Politik

Immer mehr Tote nach Angriffen Tausende Israelis bewaffnen sich

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Blutflecken nach einer tödlichen Messerattacke an einem Busbahnhof im Süden Israels.

(Foto: imago/Xinhua)

Allein seit Monatsbeginn sterben fast 50 Palästinenser und Israelis bei Attentaten. Und die Gewalt dürfte weitergehen. Viele Israelis beantragen nun Waffenscheine. In Beerscheba stirbt indes ein Afrikaner - Israelis halten ihn für einen Attentäter und lynchen ihn.

Angesichts einer Serie palästinensischer Messerattacken wollen sich Tausende von Israelis Waffen zulegen. Der israelische Armeesender berichtete von einem deutlichen Anstieg der Anträge für einen Waffenschein.

Polizeiminister Gilad Erdan hatte wegen der vielen Anschläge angekündigt, er wolle den Prozess zum Erwerb eines Waffenscheins erleichtern und beschleunigen. Das zuständige Ministerium für Innere Sicherheit sei allerdings nicht in der Lage, den vielen Anträgen nachzukommen, berichtete der Sender. Das Telefonzentrum der Behörde sei zusammengebrochen, daher könnten derzeit auch keine neuen Waffenscheine ausgestellt werden.

Seit Monatsbeginn sind acht Israelis bei Messerangriffen von Palästinensern getötet worden. Mehr als 40 Palästinenser kamen ums Leben, die Mehrheit davon Attentäter, die bei ihren Anschlägen erschossen wurden. Die Übrigen wurde bei Konfrontationen mit israelischen Sicherheitskräften getötet.

Ein Streit um die Nutzungsrechte des Tempelbergs in Jerusalems Altstadt, der Muslimen und Juden heilig ist, gilt als Mitauslöser für die neue Welle der Gewalt. Die Palästinenser werfen Israel vor, es wolle mehr Kontrolle über die heilige Stätte erlangen. Regierungschef Benjamin Netanjahu hat dies immer wieder dementiert.

Lynchmob tötet Eritreer

Ein unbeteiligter Eritreer erlag indes den schweren Verletzungen, die ihm am Sonntagabend nach einem Attentat in der südisraelischen Stadt Beerscheba von einem Wachmann und wütenden Umstehenden zugefügt worden waren. Wie die Polizei mitteilte, starb der 26-jährige afrikanische Migrant in einem Krankenhaus der Großstadt in der Negevwüste. Der Eritreer, der zur Verlängerung seines Arbeitsvisums nach Beerscheba gereist war, hatte sich zufällig im Busbahnhof aufgehalten, als dort der Anschlag geschah.

Ein arabischer Israeli hatte dabei ein Messer und eine Pistole gezückt, einen 19-jährigen Soldaten getötet, dessen Gewehr erbeutet und dann rund zehn weitere Menschen verletzt, einige davon schwer. Der 21-jährige Angreifer Muhanad al-Akabi, ein Beduine aus der Nachbarstadt Hura, wurde von Polizisten erschossen. Ein Wachmann hielt den dunkelhäutigen Eritreer fälschlicherweise für einen Komplizen und schoss ihn an.

Was dann folgte, löste in Teilen der israelischen Öffentlichkeit große Bestürzung: Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen, wie Dutzende Passanten um den auf dem Boden liegenden Afrikaner standen, ihn beschimpften und mehrfach Männer dem Verletzten Fußtritte versetzten. Einmal wurde er schwer am Kopf getroffen.

Die Polizei teilte mit, sie wolle die Beteiligten an den Misshandlungen ermitteln und strafrechtlich verfolgen. "Wir nehmen diesen Vorfall sehr ernst und werden niemandem erlauben, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen", hieß es in einer Pressemitteilung.

Quelle: n-tv.de, ghö/AFP/dpa

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