Politik

"#timeline" mit Micky Beisenherz Suding beklagt Erdogans Erpressung der EU

Fünf Hashtags, fünf Themen: Bei Micky Beisenherz debattieren FDP-Politikerin Suding und "Stern TV"-Moderator Hallaschka über die Aufreger der vergangenen Tage. In der Flüchtlingskrise will Suding trotz allem auf die Türkei setzen.

Angesichts der dramatischen Zuspitzung ist die Flüchtlingskrise an der türkisch-griechischen Grenze auch in Micky Beisenherz' Sendung #Timeline das Thema Nummer eins. "Das ist eine unfassbare humanitäre Katastrophe, die sich da wieder anbahnt", sagt die Hamburger FDP-Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Katja Suding. "Natürlich muss die Türkei weiter unterstützt werden", fordert sie mit Blick auf die Versorgung der vielen Flüchtlinge im Land am Bosporus.

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Katja Suding, stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende.

(Foto: picture alliance / Sina Schuldt/)

Dabei spart Suding nicht mit Kritik am Flüchtlingsdeal mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. "Die Europäische Union ist erpressbar geworden und dieses Erpressungspotenzial setzt Erdogan jetzt ein." Der türkische Präsident brauche Geld und wolle mit dem Öffnen der Grenze zu Griechenland ein innenpolitisches Zeichen setzen. "Die Europäische Union muss sich einschalten, dass dieser Bürgerkrieg in Syrien, der ja die Ursache des Ganzen ist, endlich aufhört."

Dafür, dass es überhaupt wieder zu so einer Krise gekommen ist, hat "Stern TV"-Moderator Steffen Hallaschka kein Verständnis. "Ich bin ganz bestürzt, dass die EU offensichtlich in den fünf Jahren seit 2015 es nicht geschafft hat, sich auf diesen Fall, der latent ja immer im Raum stand, vorzubereiten." Auch Hallaschka versteht das blinde Festhalten am Flüchtlingsdeal nicht. "Da hat doch ernsthaft keiner drauf vertrauen können, dass das stabil für die nächsten Jahre ist."

Hallaschka sieht dennoch die EU in der Pflicht, sich um die humanitäre Versorgung der Flüchtlinge zu kümmern. "Ein politisches Gebilde, das sich Europäische Union nennt, kann jetzt mal unter Beweis stellen, was eigentlich das Einigende an der Union ist und was eigentlich die gemeinsamen Werte sind", sagt Hallaschka. "Natürlich muss die Union sagen: 'Wir kümmern uns um diese Menschen.'"

Suding steht zu Lindner

Mit Blick auf die neuerliche Wahl eines Ministerpräsidenten im Thüringer Landtag am Mittwoch verteidigt Suding ihren Bundesparteivorsitzenden Christian Lindner. "Ich kann nicht sagen: 'Er hat sich nicht klar positioniert.' Und dann gibt es ja keinen Grund zurückzutreten", sagt Suding mit Blick auf die Vorgänge um den 5. Februar. Spekulationen, in den Gremien der Bundes-FDP sei eine Wahl von Thomas Kemmerich zum Regierungschef mithilfe der AfD einkalkuliert worden, seien "völlig unsinnig", sagt Suding. "Und das weise ich auch zurück, denn ich saß da drin."

Hallaschka springt Suding gegen überzogene Kritik an der FDP zur Seite: "Ich finde, der Vorwurf der 'AfD light' ist auch wohlfeil und geht an der Sache vorbei", sagt Hallaschka. "Das Problem, das ich sehe, ist, dass die FDP sich leider zum wiederholten Mal - zumindest was die Führung unter Christian Lindner anbelangt - als Partei der Taktierer erwiesen hat, die da gemeint hat, ein Spielchen mitspielen zu können und niemand merkt es so richtig."

Suding und Hallaschka verteidigen Gauck

In der Debatte um die Äußerung von Joachim Gauck, der Toleranz für AfD-Wähler gefordert hatte, springen Suding und Hallaschka dem Alt-Bundespräsidenten zur Seite. "Ich deute seine Toleranz als ein Zeichen der Ursachensuche, warum sich Menschen von diesen Positionen einfangen lassen", sagt Hallaschka und verweist auf Gaucks Forderung nach einer "kämpferischen Intoleranz" der AfD gegenüber.

#timeline mit Micky Beisenherz

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"Es sind nicht 100 Prozent der AfD-Wähler Faschisten. Das ist ein totaler Quatsch, das zu behaupten", sagt Hallaschka. "Aber sie lassen sich von einer Partei, die Faschisten ein Zuhause bietet, verführen wie beim Rattenfänger von Hameln." Suding stimmt zu: "Man darf auf keinen Fall den Fehler machen, alle AfD-Wähler in eine Ecke zu stellen und damit sich jeglichen Weg zu verbauen, diese Wähler irgendwann zurückzugewinnen."

Hallaschka gegen "Hurensohn"-Plakate

Weiteres Thema der Sendung sind die massiven Proteste gegen den SAP-Gründer und Mäzen der TSG Hoffenheim Dietmar Hopp in den Bundesliga-Stadien. Dabei zeigt St.-Pauli-Fan Hallaschka für die Art und Weise der Kritik kein Verständnis. "In dem Moment, wo ein Mensch buchstäblich im Fadenkreuz präsentiert wird und aufs Übelste und wirklich würdelos beleidigt und verächtlich gemacht wird vor Zehntausenden im Stadion und vor Millionen an den Fernsehschirmen, müssen wir nicht mehr weiterreden. Das ist Ausgrenzung, das ist Diffamierung, das ist Gewalt."

Beim Aufregerthema Coronavirus verteidigt Suding die Forderung ihres Parteikollegen Michael Theurer nach einer vorgezogenen Abschaffung des Soli und nach Entlastungen für Unternehmen.  "Wenn das die Auswirkungen hat wie in China, dann müssen wir alles dafür tun, dass wir unsere Wirtschaft am Laufen halten", sagt Suding. "Natürlich muss ich dann verstärkt über Dinge nachdenken, die auch vorher schon richtig waren."

Die Sendung "#Timeline" läuft heute um 20.15 Uhr und am morgigen Dienstag um 17.10 Uhr bei ntv. Zudem ist sie bei TVNOW verfügbar.

Quelle: ntv.de, shu