Politik

Ein verzweifeltes Bündnis So soll Trump gestoppt werden

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Trumps Anhänger sehen sich als "schweigende Mehrheit".

(Foto: imago/ZUMA Press)

Anderthalb Monate vor dem Ende der Vorwahlen schließen zwei Republikaner doch noch ein Anti-Trump-Bündnis. Sie wollen den Showdown in Cleveland erzwingen.

Seit Monaten spekulieren die Medien in den USA darüber, wie die Republikaner eine Präsidentschaftskandidatur des Milliardärs Donald Trump verhindern können. Bislang gab es ganz offensichtlich kein entsprechendes Konzept. Zwar wurden sogenannte Super-Pacs gebildet, die Anti-Trump-Werbung finanzieren. Aber ansonsten lautet der Plan: Augen zu und durch.

Sechs Wochen vor den letzten Vorwahlen haben die beiden anderen verbliebenen Bewerber im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur nun doch noch ein strategisches Bündnis geschlossen. Ted Cruz und John Kasich verständigten sich darauf, in drei Bundesstaaten nicht gegeneinander Wahlkampf zu machen.

Trump reagierte gewohnt deutlich: "Lügen-Ted und Kasich sind mathematisch tot und total verzweifelt", schrieb er auf Twitter. Und schob sein typisch-abfälliges "Traurig!" hinterher.

Was Trump meint: Cruz und Kasich haben keine Chance mehr, die 1237 Delegierten zu gewinnen, die notwendig sind, um auf dem republikanischen Nominierungsparteitag, der vom 18. bis zum 21. Juli in Cleveland stattfindet, zum Präsidentschaftskandidaten gewählt zu werden. Trump dagegen hat nicht nur die meisten Delegierten hinter sich, er ist auch der einzige, der bis zu den letzten Vorwahlen am 7. Juni die magische Schwelle von 1237 Delegierten überspringen kann – zumindest theoretisch.

Eine Übersicht über die Ergebnisse der Vorwahlen finden Sie hier.

Derzeit hat Trump 844 Delegierte. Bei den Republikanern gibt es noch Vorwahlen in 15 Bundesstaaten – an diesem Dienstag in fünf Ostküstenstaaten, die letzten fünf am 7. Juni. Der Sender CNN hat überschlagen, dass Trump selbst dann 75 Delegierte zu wenig haben würde, wenn er alle 15 Wahlen mit rund 47 Prozent für sich entscheiden sollte – das ist die Höhe, in der Trump zuletzt im Schnitt gewonnen hat. Mit anderen Worten: Es wird eng.

Cruz und Kasich setzen auf den großen Showdown

Sicher ist nur, dass es bis zum Parteitag spannend bleibt. Wenn Trump dann tatsächlich unterhalb der 1237er-Schwelle liegt, wird es sogar noch spannender: Dann ist der Parteitag "offen" oder "umkämpft", wie es im amerikanischen Politjargon heißt. Cruz und Kasich wären in einem solchen Szenario mit einem Mal wieder quicklebendig.

Für beide ist ein umkämpfter Nominierungsparteitag die letzte Chance. Die drei Staaten, die Cruz und Kasich untereinander aufgeteilt haben, wurden mit Bedacht gewählt. Cruz erhält den Vortritt in Indiana, Kasich in Oregon und New Mexico. Keiner dieser Staaten bietet viele Delegierte, aber es sind Staaten, in denen ein Verzicht des einen dem anderen den Sieg bringen dürfte – anders als beispielsweise bei den fünf Vorwahlen am Dienstag, für die Trump als klarer Favorit gilt.

"Unser Ziel ist es, in Cleveland einen offenen Nominierungsparteitag zu haben, wo wir darauf vertrauen, dass ein Kandidat nominiert wird, der die Partei vereinen und die Wahl im November gewinnen kann", erklärte Kasichs Chefstratege in einer Mitteilung, die den Deal bekanntmachte. Fast zeitgleich veröffentlichte Cruz' Wahlkampfleiter eine Erklärung, in der es heißt, es wäre "ein sicheres Desaster" für die Republikaner, wenn Trump der Präsidentschaftskandidat würde.

Der letzte umkämpfte Parteitag liegt lange zurück

Auf dem Nominierungsparteitag sind die meisten Delegierten im ersten Wahlgang an einen Kandidaten "gebunden", das heißt, sie müssen dem Bewerber ihre Stimme geben, für den sie nach Cleveland entsandt wurden. Im zweiten Wahlgang sind die meisten Delegierten frei in ihrer Entscheidung, im dritten dann alle (ab wann ein Delegierter frei ist, hängt von den Regeln seines jeweiligen Heimat-Bundesstaats ab). Alle drei Bewerber haben längst damit begonnen, hinter den Kulissen Wahlkampf unter den bereits vergebenen Delegierten zu machen. Aber Cruz ist besser organisiert als Trump, er hat sogar die Plätze von vielen Delegierten mit seinen Anhängern besetzen können, die im ersten Wahlgang für den Immobilienmogul stimmen müssen. Die meisten Beobachter gehen deshalb davon aus, dass Cruz bei einem umkämpften Parteitag die Nase vorn hätte.

Offene Parteitage sind äußerst selten. Bei den Republikanern gab es den letzten 1976. Damals fiel die Entscheidung zwischen Amtsinhaber Gerald Ford und Herausforderer Ronald Reagan allerdings schon im ersten Wahlgang. Der bislang letzte Nominierungsparteitag in den USA, bei dem mehrere Wahlgänge nötig wurden, war die demokratische Convention von 1952, auf der Adlai Stevenson im dritten Anlauf gewählt wurde. Bei den Republikanern liegt ein solcher Parteitag sogar noch weitere vier Jahre zurück. Damals, 1948, ging Thomas Dewey als Sieger hervor.

All diese Beispiele offener Parteitage sind für die Republikaner kein gutes Omen. Sowohl der Demokrat Stevenson als auch die Republikaner Dewey und Ford verloren später in der eigentlichen Präsidentschaftswahl.

Quelle: ntv.de