Politik

Abschiebeflug verhindert Studentin muss Geldstrafe zahlen

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Elin Ersson sieht sich mit ihrem Protest im Recht - sie will gegen das Urteil in Berufung gehen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eine junge Schwedin stellt sich vergangenen Juli in den Gang eines Flugzeugs. Sie weigert sich, ihren Sitzplatz einzunehmen. Mit ihrer Aktion verhindert sie vorübergehend die Abschiebung eines Afghanen an Bord der Maschine. Nun wird sie dafür bestraft.

Eine schwedische Studentin ist wegen einer Protestaktion gegen die Abschiebung eines afghanischen Asylbewerbers zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Weil sie mit ihrer Aktion einen Flug, mit dem der Afghane aus Schweden abgeschoben werden sollte, verzögerte und nach Auffassung des Gerichts in Göteborg gegen Sicherheitsregeln in der Luftfahrt verstieß, wurde eine Geldstrafe von umgerechnet 285 Euro gegen die Soziologiestudentin verhängt. Ihr Verteidiger Tomas Fridh kündigte unmittelbar nach der Verurteilung an, in Berufung gehen zu wollen.

Die damals 21-jährige Elin Ersson hatte im Juli 2018 ihre Protestaktion an Bord einer Turkish-Airlines-Maschine gefilmt und live auf Facebook übertragen. Die Maschine sollte von Göteborg nach Istanbul fliegen. Ersson stand in Kontakt mit Angehörigen des afghanischen Asylbewerbers, der abgeschoben werden sollte.

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Ersson ging mit einem Ticket und ihrem Pass an Bord - einziges Ziel war es, die Abschiebung zu verhindern. Wie sich herausstellte, war der Afghane aber gar nicht an Bord. Dagegen befand sich ein anderer Afghane in der Maschine, der nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe abgeschoben werden sollte.

In Tränen aufgelöst weigerte sich Ersson, ihren Platz einzunehmen. "Ich werde mich nicht hinsetzen, bis diese Person das Flugzeug verlassen hat, denn sie wird höchstwahrscheinlich getötet", sagte sie auf Englisch. Einige Passagiere applaudierten, andere buhten sie aus. Der Pilot ordnete schließlich an, Ersson, den Afghanen und seinen Begleiter aus dem Flugzeug zu bringen.

Abschiebung wird schließlich durchgeführt

In der Anklage wurde Ersson vorgeworfen, sich bei ihrer Aktion nicht an die Anweisungen des Personals gehalten zu haben. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie sich damit strafbar gemacht habe. Da es sich aber um keine schwerwiegende Tat gehandelt habe, sei eine Geldstrafe ein angemessenes Strafmaß. Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Tage Gefängnis gefordert.

Ersson hatte bestritten, mit ihrer Aktion eine Straftat begangen zu haben. Schwedischen Medien hatte sie nach dem Vorfall gesagt, in ihrem Land gebe es zwar keine Todesstrafe. Eine Abschiebung in ein Kriegsland könne aber den Tod bedeuten. Beide Afghanen wurden mittlerweile aus Schweden abgeschoben.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa