Politik
Um zu entscheiden, ob ein Asylbewerber in Deutschland bleiben darf oder nicht, muss das zuständige Amt auch wissen, woher der Flüchtling stammt. Dabei soll nun eine Software helfen.
Um zu entscheiden, ob ein Asylbewerber in Deutschland bleiben darf oder nicht, muss das zuständige Amt auch wissen, woher der Flüchtling stammt. Dabei soll nun eine Software helfen.(Foto: picture alliance / Daniel Karman)
Freitag, 17. März 2017

BAMF bekommt technische Hilfe: Software soll Flüchtlingsherkunft erkennen

Ob ein Flüchtling in Deutschland bleiben darf oder nicht, hängt auch von seiner Herkunft ab. Diese zu überprüfen ist für die Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge allerdings meist unmöglich. Nun soll ein Computersystem helfen.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) steht unmittelbar vor einem Test mit einer Software zur Dialekterkennung. Die Software soll helfen, die Herkunft von Asylbewerbern einfacher und sicherer festzustellen, berichtete die Zeitung "Die Welt".

Nach Angaben des BAMF haben 60 Prozent der seit 2015 angekommenen Asylbewerber keine gültigen Ausweispapiere vorgelegt. Für das Bundesamt ist es allerdings schwer, die Herkunft der Flüchtlinge zu überprüfen. Nun soll eine Software helfen. "Die Idee ist, von Asylantragstellern eine separate Sprachprobe aufzunehmen und einer automatischen Dialektanalyse zu unterziehen", sagte Julian Detzel, BAMF-Referent im Bereich Grundsatzstrategie Digitalisierung und IT-Programm-Management.

Die ersten Tests sollen dem Bericht zufolge innerhalb der nächsten zwei Wochen beginnen. Mit einem routinemäßigen Einsatz des Systems sei aber nicht vor 2018 zu rechnen. Das System soll auf Technik zur Sprecher-Authentifizierung basieren, wie sie auch Banken und Versicherungen einsetzen; diese Technik soll speziell auf Dialekte zugeschnitten werden. Die Software soll den Entscheidern einen weiteren "Indikator" für die Einschätzung der Asylanträge an die Hand geben.

Experten sind jedoch skeptisch, wie zuverlässig die Software arbeiten kann. Das System lernt, mithilfe von Trainingsdaten verschiedene Sprecher zu unterscheiden. Ein schwieriges Unterfangen, wie ein Computerlinguist der "Welt" erklärte. Denn: die Trainingsdaten müssten für die Dialektanalyse möglichst repräsentativ die Gruppe der zu untersuchenden Asylbewerber abbilden, was etwa das Alter oder die echte Herkunft angeht. Sonst werden diejenigen benachteiligt, deren Sprechweise das System nicht gelernt hat.

Quelle: n-tv.de