Politik

"Ich kann nicht mehr schlafen" Tausende Athener wollen "Ja" sagen

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20.000 Griechen demonstrieren in Athen gegen die Regierung.

(Foto: REUTERS)

Beim angekündigten Referendum geht es nach Ansicht vieler Griechen darum, ob ihr Land in der Europäischen Union bleibt. Sie schimpfen auf die Regierung – und wollen mit "Ja" stimmen.

Das Wetter ist angemessen: Während dunkle Gewitterwolken aufziehen, versammeln sich Tausende Athener am zentralen Syntagma-Platz vor dem Parlamentsgebäude. Es werden nach Polizeiangaben etwa 20.000. Sie wollen beim angekündigten Referendum am kommenden Sonntag mit "Ja" stimmen – und damit gegen die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras.  Am Vortag hatten laut Polizei rund 13.000 Menschen für ein "Nein" demonstriert.

"Wir wollen, dass Griechenland in der Eurozone bleibt", sagt Christos. Er ist sich sicher: Wenn das Land den Währungsraum verlässt, dann wird es auch die Europäische Union verlassen. So wie der 52-Jährige argumentieren die meisten hier. Und wie die meisten hält auch er die Sparauflagen für überzogen. Doch wenn Griechenland die Drachme wieder einführe, werde alles nur schlimmer. "Dann kommt es zu einer riesigen Inflation", sagt Christos. Er wolle nicht, dass Regierungschef Alexis Tsipras "die Chance bekommt, Geld zu drucken." Und ohne Einflussnahme der europäischen Partner werde es in Griechenland niemals Reformen geben, ergänzt er.

"Ich will, dass meine Kinder in Sicherheit leben", sagt Alexandros, als die ersten Blitze vom Himmel zucken. "Nehmen sie das Wetter als Metapher", rät der Arzt. Bei dem Referendum  gehe es um nicht weniger als die Zukunft des Landes. "Ohne Europa ist das hier der Balkan", sagt der 44-Jährige. Dass die Regierung aus "extremen Linken und extremen Rechten" derselben Meinung sei, sei alarmierend. "Die sind auf dem Weg, die Demokratie abzuschaffen", so Alexandros.

"Frage ist bescheuert"

Das sehen viele der hier Versammelten anders. Doch viele schimpfen leidenschaftlich auf ihre Regierung. Die Schlangen vor den Bankautomaten und die Hamsterkäufe gehen nicht spurlos an ihnen vorüber. Die Anspannung ist bei vielen von ihnen zu spüren. "Ich kann nachts nicht mehr richtig schlafen", sagt eine Frau.

"Allein schon die Frage des Referendums ist bescheuert", meint Kostas. "Die kann doch keiner verstehen", schimpft er.  "Die hätten wenigstens ehrlich sein können und fragen: Sie sind Sie dafür, dass Griechenland in der EU bleibt?", sagt der 30-Jährige. Denn im Kern gehe es am kommenden Sonntag genau darüber.

An diesem Punkt geht ein Riss durch das Land. Diejenigen, die beim Referendum gegen den Vorschlag der Institutionen stimmen wollen, sind davon überzeugt, dass Griechenland alleine gesunden kann. Die anderen halten das für einen schweren Irrtum.

Es beginnt stark zu regnen, nur wenige Demonstranten lassen sich davon vom Platz vertreiben. Manchmal kann ein Gewitter durchaus etwas Reinigendes haben. Doch in Griechenland sieht es so aus, als könnte der große Knall noch bevorstehen.

Quelle: ntv.de

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