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Notfallhilfe in Corona-Krise Spahn will Ärzte im Ruhestand reaktivieren

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In deutschen Kliniken laufen die Vorbereitungen auf einen Patientenansturm.

(Foto: picture alliance/dpa)

Durch das Coronavirus rollt womöglich sehr bald eine riesige Patientenwelle auf deutsche Krankenhäuser zu. Um zusätzliche Kapazitäten zu schaffen, ruft Gesundheitsminister Spahn die Kliniken auf, "planbare Operationen" zu verschieben. Außerdem sollen Studenten und Senioren helfen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat alle Kliniken aufgerufen, sich für Behandlungen vieler Patienten mit dem neuen Coronavirus zu wappnen. "Bitte verschieben Sie planbare Operationen und Eingriffe jetzt", schrieb der CDU-Politiker an die Geschäftsführer der Krankenhäuser. Spahn bat außerdem darum, Studenten "schon jetzt" für den Corona-Einsatz auszubilden und Mitarbeiter zurückzuholen, die sich im Ruhestand befinden.

Die Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) sicherten den Krankenhäusern finanzielle Rückendeckung zu. Um die Kliniken für eine größere Zahl schwerkranker Corona-Patienten frei zu halten, sollen nach dem Willen von Bund und Ländern alle planbaren Operationen, Aufnahmen und Eingriffe verschoben werden. Dies solle soweit medizinisch vertretbar ab diesem Montag für unbestimmte Zeit gelten, hatten die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder am Donnerstagabend beschlossen.

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In einem bayerischen Krankenhaus weist ein Schild auf vorübergehende Besuchsverbot hin.

(Foto: picture alliance/dpa)

Spahn erläutert in dem Brief: "Eine Entscheidung dieser unmittelbaren Tragweite hat es für den Krankenhausbetrieb in der Bundesrepublik Deutschland wahrscheinlich noch nicht gegeben." Er sei sich bewusst, welche Folgen dies für Beschäftigte und Patienten habe. Der Minister bekräftigte die Zusage von Bund und Ländern, dass wirtschaftliche Folgen ausgeglichen würden, damit kein Krankenhaus ins Defizit kommt.

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Finanzreserven von 20 Milliarden Euro

Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstand beim GKV-Spitzenverband, sagte, "die Kliniken können sich darauf verlassen, dass die gesetzliche Krankenversicherung auch bei den Coronavirus-bedingten Mehrausgaben an ihrer Seite steht". Zur Bewältigung der Coronavirus-Pandemie brauche es unbedingt freie Intensivkapazitäten, und es sei richtig, dafür planbare Operationen abzusagen. Zur konkreten Umsetzung der Finanzierungsfragen sei man im Gespräch mit dem Gesundheitsministerium und der Krankenhausgesellschaft (DKG).

Die DKG erklärte, selbstverständlich kämen die Kliniken der Aufforderung nach, ab kommender Woche Patientenbehandlungen - soweit medizinisch vertretbar - zurückzufahren. Dies mache Kapazitäten für die Versorgung schwer betroffener Covid-19-Patienten und aller weiteren akut Behandlungsbedürftigen verfügbar. Es müsse jetzt alles getan werden, um den Bestand und die Arbeitsfähigkeit der Kliniken zu erhalten, sagte DKG-Präsident Gerald Gaß. Dafür müssten finanzielle Hilfen unbürokratisch und schnell die Liquidität der Krankenhäuser sichern. Die zentrale Beschaffung und Verteilung von Schutzausstattung und Medizinprodukten müsse schnell geregelt werden. Dies gelte auch für die Kinderbetreuung für medizinisches und Pflege-Personal bei Schul- und Kitaschließungen.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben mit Stand Ende vergangenen Jahres rund 19,8 Milliarden Euro an Finanzreserven. Operativ waren sie 2019 erstmals seit 2015 ins Minus gerutscht. Unter dem Strich stand ein Defizit von 1,5 Milliarden Euro nach einem Überschuss von zwei Milliarden Euro im Jahr zuvor.

Quelle: ntv.de, chr/dpa