Politik

Staatstrauer und 42 Festnahmen Sri Lanka weitet Polizeibefugnisse aus

Staatstrauer in Sri Lanka: Zwei Tage nach den Terroranschlägen mit mehr als 300 Toten verhängt der Inselstaat den Notstand. Präsident Sirisena weitet die Befugnisse der Sicherheitsbehörden aus. Inzwischen gibt es 40 Festnahmen.

Zwei Tage nach der Serie von Selbstmordanschlägen auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka ist die Zahl der Todesopfer auf 310 gestiegen. Mehr als 500 Verletzte werden noch in Krankenhäusern behandelt. Es habe inzwischen 42 Festnahmen gegeben. Darunter sei auch ein syrischer Staatsbürger, teilte die Polizei mit. Mehr als 20 Häuser seien durchsucht worden.

Für den gesamten Dienstag gilt eine Staatstrauer. Zahlreiche Bestattungen waren geplant. Mit drei Schweigeminuten gedachten die Menschen vor den Kirchen der Opfer der Anschläge vom Ostersonntag. Die Schweigeminuten begannen um 8.30 Uhr - dem Zeitpunkt, zu dem am Sonntag die erste Bombe detoniert war. Die Flaggen wurden auf Halbmast gesetzt.

In der Nacht zum Dienstag traten Notstandsbestimmungen in Kraft. Staatspräsident Maithripala Sirisena erklärte den öffentlichen Notstand im Interesse der öffentlichen Sicherheit und der Sicherung der Versorgung mit Waren und Dienstleistungen für die Bürger. Mit den Regelungen erhalten Sicherheitskräfte außerdem erweiterte Befugnisse, etwa für Durchsuchungen und zur Festnahme von Personen.

Verhaftungen ohne Haftbefehl möglich

Die Sicherheitskräfte sollen dem Präsidenten-Büro zufolge weitreichende Befugnisse erhalten. Nach dem Gesetz können diese etwa für Hausdurchsuchungen ohne Erlaubnis eines Gerichts und für Verhaftungen ohne Haftbefehl gelten. Solche Bestimmungen waren während des Bürgerkriegs in Sri Lanka von 1983 bis 2009 fast dauerhaft in Kraft - und auch darüber hinaus noch bis 2011.

Die Regierung des asiatischen Inselstaates macht eine einheimische Islamistengruppe namens National Thowheeth Jama'ath (NTJ) für die verheerenden Anschläge verantwortlich. Vor den Anschlägen hatten ausländische Geheimdienste vergeblich vor der Gefahr gewarnt.

Die Hintergründe für die Taten blieben weiterhin unklar. Einer der Attentäter war nach Angaben eines Kabinettsministers vor wenigen Monaten wegen der Beschädigung von Buddha-Statuen festgenommen worden. Bei neun Festgenommenen handelte es sich um Mitarbeiter einer Fabrik, die einem der der mutmaßlichen Täter gehörte.

Interpol schickt Experten

Untersucht wird nun, warum Warnungen vor islamistischen Angriffen schon Tage vor den Anschlägen folgenlos blieben. Präsident Sirisena berief ein dreiköpfiges Team ein, um die Anschlagsserie zu untersuchen. Das Gremium soll in zwei Wochen einen ersten Bericht vorlegen. Die internationale Polizeiorganisation Interpol kündigte an, Spezialisten mit Expertise in den Bereichen Tatortuntersuchung, Sprengstoff, Terrorismusbekämpfung und Opferidentifizierung zu entsenden.

Die Selbstmordanschläge waren binnen kurzer Zeit auf drei Fünf-Sterne-Hotels in der Metropole Colombo und auf drei Kirchen in Colombo, im nahegelegenen Küstenort Negombo und in der Ostküstenstadt Batticaloa verübt worden. Zu dem Zeitpunkt waren die Kirchen voll besetzt mit Gläubigen, die die Ostermesse feierten.

Unter den mehr als 30 getöteten Ausländern ist auch ein Deutsch-Amerikaner, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Weitere deutsche Opfer gebe es nach derzeitigen Erkenntnissen nicht, sagte eine Sprecherin am Montag weiter. 14 Ausländer werden nach Angaben des Außenministeriums Sri Lankas noch vermisst.

Quelle: n-tv.de, mau/lou/dpa/AFP

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