Politik

Im Falle eines Tory-Wahlsiegs Sturgeon sieht Brexit als Scheidungsgrund

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"Das Ziel ist zum Greifen nah": Schottlands Regierungschefin will sich einem Brexit made in London nicht einfach fügen.

(Foto: REUTERS)

Die vorgezogenen Neuwahlen in Großbritannien befeuern die Befürworter einer schottischen Unabhängigkeit. Erstmals spricht Regierungschefin Sturgeon auf einer Veranstaltung für die Abspaltung Schottlands. Der Brexit und Johnsons harter EU-Kurs dienen ihr als Hebel: für ein neues Referendum.

Erstmals seit dem schottischen Unabhängigkeitsreferendum im Jahr 2014 hat Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon an einer Kundgebung von Befürwortern einer Unabhängigkeit von Großbritannien teilgenommen. Ihr Ziel sei "zum Greifen nah", sagte die Vorsitzende der Schottischen Nationalpartei (SNP) vor Tausenden Teilnehmern der Kundgebung in Glasgow. An dem "Marsch für die Unabhängigkeit" beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter etwa 20.000 Menschen, viele schwenkten schottische Fahnen.

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"Marsch in die Unabhängikeit": 20.000 Schotten demonstrieren in Glasgow.

(Foto: picture alliance/dpa)

Sturgeon plant im kommenden Jahr ein neues Unabhängigkeitsreferendum. Die vorgezogene britische Parlamentswahl am 12. Dezember bezeichnete Sturgeon als "wichtigste Wahl für Schottland in unserem Leben". "Die Zukunft unseres Landes steht auf dem Spiel", sagte sie und forderte die Menschen auf, zur Wahl zu gehen. Sturgeon warnte, ein Sieg der Konservativen Partei des britischen Premierministers Boris Johnson bedeute, dass "Schottland gegen seinen Willen aus der europäischen Staatenfamilie gerissen wird". "Die viel bessere Alternative ist, die Zukunft in unsere eigenen Hände zu nehmen und ein unabhängiges Land zu werden", rief Sturgeon.

Corbyn dementiert: Keine Abstimmung in Schottland

In dem Referendum von 2014 hatten die Schotten die Unabhängigkeit von Großbritannien abgelehnt. Im Brexit-Referendum von 2016 waren die Schotten anders als die Mehrheit der Briten für einen Verbleib in der Europäischen Union. Sturgeon sieht deshalb die Frage einer Unabhängigkeit Schottlands wieder auf der Tagesordnung und strebt für das kommende Jahr ein erneutes Referendum zu dieser Frage an.

Ein solches Referendum müsste allerdings mit der Erlaubnis der britischen Regierung geschehen, um Gültigkeit zu erlangen. Es wird erwartet, dass Sturgeon Premier Johnson noch vor Weihnachten formell darum bitten wird, dass die schottische Regionalregierung ein Unabhängigkeitsreferendum organisieren darf. Labour-Chef Jeremy Corbyn wies in London Aussagen Sturgeons zurück, wonach seine Sozialdemokraten im Falle eines Labour-Wahlsieges einem schottischen Referendum nicht im Wege stehen würden. Eine Volksabstimmung sei "weder notwendig noch wünschenswert", sagte er.

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Quelle: ntv.de, mau/dpa/AFP