Politik

Wer wird zuerst geimpft? Spahn erwartet Impfungen in Messehallen

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Mehrere Corona-Impfstoffe weltweit befinden sich bereits in der klinischen Erprobung.

(Foto: dpa)

Im Winter könnten die ersten Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 bereitstehen. Gesundheitsminister Spahn erwartet dann zentrale Impfungen in Messehallen - etwa, weil die Stoffe bei extremen Temperaturen gelagert werden. Vorschläge dazu, wer zuerst gespritzt wird, soll es bis Ende Oktober geben.

Beschäftigte des Gesundheitswesens, Ältere und Kranke könnten ab dem Winter in Deutschland als Erste zentral in Messehallen gegen eine Corona-Infektion geimpft werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte in Berlin, er glaube, dass am Anfang in Impfzentren gestartet werden müsse. "Das sind aus meiner Sicht eher keine Turnhallen, sondern eher Messehallen", sagte der CDU-Politiker. "Da sind wir jetzt in der Diskussion auch mit den Ländern."

Da es wohl anfangs nicht für alle Menschen Impfstoffe gebe, entstehe voraussichtlich die Notwendigkeit einer Priorisierung, sagte Spahn weiter. Zur Frage, wer zuerst geimpft wird, nannte er als Beispiele die Beschäftigten des Gesundheitswesens oder bestimmte Risikogruppen. Zu den Kriterien einer solchen Prioritätensetzung habe er den Deutschen Ethikrat, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die am Robert-Koch-Institut (RKI) angesiedelte Ständige Impfkommission um Vorschläge bis Ende Oktober gebeten.

Zu Personengruppen, die nach bisherigen Erkenntnissen ein höheres Risiko für einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf haben, zählt das RKI unter anderem Ältere ab 50 bis 60 Jahren, Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, mit Diabetes oder Erkrankungen des Atmungssystems sowie Patienten mit unterdrücktem Immunsystem - vor allem, wenn mehrere dieser Merkmale gemeinsam zutreffen. Zuletzt hatte zudem Bundesbildungsministerin Anja Karliczek dafür plädiert, dass Lehrerinnen und Lehrer zu den Ersten gehören, denen eine Impfung angeboten werde.

Spahn hatte in einem Interview Mitte September gesagt: "Ich bin optimistisch, dass wir nach einigen Monaten genügend Impfstoff für alle haben." Als weiteren Grund dafür, dass wahrscheinlich große Impfzentren eingerichtet werden, nannte Spahn die Beschaffenheit der erwarteten Stoffe. "Die Impfstoffe werden wahrscheinlich (...) bei Minusgraden - und zwar nicht bei minus 2, sondern eher bei minus 20 bis minus 70 Grad - transportiert werden und gelagert werden müssen. Sie werden wahrscheinlich in größeren Gebinden kommen." Spahn nannte "Dezember, Januar, Februar, März" als möglichen Zeitraum.

Spahn gegen Impfpflicht

Das RKI erwartete bereits Ende August, "dass bis Anfang 2021 ein oder mehrere Covid-19-Impfstoff(e) in der Europäischen Union zugelassen und erste Produktionschargen verteilt und vertrieben werden könnten". Bisher ist kein Impfstoff-Kandidat abschließend getestet und zugelassen. Bei den verschiedenen Herstellern ist der Stand sehr unterschiedlich. Sicherheit hat laut Spahn obere Priorität. "Wir verlangen Phase-3-Studien", bekräftigte er. Dabei werden Wirkstoffe an vielen Menschen erprobt. "Dieser Impfstoff braucht sehr hohes Vertrauen." Eine Impfpflicht lehnte Spahn erneut ab. "Nein, es wird ein Impfangebot."

Minister Spahn sprach sich dafür aus, die Impfstoffe aus Steuermitteln zu finanzieren. Denn unnötig aufwendig wäre es, stattdessen zunächst eine unterschiedliche Bezahlung etwa für gesetzlich und privat Krankenversicherte zu organisieren - vor allem, wenn die Ausgaben hinterher ohnehin über einen höheren Bundeszuschuss ausglichen würden. Corona-Impfstoffe könnten nach Aussagen des Europäischen Pharmaverbands (EFPIA) pro Einheit zwischen 5 und 15 Euro kosten. Spahn sprach sich weiter dafür aus, die Kosten für die Infrastruktur der Massenimpfungen zwischen öffentlichem Gesundheitsdienst und Krankenkassen aufzuteilen.

Deutsche Alleingänge bei den weltweit herbeigesehnten Impfstoffen lehnte Spahn ab. So wären etwa Verträge mit Herstellern von Deutschland oder auch Frankreich alleine nicht europäisch gedacht. "Wir verhandeln für alle 27", sagte er mit Blick auf die EU-Mitgliedstaaten. Ferner würden "internationale Anstrengungen" unterstützt. Laut EFPIA würden knapp acht Milliarden Impfdosen zur Impfung der Hälfte der Weltbevölkerung benötigt. Der Verband geht von zwei nötigen Impfungen pro Person aus. Die globale Kapazität zur Herstellung aller Impfstoffe liegt demnach bei fünf Milliarden Dosen pro Jahr.

Quelle: ntv.de, mli/dpa