Politik

"Forderungen wurden ignoriert" Thunberg enttäuscht von Treffen in Davos

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"Wir hatten einige Forderungen, aber natürlich wurden diese Forderungen komplett ignoriert", sagte Thunberg in Davos.

(Foto: AP)

Vier Tage lang diskutieren Wirtschaftsexperten, Politiker und Manager in Davos über Klimaschutz. Doch Greta Thunberg und ihre Mitstreiter sind am Ende des Gipfels unzufrieden. Wirkliche Fortschritte seien nicht erzielt worden, so der Tenor der Klimaaktivisten.

Klimaaktivisten um Greta Thunberg haben der 50. Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. "Wir hatten einige Forderungen, aber natürlich wurden diese Forderungen komplett ignoriert", sagte Thunberg in Davos. "Wir haben nichts anderes erwartet." Klimaschutz stand auch am letzten Tag des Treffens im Mittelpunkt. Dabei wurde deutlich, dass die USA in dieser Frage weitgehend isoliert sind. 

"Einige glauben ja, dass das eine Sache ist, die Land für Land entschieden werden kann", sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz vor Journalisten mit Blick auf die USA. "Tatsächlich aber ist das ein großer Irrtum." Denn in der Welt hingen alle Länder voneinander ab, deshalb müsse eine internationale Lösung angegangen werden. Die USA waren unter Präsident Donald Trump aus dem Pariser Klimaabkommen ausgetreten, nach dem die Erderwärmung durch Begrenzung von Kohlendioxid-Emissionen bis 2050 auf maximal 2 Grad Celsius begrenzt werden soll.

US-Finanzminister Steven Mnuchin betonte, er wolle Umweltprobleme nicht kleinreden. Dies sei aber nur eines von vielen Problemen. "Ich denke, wir sollten von Umweltproblemen sprechen und nicht vom Klimawandel", sagte er. Mit Blick auf die deutsche Entscheidung, vom kommendem Jahr an mit einem Preis von 25 Euro je Tonne den Ausstoß von CO2 zu verteuern, um die eigenen CO2-Emissionen zu drücken, sagte Mnuchin: Ein Preis auf den Verbrauch von CO2 sei eine Steuer für hart arbeitende Menschen.

Die schwedische Aktivistin Isabelle Axelsson kritisierte, der Fokus habe in Davos nicht darauf gelegen, konkrete Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel zu finden. Vielmehr seien technische Neuerungen diskutiert worden. "Aber wir können uns nicht auf etwas verlassen, das noch nicht existiert", sagte Axelsson.

Teilfortschritt in Handelsfragen

Ihre Schweizer Mitstreiterin Loukina Tille sagte, das WEF gleiche einer "geschlossenen Blase positiver Einstellungen, abgeschlossen von der Realität". Aber solange die Teilnehmer sich weigerten, die Blase zu verlassen, werde sich nichts ändern. Bei einer Demonstration forderte Thunberg zusammen mit vielen jungen Leuten unter anderem den sofortigen Ausstieg aus fossilen Energien.

Unterstützung erhielten die Klimaaktivisten vom Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher. "Das Weltwirtschaftsforum in Davos war eine Enttäuschung", schrieb Fratzscher in einem Gastbeitrag für den "Tagesspiegel". "Selten lagen zwar die globalen Probleme so klar auf der Hand, selten haben aber auch Politik und Wirtschaft mögliche Lösungswege so blockiert."

In Handelsfragen konnte die EU in Davos zumindest einen Teilfortschritt präsentieren. Angesichts der US-Blockade des Streitschlichtungsmechanismus in der Welthandelsorganisation (WTO) einigten sich die EU und 16 weitere Länder auf eine Zwischenlösung. Diese war nötig geworden, weil die USA die Neuberufung von Richtern blockiert und die Berufungsinstanz für Schlichtungen damit seit Mitte Dezember 2019 lahmgelegt hatten. Die Vereinigten Staaten waren unter Führung von Trump auf Konfrontationskurs zur WTO gegangen, weil sie sich benachteiligt fühlen und ihnen insbesondere chinesische Handelspraktiken sauer aufstießen.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa