Politik

Seit Jahrzehnten in der Politik Sri Lankas Parlament wählt neuen Präsidenten

Ranil Wickremesinghe gehört zu den erfahrensten Politikern Sri Lankas. Nun gewinnt er die Präsidentenwahl des Inselstaats und verspricht, "das Land aus der Krise zu führen". Die Protestbewegung sieht in dem 73-Jährigen jedoch einen Verbündeten des geflohenen früheren Präsidenten.

Sri Lankas Interimspräsident Ranil Wickremesinghe ist zum neuen Staatschef in dem südasiatischen Krisenland gewählt worden. Laut dem offiziellen Abstimmungsergebnis erhielt der 73-Jährige bei dem Votum im Parlament 134 Stimmen. Auf Ex-Bildungsminister Dullas Alahapperuma entfielen demnach 82 Stimmen. Für den Chef der linken Oppositionspartei JVP, Anura Dissanayak, votierten nur drei Abgeordnete.

Die Spaltung des Landes sei nun überwunden, sagte Wickremesinghe in einer kurzen Dankesrede im Parlament. Er rief Alahapperuma auf, sich ihm anzuschließen und "gemeinsam daran zu arbeiten, das Land aus der Krise zu führen".

Wickremesinghe ist einer der erfahrensten Politiker seines Landes. Der 73-Jährige begann 1977 seine politische Laufbahn im Parlament und war insgesamt sechsmal Premierminister. Er ist ausgebildeter Jurist und stammt aus einer Politikerfamilie. Bei der Parlamentswahl im August 2020 hatte seine eigene Partei allerdings nur einen Sitz geholt. Nach der Flucht von Präsident Gotabaya Rajapaksa infolge der Massenproteste hatte Wickremesinghe dessen Amt zuvor bereits übergangsweise übernommen.

Protestbewegung kündigt Demonstrationen an

Beobachter gehen davon aus, dass Wickremesinghe als Präsident hart durchgreifen wird. Es wird erwartet, dass er nun den Minister für öffentliche Verwaltung, Dinesh Gunawardena, zum neuen Ministerpräsidenten ernennt. Dieser ist überzeugter Rajapaksa-Anhänger. Wegen seiner Verbindung zum Ex-Präsidenten wurde auf Massenproteste schon seit Wochen Wickremesinghes Rücktritt als Regierungschef gefordert. Demonstranten hatten angekündigt, weiter gegen ihn zu protestieren.

Sri Lanka mit seinen etwa 22 Millionen Einwohnern erlebt die schlimmste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Die Regierung hat daher unter anderem den Internationalen Währungsfonds sowie Indien, China, Russland und andere Länder um Hilfe gebeten. In dem Inselstaat südlich von Indien mangelt es an Treibstoff, Gas zum Kochen, Medikamenten und Lebensmitteln. Dem stark verschuldeten Land fehlt das Geld, um wichtige Güter zu importieren. Auch die hohe Inflation und stundenlange Stromausfälle sorgen für großen Unmut. Die Gründe für die Krise sind vielfältig - darunter Misswirtschaft und Korruption, aber auch die Folgen der Corona-Pandemie, die vor allem den wichtigen Tourismus-Sektor hart getroffen haben.

Quelle: ntv.de, mbu/AFP/dpa

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