die jedoch von der radikalislamischen Hamas daran gehindert würden.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP

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