Politik

Wie kann der Iran-Krieg enden?Trump bleiben nur schlechte Optionen

24.03.2026, 19:38 Uhr UnbenanntEine Analyse von Frauke Niemeyer
00:00 / 10:21
WEST-PALM-BEACH-FLORIDA-MARCH-23-U-S-President-Donald-Trump-boards-Air-Force-One-at-Palm-Beach-International-Airport-on-March-23-2026-in-West-Palm-Beach-Florida-President-Trump-is-traveling-to-Tennessee-before-returning-to-Washington
Ein Ausstieg aus dem Irankrieg - Donald Trump fehlt dafür die Strategie. (Foto: Getty Images)

Vermittlerstaaten bemühen sich um Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Aber wie kann Trump aus dem Irankrieg aussteigen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was steht bei möglichen Verhandlungen auf dem Spiel?

US-Präsident Donald Trump hat den Krieg begonnen, ohne ein klares Ziel zu formulieren und ohne eine Strategie für die Zukunft des Iran nach dem Krieg. Auch hat er es versäumt, die US-Bevölkerung von der Notwendigkeit dieses Einsatzes zu überzeugen. Doch bereits kurz nach Beginn der Luftattacken auf den iranischen Gegner bekamen die US-Amerikaner die Folgen zu spüren: Ein Preisanstieg an der Tankstelle trifft die USA immer an empfindlicher Stelle.

Trump muss zudem befürchten, dass durch die Sperrung der Straße von Hormus mittelfristig auch höhere Lebensmittelpreise der Bevölkerung zusetzen. Denn nicht nur Öllieferungen sind in der Meerenge derzeit weitgehend blockiert. Auch der Transport für wichtige Bestandteile von Düngemitteln wie etwa Ammoniak, Schwefel oder Harnstoff ist unterbrochen. Das verteuert die Preise auch für amerikanische Farmer und sie müssen die Preise für ihre Produkte anheben.

Zudem startete der Iran kurz nach Beginn des Krieges auch Attacken auf mit den USA befreundete Golfstaaten - unter anderem auf die Infrastruktur für den Handel mit Flüssiggas, etwa in Katar. Laut Aussage der Kataris wird es mehrere Jahre dauern, die Schäden an den angegriffenen LNG-Terminals zu beheben.

Die Einschränkungen für den internationalen Handel mit Gas und Öl brachten den Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) am Montag zu einer drastischen Aussage: Demnach erlebt die Welt gerade "zwei Ölkrisen und einen Gaskollaps in einem", so IEA-Chef Fatih Birol im australischen Fernsehen. Er warnte vor der womöglich schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten. "Kein Land wird von den Auswirkungen dieser Krise verschont bleiben, wenn sie sich weiter in diese Richtung entwickelt."

Wie sehr auch die USA diese Entwicklung fürchten, zeigt die kurzfristige Entscheidung des Weißen Hauses, die Öl-Sanktionen gegen den Erzfeind Iran zu lockern - mitten im Krieg. Ziel war, durch die Erlaubnis zum Kauf iranischen Öls, das bereits auf See ist, das Angebot auf dem Weltmarkt zu vergrößern und die Preissteigerung damit zu bremsen. Ein schnelles Ende dieses Krieges und eine Normalisierung der Bedingungen für die globale Wirtschaft, liegen sehr im Interesse der US-Regierung - eigentlich.

Können die USA den Irankrieg nicht militärisch für sich entscheiden?

Tatsächlich könnten die USA auf ihre Militärmacht setzen und versuchen, das Mullah-Regime entscheidend zu schwächen oder sogar einen Regimewechsel herbeizuführen. Eine Möglichkeit dazu wäre die Beschlagnahmung seines Vorrats an hochangereichertem Uran. Damit läge das Atomprogramm des Iran erstmal auf Eis. Doch wäre das keine einfache Operation.

Laut Analyse des US-Experten Ilan Goldenberg, dem ehemaligen Nahost-Berater für Ex-Vizepräsidentin Kamala Harris, könnten die USA hier nicht auf den militärisch oft entscheidenden Überraschungseffekt setzen. Venezuelas Ex-Machthaber Nikolas Maduro konnten die US-Spezialkräfte quasi im Schlaf überraschen. Doch der Iran rechnet spätestens seit dem 12-Tage-Krieg im vergangenen Sommer vermutlich jede Minute mit einem US-Angriff auf sein Atomprogramm.

Die Tunnel in Isfahan "gehören wahrscheinlich zu den am stärksten verteidigten Anlagen des Landes", schreibt Goldenberg im US-Magazin "Foreign Affairs". "Iranische Streitkräfte würden in dem Gebiet zusammenlaufen", das tief im Iran liegt. Die US-Kräfte müssten ein Gebiet auf dem Boden gegen eine vermutlich große Zahl iranischer Soldaten absichern. Ob die Lagerungstunnel zugänglich wären, und wie - im besten Fall - das Uran sicher transportiert werden könnte, wären weitere Herausforderungen für eine US-Operation gegen das Atomprogramm, die vermutlich genauso riskant wäre wie sie klingt.

Eine andere Option, über die öffentlich gesprochen wird, wäre die Besetzung der iranischen Insel Charg im Persischen Golf, über die 90 Prozent der iranischen Ölexporte fließen. Laut Goldenberg könnte diese Operation "durch einen amphibischen oder einen Luftangriff durchgeführt werden", da die Insel für Teheran schwerer zu verteidigen wäre. Aber ein solcher Schachzug birgt auch Risiken:

Zum einen ganz konkret für die US-amerikanischen Streitkräfte, die bei einer Besetzung in eine weitaus gefährlichere Operation involviert wären als die bisherigen Schläge aus der Luft. Zum anderen würde mit einer Schädigung des iranischen Ölhandels die Lockerung der Sanktionen quasi konterkariert. Die Preise würden sehr wahrscheinlich dadurch weiter nach oben getrieben.

