Politik

Hinrichtung droht weiterhin Todeskandidat im Iran kann in Berufung gehen

Mohammed Ghobadlu.JPG

Ghobadlus Fall wird neu verhandelt - allerdings wohl nicht in allen Anklagepunkten.

Ein 22-Jähriger wird im Iran zum Tode verurteilt, nachdem er an den Protesten gegen das Regime teilgenommen hat. Als der Fall national und international Wellen schlägt, wird die Exekution ausgesetzt. Das angekündigte Berufungsverfahren gibt aber kaum Anlass zur Hoffnung.

Im Iran hat die Justiz das Berufungsverfahren eines zum Tode verurteilten Demonstranten zugelassen. Der Prozess gegen den 22 Jahre alten Mohammed Ghobadlu werde vor dem Obersten Gerichtshof neu verhandelt, teilte das staatliche Justizportal Misan mit. Hoffnung auf eine Aufhebung der Todesstrafe gibt es allerdings kaum. Die Zeitung "Etemad" berichtet unter Berufung auf den Anwalt des 22-Jährigen, dass nur ein Punkt der Anklage neu verhandelt werden soll. Demnach bleibt die Anklage "Korruption auf Erden" bestehen. Gemäß islamischer Rechtsauffassung im Iran wird diese mit dem Tod bestraft. Der Anwalt kämpft demnach nun für eine Neuverhandlung dieses Urteils.

Ghobadlus Exekution war vor knapp zwei Wochen nach Protesten ausgesetzt worden. Nach Recherchen der "New York Times" war Ghobadlu Friseur und wurde in Teheran kurz nach Ausbruch der Proteste Ende September festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, einen Polizisten überfahren zu haben.

Mehr zum Thema

Vor dem Gohardascht-Gefängnis in Karadsch hatten sich Anfang Januar viele Menschen versammelt, um gegen die Hinrichtungen zweier Männer zu demonstrieren. Ghobadlus Mutter forderte vor der Haftanstalt die Aufhebung des Todesurteils. Nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International droht mindestens 26 Demonstranten im Iran die Todesstrafe. Bisher hat der Iran vier Urteile vollstreckt.

Amnesty bezeichnete die Prozesse als unfaire "Scheinverfahren". Geständnisse würden durch Folter erpresst. Kritiker werfen der politischen Führung in Teheran vor, mit den Hinrichtungen Angst zu verbreiten und die Protestbewegung einschüchtern zu wollen. Auch prominente Juristen im Iran kritisierten die Verfahren. Auslöser der landesweiten Proteste im Iran war der Tod von Jina Mahsa Amini am 16. September 2022 in Polizeigewahrsam. Die iranische Kurdin war von der sogenannten Sittenpolizei wegen Verstoßes gegen die im Iran geltenden islamischen Kleidungsvorschriften festgenommen worden.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen