Politik

Schottische Unabhängigkeit Sturgeon: Referendum ist kein Bluff

a38d4bf848f4271c4902e6bd0fb576aa.jpg

Verfechterin Europas: Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon.

(Foto: AP)

Die Mehrheit der Schotten war gegen den Brexit. Nun stellt die schottische Regierungschefin Sturgeon ein neues Referendum über die Unabhängigkeit von Großbritannien in Aussicht und erklärt: "Der Brexit ist kein Spiel".

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat Spekulationen zurückgewiesen, sie bluffe mit Forderungen nach einem Referendum über die schottische Unabhängigkeit im Falle eines harten Brexit. "Der Brexit ist kein Spiel, es ist wirklich sehr ernst. Die Auswirkungen für Großbritannien sind ernst und die Auswirkungen für Schottland sind ernst", sagte Sturgeon in einem Interview mit der BBC.

Gefragt, ob Herbst 2018 ein geeigneter Zeitpunkt für ein zweites Unabhängigkeitsreferendum sei, sagte Sturgeon, es entspreche dem "gesunden Menschenverstand", eine Abstimmung über die schottische Unabhängigkeit in einem Zeitfenster abzuhalten, in dem der Rahmen für einen Austritt Großbritanniens klar werde.

Die britische Premierministerin will die Scheidung von der EU noch in diesem Monat einreichen. Zwei Jahre später, im Frühjahr 2019, würde das Land ausscheiden. Die Verhandlungen darüber aber müssten wohl einige Monate davor beendet sein.

Die Debatte um eine Loslösung Schottlands vom Vereinigten Königreich war nach dem Brexit-Referendum vom Juni erneut in Schwung gekommen. Während die Gesamtheit der britischen Wähler mehrheitlich für den Austritt Großbritanniens aus der EU stimmte, votierten in Schottland 62 Prozent der Wähler für den Verbleib. Unabhängigkeitsbefürworter argumentieren nun, ein unabhängiges Schottland könnte Mitglied der EU werden.

May gegen weitere Abstimmungen

Erst am Mittwoch hatte sich die britische Premierministerin Theresa May gegen ein neuerliches Referendum ausgesprochen. Die erste Volksabstimmung im Jahr 2014 habe ein "klares, entschiedenes und legales" Ergebnis gegen die Unabhängigkeit ergeben, sagte Mays Sprecher. "Beide Seiten haben zugestimmt, sich an das Ergebnis zu halten." Deswegen solle es keine weitere Abstimmung geben.

Beim ersten schottischen Unabhängigkeitsreferendum 2014 hatten 55 Prozent der Teilnehmer gegen eine Loslösung von Großbritannien gestimmt. Einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage zufolge liegen Gegner und Befürworter einer Unabhängigkeit derzeit praktisch gleichauf. In der Umfrage des Instituts BMG sagten aber auch 56 Prozent der Befragten, sie wünschten kein weiteres Referendum, ehe die Brexit-Verhandlungen abgeschlossen sind. Dies dürfte 2019 so weit sein.

Quelle: n-tv.de, ghö/dpa/AFP

Mehr zum Thema