Zum dritten könnte die Besetzung mit Blick auf das Regime im schlechtesten Fall folgenlos bleiben. Denn wirtschaftlicher Druck auf einen Gegner funktioniert nur dann, wenn der Gegner dafür empfänglich ist. Die Mullahs aber haben schon mehrfach bewiesen, dass ihnen die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung vollkommen egal ist. Sie agieren ohne Rücksicht auf Verluste. "Es handelt sich um ein Regime, von dem man annehmen muss, dass es bis zum Untergang kämpfen wird", sagt der Politologe Herfried Münkler im "Handelsblatt". Ein viertes Risiko besteht darin, dass Teheran unter Druck die Angriffe auf die Golfstaaten und Frachter in der Straße von Hormus sogar noch verstärken würden.

Auf militärischen Sieg der USA zu setzen, scheint also derzeit ziemlich riskant, während der Iran mit vergleichsweise stemmbarem Aufwand die Weltwirtschaft weiter empfindlich stören kann.

Könnte Trump diesen Krieg überhaupt beenden, wenn er wollte?

Den Krieg mit einem militärischen Sieg zu beenden, scheint nach Lage der Dinge unwahrscheinlich. Bliebe die Option für Donald Trump, zu erklären, man habe in den vergangenen Wochen dieses oder jenes immens wichtige Ziel mit dem Krieg erreicht und könne sich jetzt zufrieden zurückziehen. Nur, wie wird das Mullah-Regime darauf reagieren?

"Wenn der Iran weiter seine Nachbarn angreift, wie er das nun einmal tut, weil er das Territorium der USA nicht erreichen kann, wird Trump seine Erklärung, der Krieg sei zu Ende, wieder zurücknehmen müssen", analysiert Münkler. Schließlich würden die Golfstaaten es wohl kaum dulden, sich allein mit dem Iran auseinanderzusetzen, nur weil Trump, der den Krieg begonnen hat, keinen Nutzen mehr darin sieht.

Der Iran könnte also versuchen, die USA gegen ihren Willen weiter in diesem Krieg zu halten, falls das Regime darin einen Nutzen erkennt. Dieser Nutzen könnte darin liegen, die USA dazu zu bringen, ihren Einfluss auf Israel geltend zu machen.

Der Iran ist für den Staat Israel seit der Machtübernahme durch das Mullah-Regime im Jahr 1979 eine existenzielle Bedrohung. Die Auslöschung Israels ist sozusagen iranische Staatsräson. Darum steht für Premier Benjamin Netanjahu bei diesem Krieg absolut im Vordergrund, den Iran jeglicher militärischer Fähigkeiten zu berauben - atomar und konventionell. Israel möchte das Bedrohungsproblem Iran sehr grundlegend erledigen - auch, indem es seinen Proxy, die Hisbollah im Libanon, auszuschalten versucht. Israel ist aber zugleich nicht in der Lage, sich allein gegen die gegnerischen Kräfte in seiner Nachbarschaft zu behaupten. Die Unterstützung der USA ist überlebenswichtig.

Ein Argument für den Iran, sich auf einen Waffenstillstand einzulassen, könnte daher die Zusage der USA sein, Israels Angriffsbereitschaft gegen über Teheran einzuhegen. Trump könnte versuchen, mit Teheran einen Deal abzuschließen über die Beendigung seines Atomprogramms und zugleich seine Unterstützung Israels im Konflikt mit dem Iran an Bedingungen knüpfen. Etwa daran, dass der Iran zuvor ein anderes Land angegriffen oder sein Atomprogramm wieder aufgenommen haben müsste.

Aus Sicht der Regierung von Israels Premier Benjamin Netanjahu wäre ein solches Zugeständnis mit Blick auf seinen jahrzehntelangen Erzfeind nur sehr schwer akzeptabel. Zumal die Mullahs es als Erfolg präsentieren könnten. Doch ohne substanzielle Sicherheitsgarantien dieser Art könnte der Iran sich schlicht weigern, einem Ende des Krieges zuzustimmen.

Ein entscheidender Faktor dabei: Die Mullahs müssen diesen Krieg nicht gewinnen, das können sie auch gar nicht. Sie können nur darauf setzen, durch lang anhaltenden militärischen Widerstand inklusive der Hormus-Blockade die Weltwirtschaft im Schlingerkurs zu halten, Märkte in Aufruhr zu versetzen und den Bürgern der USA die Lust am Tanken und am Einkauf im Supermarkt zu vermiesen. Das würde für Trump schon bald gefährlich, denn für die Zwischenwahlen im November braucht er seine bisherigen seine Wählerhinter sich.

Noch in dieser Woche wollen laut dem US-Nachrichtenportal "Axios" einige Vermittlerstaaten wie Ägypten, Pakistan und die Türkei ein Treffen zwischen iranischen und amerikanischen Vertretern in Islamabad erreichen. Laut "Wall Street Journal" stellt das iranische Regime selbstbewusste Forderungen mit Blick auf ein Ende des Krieges. Für die Vertreter Donald Trumps würden das keine einfachen Gespräche. Aber vermutlich mit besseren Erfolgsaussichten als weitere Wochen oder gar eine Eskalation dieses Krieges.

Quelle: ntv.de

Donald TrumpStraße von HormusAjatollah Ali ChameneiNaher OstenMullah-RegimeIran-Konflikt