Politik

Auch Musik beim Fahren verboten Taliban zwingen Frauen zu Hidschab im Auto

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Ein Anblick, der bald wieder Alltag werden dürfte in Afghanistan: Frauen fahren mit Vollschleier in einem Taxi.

(Foto: picture alliance / dpa)

Als die Taliban die Macht in Afghanistan erneut an sich reißen, beteuern sie, die Rechte von Frauen respektieren zu wollen. Doch jetzt greifen sie in einen weiteren Bereich ein, um Frauen in der Öffentlichkeit zu maßregeln. Künftig dürfen sie nur noch mit Vollschleier im Auto mitgenommen werden.

In Afghanistan haben die regierenden militant-islamistischen Taliban Autofahrer angewiesen, im Fahrzeug keine Musik abzuspielen. Außerdem ordneten sie Beschränkungen für die Mitnahme von Frauen als Passagierinnen an. Frauen ohne islamischen Hidschab sollten nicht mitgenommen werden, wie es in einem Schreiben des Ministeriums zur Erhaltung der Tugend und Unterdrückung des Lasters hieß, das an Autofahrer verteilt wurde.

Der Sprecher des Ministeriums, Mohammed Sadik Asif, bestätigte die Direktive. Wie genau der Hidschab aussehen soll, geht aus der Anordnung nicht hervor. Die Taliban verstehen darunter in der Regel nicht die Bedeckung von Haaren und Hals, sondern einen Umhang von Kopf bis Fuß. In der Direktive wurden Fahrer außerdem angehalten, keine Frauen mitzunehmen, die ohne männliche Begleitperson weiter als 45 Meilen (etwa 72 Kilometer) reisen wollten.

Bärte statt Seifenopern

In dem Schreiben, das auch in sozialen Medien kreiste, wurden Autofahrer unter anderem dazu angewiesen, Pausen zum Gebet einzulegen. Sie sollten Menschen dazu raten, sich Bärte wachsen zu lassen, hieß es weiter. Die Leitlinie folgt Wochen nachdem das Ministerium die afghanischen Fernsehsender aufgefordert hatte, keine Dramen und Seifenopern mit weiblichen Darstellern mehr zu zeigen. Das Ministerium hatte auch Fernsehjournalistinnen aufgefordert, bei ihren Auftritten Hidschabs zu tragen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch prangerte die jüngsten Einschränkungen durch die Taliban als eklatanten Eingriff in die Frauenrechte an. Die neue Richtlinie zum Reiseverkehr mache Frauen noch mehr zu "Gefangenen", sagte die für Frauenrechte zuständige HRW-Direktorin Heather Barr. Die Maßnahme verhindere, "dass Frauen sich frei bewegen oder in eine andere Stadt fahren können, dass sie Geschäfte machen oder fliehen können, wenn sie zu Hause Gewalt erleben", kritisierte Barr.

Studieren ja, aber nicht gemeinsam

Der als islamistischer Hardliner bekannte Minister für höhere Bildung, Abdul Baki Hakkani, sagte am Sonntag, der Zugang von Frauen zu Bildung werde derzeit diskutiert. "Das Islamische Emirat ist nicht gegen die Ausbildung von Frauen, es ist aber gegen gemeinsamen Unterricht", sagte er. "Wir arbeiten an einer islamischen Umgebung, in der Frauen studieren könnten", fügte er hinzu. Dies könne aber "eine Zeit lang dauern". Angaben dazu, wann Mädchen und Frauen zur Schule oder an die Universität zurückkehren können, machte er nicht.

Die Islamisten haben seit der Rückkehr an die Macht die Rechte von Frauen merklich beschnitten. Sie können in vielen Fällen nicht mehr zurück an ihre Arbeitsplätze. Die meisten weiterführenden Schulen für Mädchen sind geschlossen. Straßenproteste von Aktivistinnen wurden gewaltsam unterdrückt. Viele flohen aus dem Land.

Internationale Geberländer haben mehrfach betont, dass die Achtung von Frauenrechten eine Voraussetzung für die Wiederherstellung internationaler Hilfen für Afghanistan sei. Dem zentralasiatischen Land steht nach Einschätzung der Vereinten Nationen in diesem Winter eine "Lawine des Hungers" bevor. 22 Millionen Bürger sind demnach von Ernährungsunsicherheit bedroht.

Quelle: ntv.de, jhe/dpa/AFP

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