Politik

Besonnene Coronavirus-Erklärung Spahn wischt Angst nicht beiseite, aber ...

In Zeiten des Coronavirus bestimmen teilweise Angst und Hysterie die öffentliche Diskussion. Gesundheitsminister Spahn versucht mit einer ruhigen Regierungserklärung dagegenzuhalten. Er warnt vor einer weiteren Ausbreitung, ruft aber zugleich zu Besonnenheit auf.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rechnet mit weiteren Infektionen mit dem neuen Coronavirus. "Der Höhepunkt der Ausbreitung ist noch nicht erreicht", sagte der CDU-Politiker in seiner Regierungserklärung im Bundestag. Die Behörden zielten weiterhin darauf, die Entwicklung zu verlangsamen und einzudämmen. "Die Sicherheit der Bevölkerung geht im Zweifel vor, auch vor wirtschaftlichen Interessen."

Durch das vermehrte Auftreten in Ländern wie Italien oder dem Iran sei eine neue Situation entstanden. Bis dahin hatten die Infektionsketten als nachvollziehbar gegolten, was inzwischen nicht mehr der Fall ist. Spahn stellte fest: "Aus der Corona-Epidemie in China ist eine Pandemie geworden." In Deutschland habe eine Epidemie begonnen. Inzwischen gebe es rund 240 bestätigte Infektionen, die Lage sei regional aber unterschiedlich. So gebe es im Kreis Heinsberg eine andere Situation als etwa in der Hansestadt Rostock.

Die verordneten Quarantäne-Maßnahmen für Betroffene seien in diesem Zusammenhang sinnvoll gewesen, weil sie "wertvolle Zeit" gebracht hätten und seit dem größeren Ausbruch in China im Januar mehr über das Virus bekannt ist. Spahn bewertete das Vorgehen der Behörden positiv, räumte aber auch Mängel ein. So dauere es vielfach zu lange, bis Verdachtsfälle getestet werden könnten. Deutschland könne sich bei der Bekämpfung des Virus aber auf Experten verlassen, "die zu den besten gehören".

Die übergroße Mehrheit der Infektionen verlaufe milde. Sars-CoV-2 sei deutlich weniger ansteckend als Masern, sagte Spahn. Noch sei allerdings keine abschließende Beurteilung der Gefährlichkeit des Erregers möglich. Der Krisenstab der Bundesregierung hat als weitere Krisenmaßnahme beschlossen, dass der Bund dringend benötigte Schutzkleidung für Praxen und Krankenhäuser jetzt zentral beschafft. Zudem werden Exporte weitgehend verboten.

*Datenschutz

 

Spahn rief die Bürger zugleich zu Besonnenheit und Zusammenhalt auf. Es werde auch in den kommenden Wochen möglich sein, dass der Alltag mancher Bürger eingeschränkt werde. Auch müsse über Optionen nachgedacht werden, wonach medizinische Kräfte in einer nächsten Stufe auf Patienten mit schweren Krankheitsverläufen konzentriert werden. Planbare medizinische Eingriffe könnten dann im Zweifelsfall verschoben werden. Infizierte Bürger mit leichten Symptomen würden dann gebeten, sich zu Hause auszukurieren.

Die Folgen der Angst vor dem Virus könnten im Endeffekt größer sein, als die Folgen durch das Virus selbst. Er wolle diese Ängste und Sorgen nicht beiseite wischen, betonte der Gesundheitsminister. "Angst ist eine zutiefst menschliche Reaktion." In Deutschland hätten die Bürger Erfahrung mit allen möglichen Gefahren. Mit einem "kühlen Kopf" ließe sich alles bewältigen, so Spahn. Er rief die Bürger auf, sich weiter besonnen zu verhalten, sich aus zuverlässigen Quellen zu informieren und Fake News nicht weiter zu beachten. Die durch das Coronavirus verursachten Einschränkungen im Alltag können und werden Stress auslösen, betonte der Minister. Jetzt gehe es darum, zusammenzuhalten und einander auch unter Stress zu vertrauen.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP