Politik

Ajatollah wettert gegen Arroganz Teherans Hardliner missbilligen Atom-Deal

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Der oberste Kopf des Mullah-Regimes: Ajatollah Chamenei.

(Foto: picture alliance/dpa/Iranian Supreme Leader)

Nach dem Machtwechsel im Weißen Haus gibt es die Hoffnung, den Nuklear-Vertrag mit dem Iran wieder zu beleben. Buchstäblich in letzter Sekunde schließt die UN-Atombehörde einen abgespeckten Deal, der allen Seiten Zeit verschaffen soll. Doch bei den Hardlinern im Teheraner Parlament kommt das schlecht an.

Die Vereinbarung des Irans mit der UN-Atombehörde IAEA über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit hat zu Protesten von Hardlinern und Regierungsgegnern im iranischen Parlament geführt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim wurde die geplante Sitzung zum Haushalt des neuen persischen Jahres - ab 21. März - unterbrochen und eine nichtöffentliche Sitzung einberufen. In der soll die neue Vereinbarung mit der IAEA untersucht werden.

IAEA-Chef Rafael Grossi hatte am Sonntag in Teheran vom iranischen Atomchef Ali Akbar Salehi die Zusage erhalten, dass die IAEA ihre Kontrollen des iranischen Atomprogramms für drei Monate zumindest eingeschränkt fortsetzen kann. Die Inspekteure hätten zwar nicht den gleichen umfassenden Zugang wie vorher, doch er erwarte, dass sie ihre Aufgabe erfüllen könnten, sagte Grossi bei seiner Rückkehr nach Wien. Die Kontrollen sollen sicherstellen, dass das iranische Atomprogramm nur zivilen Zwecken dient. Die IAEA hofft, binnen drei Monaten eine weiterreichende Lösung zu finden.

Nach Ansicht einiger Hardliner steht die Vereinbarung nicht im Einklang mit dem iranischen Atomgesetz, das im November 2020 verabschiedet worden war. Außenamtssprecher Said Chatibsadeh verteidigte den Deal und hielt dagegen, dass die Zusammenarbeit mit der IAEA ab Dienstag eingeschränkt werde. Auch konfisziere man das Videomaterial der IAEA-Überwachungskameras für drei Monate. "Alles im Rahmen des neuen Atomgesetzes", sagte der Sprecher.

Einschränkungen für Inspektoren und Video-Material

Die iranische Atomorganisation AEOI erklärte, wie vom Parlament angeordnet, werde der Iran ab Dienstag mit der IAEA nicht mehr im Rahmen des IAEA-Zusatzprotokolls, sondern lediglich auf der Basis des Atomwaffensperrvertrags zusammenarbeiten. Demzufolge werde es bei Inspektionen der Anlagen Einschränkungen geben. Die AEOI bestätigte auch, dass die IAEA in den nächsten drei Monaten keinen Zugang mehr zum Videomaterial ihrer Überwachungskameras haben werde. Falls in dieser Zeit eine politische Einigung erzielt werden sollte, erhalte die IAEA auch die Videos. Wenn nicht, würden sie gelöscht. Eine Einigung muss laut AEOI in erster Linie eine Aufhebung der US-Sanktionen beinhalten.

Das Wiener Atomabkommen von 2015 zwischen Teheran, den fünf UN-Vetomächten und Deutschland sollte den Iran am Bau einer Nuklearwaffe hindern. Im Gegenzug sollten die Sanktionen gegen Teheran aufgehoben werden. Unter Präsident Donald Trump stiegen die USA jedoch 2018 aus dem Deal aus und verhängten erneut Sanktionen, um den Iran wirtschaftlich niederzuringen. Weil die anderen Partner der Vereinbarung sich faktisch auch an die US-Sanktionen hielten, nimmt seit Mai 2019 auch der Iran Schritt für Schritt von dem Abkommen Abstand und hält zunehmend Abmachungen nicht mehr ein. Dem Iran geht es dabei hauptsächlich um die Sanktionen, die das ölreiche Land in die schlimmste Wirtschaftskrise seiner Geschichte gestürzt haben.

Zu den Kernpunkten des Wiener Abkommens zählte, dass der Iran Uran nur zu weniger als vier Prozent anreichern darf. Derzeit wird das chemische Element im Iran auf bis zu 20 Prozent angereichert. "Der Iran wird sich von der arroganten und unfairen Kritik der Amerikaner und Europäer nicht einschüchtern lassen und bei Bedarf den Urananreicherungsgrad sogar bis zu 60 Prozent erhöhen", sagte Ajatollah Ali Chamenei im Staatsfernsehen. Der oberste Führer hat in allen strategischen Belangen im Iran das letzte Wort.

Quelle: ntv.de, mau/dpa