Politik

Hauptverdächtiger in Lübcke-Mord Stephan E. hatte engeren Kontakt zur AfD

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Stephan E. nach seiner Verhaftung im Juli 2019.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der mutmaßliche Mörder von Walter Lübcke hatte offenbar persönlichen Kontakt zur AfD. Die Partei bestätigt Berichte, wonach Stephan E. unter anderem im Wahlkampf half, bevor er 2019 den Kasseler Regierungspräsidenten erschossen haben soll.

Der Hauptverdächtige im Mordfall des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hatte offenbar engere Verbindungen zur AfD als bisher bekannt. Nach Recherchen des NDR soll der Rechtsextremist Stephan E. die AfD im hessischen Landtagswahlkampf 2018 unterstützt haben. So soll E. unter anderem Wahlplakate aufgehängt und mehrere Treffen der Partei in Nordhessen besucht haben. Bisher waren demnach lediglich eine Spende an die Partei sowie die Teilnahme an einer AfD-Demonstration in Chemnitz 2018 bekannt.

Zum Zeitpunkt seiner Teilnahmen an öffentlichen Veranstaltungen sei E. dem Kreisverband jedoch unbekannt gewesen, erklärte ein Parteisprecher in Wiesbaden. Als ein Bild des Verdächtigen dann nach dem Mord des Kassler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Juni vergangenen Jahres in den Medien kursierte, habe der Kreissprecher E. anhand seines Baseballcaps erkannt und umgehend die Polizei informiert.

Etwas später sei der AfD bekannt geworden, dass E. der Partei einmal beim Plakatieren während des Wahlkampfes 2018 geholfen habe, teilte der Sprecher weiter mit. Auch diese Information sei der Polizei unverzüglich gemeldet worden. Danach sei geprüft worden, ob E. Parteimitglied bei der AfD werden wollte. Das sei nicht geschehen, E. habe auch keinen solchen Versuch unternommen.

"Nicht über Politik gesprochen"

Nach Recherchen des NDR haben weitere Zeugen bei der Polizei ausgesagt, sie hätten den Mordverdächtigen E. bei AfD-Treffen gesehen. Ein AfD-Anhänger aus Kassel habe den Ermittlern mitgeteilt, er habe E. Ende 2018 bei einem Vortrag bei der AfD kennengelernt. Es habe mehrere private Treffen gegeben, allerdings sei nicht über Politik gesprochen worden.

Lübcke war im Juni 2019 auf der Terrasse seines Hauses mit einem Kopfschuss getötet worden. Der früher als Neonazi bekannte Stephan E. soll nach bisherigen Ermittlungen der Schütze sein. Bisher gibt es keine Belege für die Anwesenheit eines weiteren Mannes am Tatort. E. legte ein umfassendes Geständnis ab, das er später aber widerrief. Zuletzt erklärte sein Anwalt, E. sei gemeinsam mit Markus H. bei Lübcke gewesen. Gegen H. wird bisher wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord ermittelt.

Quelle: ntv.de, mra/AFP/dpa