Politik

Stellungnahme der Leopoldina Söder spricht von "Warn- und Weckruf an Berlin"

Kontaktbeschränkungen und eine stufenweise Impfpflicht - das fordert die Leopoldina. Bayerns Regierungschef Söder sieht in dem Vorstoß der Akademie ein Signal an Berlin. Auch Rufe nach einem erneuten Lockdown und einem Bund-Länder-Gipfel werden laut.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat die Empfehlung der wissenschaftlichen Akademie Leopoldina für sofortige Kontaktbeschränkungen auch für Corona-Geimpfte als "einen Warn- und Weckruf an Berlin" bezeichnet. "Die Lage ist ernster, als die meisten glauben", sagte der CSU-Chef.

"Omikron könnte zu einer neuen Bedrohung werden", betonte Söder im Hinblick auf die neu entdeckte Virusvariante. "Wir sollten daher die Hinweise der Leopoldina sehr ernst nehmen und rasch beraten", so Söder.

Söder schloss zudem eine Rückkehr zu weiteren Geisterspielen im Fußball nicht aus. "Wir müssen uns die nächsten Tage unterhalten. Es müssen auf jeden Fall die Zuschauerzahlen deutlich reduziert werden", sagte er dem TV-Sender Sky. Abstandhalten sei zwar möglich, aber die Anfahrt sei immer ein Problem. "Wir können bei diesen ganzen Fragen nichts ausschließen", sagte der CSU-Chef. Seit Mittwoch gilt in bayerischen Fußballstadien eine Obergrenze von maximal 25 Prozent Auslastung und die 2G-plus-Regel. Das heißt, geimpfte oder genesene Besucher müssen zusätzlich negativ getestet sein. In Sachsen wird bereits ohne Zuschauer gespielt.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek, der derzeit der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) vorsitzt, sprach sich angesichts der Leopoldina-Forderungen für ein schnelles Bund-Länder-Treffen aus. Die Äußerungen des wissenschaftlichen Beratergremiums könnten nicht ignoriert werden, sagte der CSU-Politiker in München. "Ich bin immer dafür, auf die Wissenschaft zu hören", sagte er. "Das ist ein Weckruf par excellence der Leopoldina." Der Bund müsse dieses Signal nun unverzüglich aufnehmen.

Kalayci fordert erneuten Lockdown

Angesichts des rasanten Anstiegs der Zahl von Corona-Neuinfektionen hält Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci einen erneuten Lockdown für erforderlich. "Ich fordere den Bund auf, eine Bundesnotbremse einzusetzen", sagte die geschäftsführende Senatorin von der SPD der "Berliner Morgenpost". Zugleich bat sie die Menschen in Berlin, Großveranstaltungen vor allem in Innenräumen zu meiden, um das Ansteckungsrisiko zu senken. In Berlin trat ihren Angaben zufolge bislang kein Fall der neuen gefährlichen Virusvariante Omikron auf. Die Labore sind nach Angaben der Gesundheitssenatorin darauf vorbereitet und können das mutierte Virus sequenzieren und erkennen.

Die Leopoldina hatte sich zuvor für sofortige umfassende Kontaktbeschränkungen, auch für Geimpfte und Genesene ausgesprochen. "Aufgrund der nachlassenden Immunität müssten diese Maßnahmen vorübergehend auch für Geimpfte und Genesene gelten, die in dieser Zeit eine Auffrischungsimpfung erhalten müssen." Neue Virusvarianten machten schnelles und konsequentes Handeln noch dringlicher, hieß es von dem Gremium.

Die Impfkampagne müsse massiv verstärkt und eine Impfpflicht stufenweise eingeführt werden, hieß es weiter. Ungeimpfte müssten so schnell wie möglich geimpft werden, dazu müssten sie motiviert oder in die Pflicht genommen werden. Wichtig sei eine rasch eingeführte berufsbezogene Impfpflicht für Ärzte, Pflegekräfte und medizinische Fachberufe. Insgesamt sollten bis Weihnachten neben Erst- und Zweitimpfungen rund 30 Millionen Drittimpfungen ermöglicht werden, so die Leopoldina.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP

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