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Premier besucht zerstörte Stadt Stammeskämpfer sollen Ramadi sichern

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Das wollte sich Iraks Premier Haider al-Abadi nicht nehmen lassen: Er gratuliert den Truppen, die Ramadi vom IS befreit haben.

(Foto: AP)

Das Zentrum von Ramadi ist vom Islamischen Staat befreit, nun soll die Stadt gesichert werden. Doch dazu wird nicht die irakische Armee eingesetzt, sondern sunnitische Stammesverbände. Selbst der Premier lässt sich einen Besuch in der Großstadt nicht nehmen.

Nach der Rückeroberung Ramadis aus den Händen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sind Hunderte sunnitische Stammeskämpfer in der Provinzhauptstadt stationiert worden. Die Mitglieder des Truppenverbands Hasched al-Schaabi sollen dabei helfen, die "befreiten Gebiete zu sichern", sagte der für den Einsatz zuständige General Ismail Mahalawi. Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi beglückwünschte derweil die Armee bei einem Besuch in der Stadt zu ihrem Sieg.

Hasched al-Schaabi ist ein Truppenverband, der von schiitischen Milizen dominiert wird. Ihm gehören aber auch sunnitische Kämpfer von Stämmen aus der Provinz Anbar an. Fünf Einheiten der Stammeskämpfer seien in drei Stadtteilen im Norden Ramadis eingetroffen, sagte ihr Anführer. Sie seien auf einem Stützpunkt östlich der Stadt ausgebildet und mit Waffen der Armee ausgerüstet worden. Nun sollen sie dabei helfen, die Stadt vor Angriffen des IS zu sichern.

Säuberungsaktionen in der Stadt

Ministerpräsident al-Abadi besuchte derweil erstmals wieder die Provinzhauptstadt. Er sei in Begleitung von hochrangigen Militärs in den Straßen des befreiten Universitätsviertels unterwegs gewesen, berichtete ein Mitglied des Rates der Provinz Anbar, in der Ramadi liegt. Der Regierungschef hatte am Montag den Sieg über den Islamischen Staat in der Stadt verkündet. Die Regierungstruppen hatten die Großstadt nach erbitterten Gefechten vollständig von den Dschihadisten zurückerobert. Soldaten sollen die Stadt aber noch vollständig unter ihre Kontrolle bringen.

"Das Militär führt Säuberungsaktionen in Ramadi durch und wird in neue Gebiete vorrücken, um sie von den Terroristen zu befreien", sagte ein Polizeisprecher. Viele Dschihadisten seien wahrscheinlich bereits in Richtung der Extremisten-Hochburg Falludscha, die etwa 50 Kilometer östlich von Ramadi auf halber Strecke nach Bagdad liegt, geflohen. In Ramadi seien noch Sprengfallen der Dschihadisten zurückgeblieben, die entschärft werden müssten.

Großteil der Stadt ist zerstört

Am Tag nach dem Hissen der irakischen Fahne über dem Regierungsviertel offenbarte sich das ganze Ausmaß des wochenlangen Häuserkampfes in Ramadi. 80 Prozent der Stadt seien zerstört, sagte ein Mitglied des Provinz-Rates von Anbar. Bei den Gefechten um Ramadi im Mai wurden Hunderttausende Iraker vertrieben. Nach Worten des Provinzgouverneurs sollen die Bewohner aber bereits in den kommenden Tagen in die Stadt zurückkehren.

Nach der Sicherung Ramadis wird erwartet, dass sich gut ausgebildete Anti-Terror-Einheiten der irakischen Armee Falludscha zuwenden. Hauptziel bleibt aber die Provinzhauptstadt Mossul, die größte noch verbliebene IS-Hochburg im Irak.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/dpa

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