Politik

Brief an verletzten Star-Autor Steinmeier würdigt Mut von Salman Rushdie

Rushdie 2017 bei einer Diskussionsveranstaltung mit Steinmeier im Schloss Bellevue.

Rushdie 2017 bei einer Diskussionsveranstaltung mit Steinmeier im Schloss Bellevue.

(Foto: picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa)

Nach der Messerattacke auf Salman Rushdie wendet sich Bundespräsident Steinmeier in einem Brief an den Schriftsteller. Darin spricht er von einem "Angriff auf die Freiheit des Worts". Er würdigt den Mut Rushdies, trotz Chomeinis Mordaufruf nicht geschwiegen zu haben.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dem durch eine Messerattacke verletzten Schriftsteller Salman Rushdie eine baldige Genesung gewünscht. In einem Brief an Rushdie zeigte sich Steinmeier "tief entsetzt" von der "niederträchtigen Messerattacke", wie das Bundespräsidialamt mitteilte. "Dies war ein Angriff auf die Freiheit des Worts und die freiheitlich verfasste Gesellschaft. Ein perfider Angriff auf einen schutzlosen Menschen."

Rushdie war am Freitag bei einer Literatur-Veranstaltung im Bundesstaat New York mit einem Messer angegriffen worden. Der britisch-indische Schriftsteller wurde schwer verletzt und musste notoperiert werden, befindet sich mittlerweile aber auf dem Weg der Besserung. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen.

"Sie wussten stets um Ihre Gefährdung", schrieb Steinmeier an Rushdie. "Und doch haben Sie sich bewusst dafür entschieden, dem menschenverachtenden Mordaufruf Ajatollah Chomeinis nicht die Oberhand zu lassen und autoritärer Herrschaft die Freiheit des Individuums entgegenzusetzen."

Wegen angeblicher Beleidigung des Propheten Mohammed in Rushdies Buch "Die Satanischen Verse" hatte 1989 Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Chomeini in einer Fatwa zur Tötung des Schriftstellers aufgerufen. Jahrelang lebte Rushdie unter strengem Polizeischutz an immer wieder wechselnden, geheimen Orten. Seit einiger Zeit führte er aber wieder ein relativ normales Leben und trat in der Öffentlichkeit auf.

"Auch wenn von den körperlichen Wunden keine Lebensgefahr mehr ausgeht, bleibt die Verletzung der Seele", schrieb Steinmeier an Rushdie mit Blick auf dessen Verfassung. "Ich hoffe daher sehr, dass Sie trotz dieses Angriffs auf Ihr Leben und trotz der schweren Verletzungen weiterhin die Kraft haben werden, für uns als Ihre Leser zu schreiben und öffentlich zu sprechen." Die Wahrheit der Literatur und die Wahrheit der Freiheit würden "immer stärker sein als die Lüge und die Knute, mit denen religiöse Fanatiker und autoritäre Regime sich die Kontrolle zu verschaffen versuchen", zeigte sich Steinmeier überzeugt.

Quelle: ntv.de, chf/AFP

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