Bundesnetzagentur plant ReformSolarstromerzeuger sollen fürs Stromnetz mitzahlen

Die Kosten für das Netz machen etwa ein Drittel der Stromrechnung aus. Wer selbst Solarstrom erzeugt, ist bislang davon befreit. Die Bundesnetzagentur will das nun ändern. Das Argument: Auch Erzeuger profitieren bei Flaute von der Verfügbarkeit.
Die Bundesnetzagentur will die milliardenschweren Kosten für die deutschen Stromnetze neu verteilen. Davon wären vor allem Besitzer von Solaranlagen, aber auch Industriebetriebe und erstmals auch die Betreiber von Kraftwerken betroffen. Für die meisten Haushaltskunden ohne eigene Erzeugung soll sich hingegen wenig ändern. Die Behörde stellte ihre Pläne für eine umfassende Reform der Netzentgelte vor. Die bisherige Systematik werde der Energiewende nicht mehr gerecht, sagte Behördenpräsident Klaus Müller.
"Wer seinen Strom selbst erzeugt, trägt bisher weniger zur Finanzierung des Netzes bei", erklärte Müller. Aber auch dieser verlasse sich auf das Netz, wenn die Sonne nicht scheine und der Speicher leer sei. "Wir wollen Stromerzeuger deswegen ein wenig stärker an den Kosten beteiligen. Das ist ein Gebot der Fairness."
Grundpreis für Einspeiser soll steigen
Hintergrund ist die grundlegende Veränderung des Energiesystems seit der letzten großen Regelung von 2005. Während die Kosten für Netzausbau und -stabilität steigen, tragen Verbraucher ohne eigene Stromerzeugung eine zunehmend größere Last. Wer viel eigenen Strom erzeuge und wenig aus dem Netz beziehe, trage bisher kaum zu den Netzkosten bei, verlasse sich aber bei Bedarf auf die Verfügbarkeit des Netzes. Diese Schieflage solle korrigiert werden. Bei den Netzentgelten geht es um ein jährliches Kostenvolumen von rund 37 Milliarden Euro, die etwa 30 Prozent der Stromrechnung eines Haushalts ausmachen.
Konkret sollen Haushalte mit eigener Solaranlage, die sogenannten Prosumer, künftig einen höheren Grundpreis zahlen. Die zusätzlichen Kosten sollen voraussichtlich unter 100 Euro im Jahr liegen. Steckersolaranlagen für den Balkon sind davon ausgenommen. Auch Stromerzeuger wie Wind- und Solarparks, die bisher von den Entgelten befreit seien, sollen künftig über einen begrenzten jährlichen Beitrag an der Netzfinanzierung beteiligt werden. Für die Industrie soll ein neues Preismodell mehr Anreize für flexibles, netzschonendes Verhalten schaffen. Die Vorschläge sollen im Sommer in einen Entwurf für eine Festlegung einfließen. Eine endgültige Entscheidung werde für Ende 2026 angestrebt. Notwendig wird die Neuregelung auch durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, weshalb die bestehenden gesetzlichen Vorgaben Ende 2028 außer Kraft treten.