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Mehr Details zu Anschlag bekannt Täter von Halle hatte vier Schusswaffen dabei

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Attentäter Stephan B. auf dem Weg zum Ermittlungsrichter.

(Foto: picture alliance/dpa)

Einen Tag nach dem Terroranschlag in Halle laufen die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft auf Hochtouren. Mittlerweile ist bekannt, dass der Attentäter Stephan B. mehrere Schusswaffen und eine große Menge Sprengstoff mit sich führte. Zur Herkunft der Schusswaffen gibt es bereits einen Theorie.

Der Täter von Halle hat nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank bei der Tat vier Schusswaffen mit sich geführt. Es sei zumindest eine vollautomatische Schusswaffe dabei gewesen, zudem habe er mehrere Sprengsätze im Auto gehabt, als er zu der Synagoge in Halle gefahren sei, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Im Auto des Schützen fanden Ermittler insgesamt vier Kilogramm Sprengstoff.

"Der Beschuldigte wollte sich zu dem Gotteshaus Zutritt verschaffen und möglichst viele Personen jüdischen Glaubens töten", hieß es. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich in der Synagoge 51 Gläubige zur Feier des höchsten jüdischen Feiertags Jom Kippur aufgehalten. Der Täter habe sich zum Ziel gesetzt, in der Synagoge ein Massaker anzurichten und eine weltweite Wirkung zu erzielen, sagte Frank. Er habe vergleichbare Taten, die vorher begangen worden seien, nachgeahmt. Zudem wollte er "nach unserer Erkenntnis auch andere zu solchen Taten zur Nachahmung anstiften". 

Polizisten verletzen Attentäter am Hals

Nachdem es dem Attentäter nicht gelang, die Tür der Synagoge aufzuschießen, erschoss er eine "zufällig vorbeikommende Passantin" mit einer vollautomatischen Schusswaffe, heißt es in der Mitteilung der Bundesanwaltschaft. Dann habe der Täter aus Frust über sein Scheitern an der Synagoge den Entschluss gefasst, "Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Migrationshintergrund zu töten". Daraufhin sei er zu dem Döner-Imbiss gefahren und habe einen Mann erschossen. Auf zwei flüchtende Gäste des Lokals habe der Angreifer ebenfalls schießen wollen, was aufgrund einer Ladehemmung aber misslang.

Bei einem anschließenden Schusswechsel mit einer Polizeistreife sei der 27-Jährige dann am Hals verletzt worden. Anschließend sei er mit einem Mietfahrzeug aus der Stadt geflüchtet. Mit dem Ziel, ein neues Fluchtauto in Besitz zu nehmen, habe der Täter in Landsberg-Wiedersdorf zwei Passanten durch mehrere Schüsse verletzt, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Schließlich habe er ein Taxi gekapert und sei über die Bundesstraße 91 in Richtung Süden geflüchtet. Nach einem Unfall ohne Fremdeinwirkung haben Polizisten den Attentäter verletzt festnehmen können.

Schusswaffen aus 3D-Drucker?

Die Bundesanwaltschaft will sich in den weiteren Ermittlungen "insbesondere auch mit der Frage befassen, ob Personen in die Vorbereitung oder Durchführung des Anschlags eingebunden waren oder im Vorfeld Kenntnis hiervon hatten". Bisher fehlten "zureichende tatsächliche Anhaltspunkte" dafür, dass der Beschuldigte an eine rechtsterroristische Vereinigung angebunden gewesen sei oder ein sonstiger Zusammenhang mit einer solchen Vereinigung bestehe.

Zudem sei laut Bundesanwaltschaft noch unklar, ob der Beschuldigte die Waffen und Sprengsätze selbst produziert oder sich auf andere Weise verschafft habe. Das ZDF-Magazin "Frontal 21" berichtet, Stephan B. habe seine Waffen teilweise mit einem 3D-Drucker hergestellt. Zudem habe er 3D-Anleitungen unter anderem für Magazine und andere Waffenteile ins Internet gestellt.

In einem vor der Tat verfassten Dokument beschreibt der Attentäter anhand von Fotos detailliert seine Bewaffnung. Er führt aus, dass diese selbstgebauten Waffen nicht zuverlässig seien. Zudem behauptet er in dem Schreiben, selbst Anleitungen zum Waffenbau veröffentlicht zu haben. In seinem live im Internet übertragenen Video des Anschlags kommentiert er mehrfach den Einsatz seiner in Eigenbau hergestellten Waffen.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa

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