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Halber Fahrpreis bei Alarm Stuttgarts OB will Feinstaubticket einführen

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In Stuttgart gab es in den vergangenen Monaten mehrfach Feinstaubalarm.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Stadt Stuttgart leidet unter besonders hoher Feinstaubbelastung. Aufrufe, auf das Autofahren zu verzichten, bringen keinen Erfolg. Oberbürgermeister Kuhn will das Problem nun anders lösen. Dafür benötigt er jedoch die Hilfe vom Land.

Im Kampf gegen Feinstaub und Stickoxide will Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn ein Feinstaubticket einführen. "Der Arbeitsauftrag lautet: zum halben Preis an Tagen mit Feinstaubalarm", sagte Kuhn im Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". An solchen Tagen sollen die Stuttgarter nur die Hälfte zahlen, wenn sie den öffentlichen Nahverkehr nutzen.

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Fritz Kuhn

(Foto: picture alliance / dpa)

Voraussetzung für das Feinstaubticket sei, dass sich das Land Baden-Württemberg an den Kosten beteiligt. Grünen-Politiker Kuhn sagte, er wolle ab Mitte Oktober eine Lösung. Mit dem Feinstaubticket und mehr Kapazitäten im öffentlichen Nahverkehr hofft der Oberbürgermeister den Angaben zufolge, Fahrverbote vermeiden und dennoch bis 2021 die Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide einhalten zu können. Der Zeitrahmen, den die EU vorgebe, sei eng, die Einhaltung aber machbar, sagte er.

Kuhn forderte die Autoindustrie auf, größere Anstrengungen zur Vermeidung von Stickoxiden zu unternehmen: "Viele Oberbürgermeister sind verärgert, weil die Autoindustrie die Kommunen mit diesem Problem alleine lässt."

Gesundheitsgefährdend und nicht sichtbar

Stuttgart war Mitte Januar die erste deutsche Stadt, in der ein Feinstaubalarm ausgerufen wurde, Mitte März war dort der vierte Alarm in diesem Jahr erreicht. Die Bürger in der baden-württembergischen Landeshauptstadt wurden gebeten, freiwillig ihre nur dem Komfort dienenden Kamine auszulassen und ihr Auto stehen zu lassen - ohne großen Erfolg. Sollte die Verschmutzung der in einem Talkessel gelegenen Stadt nicht sinken, drohen Stuttgart künftig Strafzahlungen der EU in Millionenhöhe.

Feinstaubalarm wird ausgelöst, sobald der Deutsche Wetterdienst über mehrere Tage eine besonders schadstoffträchtige Wetterlage vorhersagt. Die Belastung mit Feinstaub ist in Stuttgart unter anderem deshalb so groß, weil das Auto traditionell hoch im Kurs steht. Laut einer Studie  des Verkehrsdatenanbieters Inrix stehen die Bewohner keiner anderen deutschen Stadt so häufig im Stau wie in Stuttgart. Im Jahr 2015 mussten sie sich demnach 73 Stunden lang gedulden, das sind 14 Prozent mehr als 2014. Auf Platz zwei liegt Köln mit 71 Staustunden.

Feinstaub gilt als Gefahr für die Gesundheit. Es entsteht bei Verbrennungsprozessen in Motoren, Heizungen, Kraftwerken und Fabriken. In Ballungsgebieten ist die Quelle der in der Luft schwebenden Teilchen vor allem der Straßenverkehr. Sie sind gesundheitsgefährdend und nicht sichtbar. Dieselmotoren sind eine Hauptquelle. Die winzigen Partikel dringen tief in die Lungen oder sogar in den menschlichen Blutkreislauf ein. Der EU-Grenzwert liegt bei 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft. In Stuttgart waren im Frühjahr Werte von teilweise mehr als 82 Mikrogramm gemessen worden.

Quelle: n-tv.de, cro/AFP/dpa

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