Politik

Rückkehr in die Politik Strache lässt seine "Bewegung" zappeln

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Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache plant sein politisches Comeback.

(Foto: picture alliance/dpa)

251 Tage nach dem Ibiza-Beben und 114 Tage nach seinem Rückzug ins Privatleben kündigt Heinz-Christian Strache sein Comeback an - in einer denkwürdigen Rede. Der Ex-Vizekanzler Österreichs will mit einer "Bewegung" wiederkommen. Aber nur unter Bedingungen.

Der echte Heinz-Christian Strache hat die Sofiensäle in Wien noch gar nicht betreten, da ist sein Bild schon da, hundertfach abgedruckt auf Autogrammkarten, die auf den Stühlen ausliegen. Das Motiv: Strache mit seinem Hund, dazu der Schriftzug "23.01.2020, Sofiensäle Wien - Ich war dabei". Offiziell besucht Strache den Neujahrsempfang der neu gegründeten "Allianz für Österreich", kurz DAÖ, nur als Gastredner. In Wahrheit ist er als Schatten-Vorsitzender gekommen, als designierte Führungsfigur einer neuen rechtspopulistischen Kraft.

Bislang hat Strache sich nicht offen zur DAÖ bekannt, die bis dato nur aus einer Handvoll FPÖ-Abtrünnigen besteht. Aber die meisten der rund 500 Anhänger rechnen damit, dass Strache heute Abend endlich "Ja" sagt. 80 Journalisten aus 9 Ländern sind akkreditiert, das ORF überträgt live, sie alle wollen das Blitz-Comeback des so tief gefallenen Ex-Vizekanzlers begleiten - nur 251 Tage nach Ibiza und 114 Tage nach seinem angekündigten Rückzug ins Privatleben.

Die Bühne ist bereitet: Begleitet von Queens "Don't stop me now" und "Strache"-Rufen schreitet Strache, blaue Jeans, schwarzer Rollkragenpulli, in den Saal. Fast eine Stunde lang wird er reden - aber der Umworbene belässt es vorerst bei einem "Ja, aber". Mit klarer Tendenz zum "Ja": "Ich lasse euch nicht im Stich", sagte er unter lautem Jubel, der noch frenetischer wird, als er von einer "Liste HC Strache" redete. Nur "ein paar Hausaufgaben" seien noch zu erledigen. Im Klartext: Es sind noch ein paar Bedingungen zu erfüllen, bevor sich Strache zum Chef einer neuen Partei ausrufen lässt.

Nur das Beste für den Hoffnungsträger

Man kann der "Allianz für Österreich" jedenfalls nicht vorwerfen, sich bei ihrer Brautwerbung nicht ins Zeug gelegt zu haben: Der stuckverzierte Prachtsaal im 3. Wiener Gemeindebezirk, der politischen Heimat Straches, riecht ein bisschen so, als wäre gerade erst frisch gestrichen worden. Der rote Vorhang hinter der Bühne glänzt seidig, ein Saxofonist unterhält das Publikum in den Pausen. Rund 25.000 Euro soll der Neujahrsempfang gekostet haben. Ein standesgemäßes Umfeld für einen, der noch vor wenigen Monaten auf dem Weg in sein Büro im Palais Dietrichstein bei der Hofburg von einem goldfarbenen Schildchen mit der Aufschrift "Vizekanzler" begrüßt wurde.

Und kein Vergleich zum ersten Auftritt der "DAÖ" im Dezember, als die drei Gründungsmitglieder Karl Baron, Dietrich Kops und Klaus Handler die Presse in ein Kabuff luden und ständig die Plätze tauschten, als spielten sie "Mein rechter, rechter Platz ist leer". Zu allem Überfluss tauchte das Video dann auch noch in der ORF-Satire-Sendung "Willkommen Österreich" auf - die Blamage war komplett. Schwer vorstellbar, dass ein Heinz-Christian Strache seine politischen Ambitionen ausgerechnet an diese Männer knüpfen wollte.

Suche: Führungsfigur. Biete: Bewegung.

