Politik

"Ja zu Frieden mit Israel" Sudan macht bei Trumps Nahostplan mit

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US-Präsident Trump konnte den nächsten Deal mit Israel und einem muslimisch geprägten Land verkünden.

(Foto: REUTERS)

Seit dem Sturz des autokratischen Präsidenten Al-Baschir bemüht sich der Sudan um bessere Beziehungen mit der internationalen Gemeinschaft. Für den afrikanischen Staat geht es ums wirtschaftliche Überleben. Deswegen geht Khartum auf Israel zu - und besänftigt damit vor allem die USA.

Nach den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain hat nach Angaben der US-Regierung nun auch der Sudan eine Normalisierung der Beziehungen mit Israel angekündigt. Das teilte der Vizesprecher des Weißen Hauses, Judd Deere, unter Berufung auf US-Präsident Donald Trump auf Twitter mit. Es handele sich um "einen weiteren bedeutenden Schritt zur Schaffung von Frieden im Nahen Osten". Das Weiße Haus hatte zuvor mitgeteilt, Trump habe den Kongress über seine Absicht informiert, den Sudan von der berüchtigten US-Liste staatlicher Unterstützer von Terroristen zu streichen.

Im Gegenzug hatte sich der Sudan bereit erklärt, amerikanische Terror-Opfer und deren Angehörige zu entschädigen. Die Zahlung von 335 Millionen Dollar (rund 290 Millionen Euro) durch die Übergangsregierung des Sudans sei inzwischen eingegangen, teilte das Weiße Haus mit.

Die Einstufung als Terror-Staat hat das Land im Nordosten Afrikas international isoliert. Nach einer Streichung von der Liste dürfte es unter anderem für internationale Firmen und Banken einfacher werden, im Sudan Geschäfte zu machen. Zudem kann die Regierung in Khartum damit auch leichter wieder Zugang zu Hilfen multilateraler Geberinstitutionen bekommen, etwa vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Auf der Terror-Liste der USA stehen sonst nur noch die Staaten Nordkorea, Iran und Syrien. Der Sudan wurde dort seit 1993 aufgeführt.

"Das ist ein unglaublicher Deal"

US-Präsident Trump bezeichnete die nun angekündigte Normalisierung der Beziehungen als "historisch". "Der Staat Israel und die Republik Sudan haben vereinbart, Frieden zu schließen", sagte Trump vor Journalisten. Der Präsident hatte sich telefonisch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sowie dem Ministerpräsidenten des Sudan, Abdullah Hamduk, und dem Vorsitzenden des Souveränen Rates des Landes, Abdel Fattah Burhan, zusammengeschaltet.

"Das ist ein unglaublicher Deal für Israel und den Sudan. Jahrzehntelang befand sich der Sudan mit Israel im Kriegszustand", sagte Trump. Der 74-Jährige betonte: "Die heutige Friedensvereinbarung wird die Sicherheit Israels stärken und die lange Isolation des Sudans von der Welt beenden." Trump sagte zudem, "viele, viele weitere" Staaten würden folgen und ihre Beziehungen zu Israel normalisieren. Er erwarte, dass dazu auch Saudi-Arabien zählen werde.

Netanjahu sagte mit Blick auf die bereits verabredeten Vereinbarungen, diese würden "in die Geschichtsbücher" eingehen. "Wir sehen die Früchte des Friedens sogar jetzt." Der israelische Ministerpräsident sprach von einem "gewaltigen Umbruch". "Wir verkünden heute noch einen dramatischen Durchbruch in Richtung Frieden, mit noch einem arabischen Land, das sich dem Kreis des Friedens anschließt - diesmal mit dem Sudan."

In einer Videobotschaft erinnerte er an das dreifache Nein der Arabischen Liga bei einer Konferenz in Sudans Hauptstadt Khartum nach dem Sechstagekrieg 1967: "Nein zu einem Frieden mit Israel, Nein zu einer Anerkennung Israels, Nein zu Verhandlungen mit Israel." Heute sage Khartum dagegen "Ja zu einem Frieden mit Israel, Ja zu einer Anerkennung Israels und Ja zu einer Normalisierung mit Israel", sagte der Regierungschef.

Seit Jahren in einer tiefen Wirtschaftskrise

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Unter Ministerpräsident Abdullah Hamduk versucht der Sudan, auf der internationalen Bühne Fuß zu fassen.

(Foto: REUTERS)

Netanjahu sprach von einer neuen Ära des Friedens. In Kürze würden sich Delegationen beider Länder treffen, um über Zusammenarbeit in vielen Bereichen zu sprechen, darunter Landwirtschaft und Handel. "Der Himmel über dem Sudan ist heute offen für Israel", sagte Netanjahu. Dies werde auch Flüge von Israel nach Afrika verkürzen.

Für das Krisenland Sudan ist die heutige Ankündigung ein wichtiger Schritt, um die tiefen wirtschaftlichen und politischen Probleme zu lösen. Mit seiner überwiegend muslimischen Bevölkerung hatte der Staat bislang offiziell - wie viele arabische Länder - keine diplomatischen Beziehungen mit Israel. Vor allem seit dem Sturz des autokratischen Präsidenten Omar Al-Baschir im April 2019 bemüht sich Khartum aber um bessere Beziehungen mit der internationalen Gemeinschaft.

Denn der Staat im Nordosten Afrikas mit seinen rund 42 Millionen Einwohnern steckt seit Jahren in einer tiefen Wirtschaftskrise - daran konnte auch die neue fragile Übergangsregierung von Ministerpräsident Hamduk bislang wenig ändern.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa