Politik

Russland fordert Beweise Trump: IS-Anführer Al-Bagdadi ist tot

US-Präsident Trump bestätigt den Tod von IS-Anführer Al-Bagdadi. Er habe sich beim Zugriff der US-Kräfte selbst in die Luft gesprengt und drei seiner Kinder mit in den Tod gerissen, sagt Trump bei einer Rede im Weißen Haus. Russland fordert Beweise für den Einsatz.

Der Chef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, ist nach Angaben von US-Präsident Donald Trump in Syrien getötet worden. Al-Bagdadi habe sich bei einer Operation von US-Spezialkräften in Nordwest-Syrien selbst in die Luft gesprengt, sagte Trump in einer Ansprache im Weißen Haus. DNA-Analysen hätten die Identität des IS-Anführers bestätigt. Auch zahlreiche seiner Kämpfer seien bei dem Einsatz ums Leben gekommen. US-Soldaten seien nicht zu Schaden gekommen, lediglich ein US-Militärhund sei verletzt worden. Er habe selbst habe den Einsatz am Samstag ab 17 Uhr Ortszeit (23 Uhr MESZ) live im Lagezentrum im Weißen Haus verfolgt, sagte Trump.

Bagdadi habe sich dabei selbst das Leben genommen, indem er eine Sprengweste an seinem Körper gezündet habe. Er habe in Panik geschrien und geweint und drei seiner Kinder mit sich in den Tod genommen. "Er ist gestorben, wie ein Hund, wie ein Feigling", sagte Trump zur Bewertung der US-Aktion gegen Al-Bagdadi.

Nach der Ansprache Trumps verlangte das russische Verteidigungsministerium Beweise für die Operation. Es gebe von den mutmaßlich beteiligten Seiten in Details widersprüchliche Angaben, die Zweifel aufkommen ließen, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow in Moskau laut Ministerium. Es gebe keine überzeugenden Informationen, dass die USA in der von ihnen nicht kontrollierten Zone in Syrien solch eine Operation durchgezogen hätten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, dass am Samstag oder in den vergangenen Tagen keine Luftschläge in der Idlib-Zone verzeichnet worden seien. Russland hat nicht nur eigene Truppen in Syrien. Die russische Weltraumaufklärung beobachtet das Geschehen dort auch mit Satelliten.

"Acht US-Hubschrauber und US-Militärhunde im Einsatz"

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Im Dorf Barisha in der syrischen Provinz Idlib besichtigen Männer ein zerstörtes Haus. In der Nähe fand der US-Einsatz gegen Bagdadi statt.

(Foto: AP)

Laut Schilderung des US-Präsidenten waren acht US-Hubschrauber an dem Ort gelandet, wo sich Al-Bagdadi aufhielt. Die Flüge ins Einsatzgebiet und wieder heraus seien "sehr, sehr gefährlich" gewesen, sagte der US-Präsident. Der Durchflug führte durch den russisch kontrollierten Luftraum und sei von Moskau genehmigt worden, führte Trump weiter aus. Die Hubschrauber seien von Unbekannten beschossen worden, die Angreifer seien aber unschädlich gemacht worden.

Der IS-Chef sei vor dem Zugriff der Spezialkräfte, die mit Hunden angerückt waren, in einen Tunnel geflüchtet. Dabei habe er drei seiner kleinen Kinder mit sich "gezerrt". Am Ende des Tunnels habe er die Sprengstoffweste detonieren lassen. "Es war ein Tunnel ohne Ausweg" und der IS-Chef habe das gewusst.

Die US-Soldaten hielten sich laut Trump etwa zwei Stunden auf dem Anwesen auf. Dabei hätten sie wichtiges Material gefunden, darunter über die "Zukunftspläne" des IS. Weiterhin habe es mehrere Festnahmen gegeben. Elf andere Kinder, die sich in dem Anwesen aufgehalten hätten, seien unverletzt herausgeholt worden. Ob darunter weitere Kinder al-Bagdadis waren, blieb zunächst unklar.

Bagdadi habe seit Monaten in Angst vor Entdeckung gelebt. Vor einem Monat habe es gesicherte Hinweise auf seinen Aufenthaltsort gegeben. Der US-Präsident dankte Russland, der Türkei, Syrien, aber auch den Kurden für ihre Mithilfe. Russland und die Türkei seien vor dem Zugriff der US-Kräfte informiert worden, sagte Trump weiter. Das Ziel des Einsatzes habe man aber nicht mitgeteilt. Den Kongress habe er nicht informiert, um die Mission geheim zu halten. Ausgeführt hätten den Einsatz ausschließlich US-Soldaten. Die kurdische Einheit SDF hatte zuvor erklärt, dass sie fünf Monate lang einen Einsatz vorbereitet habe.

Inszenierung wie Obama: Trump im "Situation Room"

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Trump verfolgte den Einsatz nahe des nordwestsyrischen Orts Barischa im Grenzgebiet zur Türkei vom "Situation Room" im Weißen Haus aus. Er war dabei von Verteidigungsminister Mark Esper, seinem Sicherheitsberater Robert O'Brien und mehreren Generälen umgeben. Alles sei so klar zu sehen gewesen wie in einem "Film", sagte Trump und geriet militaristisch ins Schwärmen: Der Einsatz sei von einem Team "brillanter Kämpfer" ausgeführt worden.  Auf Twitter spottete Time-Korrespondentin Vera Bergengruen über das Foto des Weißen Hauses dazu. Trump wolle den ikonischen Moment wiederholen, der seinen Vorgänger Barack Obama beim tödlichen Einsatz gegen al-Qaida-Chef Osama bin Laden zeigt. 

Trump unterstrich, die USA würden die Jagd nach IS-Anführern fortsetzen. Man habe bereits die Nachfolger Bagdadis im Visier. Zugleich kündigte der US-Präsident an, dass er seine Entscheidung eines Truppenabzugs aus Syrien nicht überdenken werde. Der Abzug aus den von kurdischen Milizen kontrollierten Gebieten hatte den türkischen Einmarsch in Nordsyrien möglich gemacht. Allerdings waren zuletzt US-Soldaten aus dem Irak wieder nach Syrien vorgerückt, um dortige Ölquellen zu kontrollieren.

Quelle: n-tv.de, mau/AFP/dpa/rts