Aber das gemeinsame Schicksal schweißt zusammen - Strache wurde am 13. Dezember aus der FPÖ ausgeschlossen, die er 14 Jahre lang als Parteichef geführt hat. Kops, Baron und Handler folgten ihrem Weggefährten und gründeten DAÖ als eine Art Auffangbecken für weitere Getreue des Ex-Chefs. Strache lobt sie dafür in seiner Rede als "die drei Musketiere". Welche Rolle er für sich vorsieht, daran lässt er keinen Zweifel: die des Sonnenkönigs, des absoluten Herrschers.

"Wenn ich zurückkehre", sagt er, "dann an der Spitze einer Bürgerbewegung aus allen sozialen Schichten. Ich will nicht an der Spitze einer Funktionärspartei stehen". Eine "Liste Strache" also statt einer FPÖ 2.0 - und das ganz ohne Funktionäre, die am Ende noch den Chef infrage stellen.

So eine Liste könnte zumindest bei den Wahlen in Wien im Herbst dieses Jahres eine kleine Rolle spielen, Ibiza hin, Ibiza her. Das weltberühmte Video bezeichnet Strache in den Sofiensälen wie gewohnt als "b'soffene G'schicht", was seinen Anhängern als Erklärung ausreicht. Niemand käme hier auf die Idee, ihn als erledigt anzusehen, Ibiza hat vielleicht die politische Landschaft in Österreich erschüttert, den Glauben von Straches Anhänger an ihren "HC" aber nicht.

Auf rund 10 Prozent schätzte ein Strache-Gefährte im Publikum das Potenzial für die Wahlen in Wien, Umfragen bestätigen die Einschätzung. Stimmen, die Strache vor allem der FPÖ abjagen könnte. Seine ehemalige Partei schlagen, Rache üben, das scheint ein naheliegendes Motiv zu sein für ein Comeback. "Was ist die FPÖ ohne mich", fragt Strache ins Publikum. "Nur ein Name, der Kopf, Herz und Seele verloren hat." Und noch eine Frage: "Wer ist der HC ohne die FPÖ? Ich bin der Gleiche geblieben."

"Er ist verwöhnt"

Zum Schluss seiner Rede erinnert Strache noch mal an seine offizielle Rolle an diesem Abend, als ob er die Euphorie ein wenig dämpfen wollte: "Ich bin heute als Gastredner wieder zurück auf der politischen Bühne." Dann steigt er hinab und signiert für seine Anhänger das Foto von sich und seinem Hund. Ein paar Meter entfernt schaut sich Dietrich Kops, einer der drei DAÖ-Gründer, das Treiben zufrieden an: "Das hat uns heute Schub für unsere Bewegung gegeben." Nun müssten sie aber erst einmal Strukturen in jedem Wiener Bezirk schaffen, damit sie genug Schlagkraft entwickeln für einen ambitionierten Wahlkampf. Ein gutes Gefühl habe er, sagt Kops, weitere Gemeinderäte der FPÖ wollten überlaufen.

Ein offenes Geheimnis ist, dass Strache seine Zusage an einen neuen Namen für das Projekt knüpft. No na, wie man in Österreich sagt: Das versteht sich von selbst. Schließlich "klingt DAÖ nach Diarrhö", wie der Journalist Peter Rabl schrieb. Eine "Liste Strache" dürfte schon aus Marketingaspekten eine bessere Wahl sein.

Aber reicht all das Heinz-Christian Strache? Hat er, der mal Vizekanzler war, der die FPÖ als Spitzenkandidat 2015 in Wien auf über 30 Prozent gehievt hat, nicht ganz besondere Ansprüche? Kops nickt: "Natürlich, er ist schon verwöhnt durch seinen Erfolg." Der liegt allerdings in der Vergangenheit. Wo Straches Zukunft liegt, ist noch nicht ganz klar, aber immerhin hat er für den 26. Februar einen festen Termin: DAÖ begeht in der Wiener Prateralm den Politischen Aschermittwoch, angekündigt ist auch Heinz-Christian Strache. Noch als Gastredner.

Quelle: ntv.de