Politik

US-Pastor unter Hausarrest Trump droht Türkei mit Sanktionen

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Andrew Craig Brunson, ein evangelikaler Prediger, wurde aus der Haft entlassen - dann aber sogleich unter Hausarrest gestellt.

(Foto: AP)

Zwischen den USA und der Türkei bahnt sich neuer Streit an. Im Erdogan-Staat wird ein US-Pastor festgehalten, der Verbindungen zum Prediger Gülen haben soll. US-Präsident Trump fordert seine Freilassung. Der türkische Außenminister reagiert verärgert.

Im Streit um einen US-Pastor, der seit mehr als eineinhalb Jahren in der Türkei festgehalten wird, hat US-Präsident Donald Trump dem Land "weitreichende Sanktionen" angedroht. "Er leidet fürchterlich. Dieser unschuldige Glaubensmann sollte umgehend freigelassen werden", twitterte Trump. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu wies die Drohung scharf zurück: Die Türkei lasse sich von niemandem etwas "diktieren".

Das schwer angespannte Verhältnis zwischen Washington und Ankara könnte sich also durch den Fall des US-Geistlichen Andrew Brunson, dem eine jahrzehntelange Haftstrafe droht, dramatisch weiter verschlechtern. Der 50-Jährige war zwar am Mittwoch nach fast zwei Jahren Untersuchungshaft überraschend aus einem türkischen Gefängnis entlassen worden, er wurde aber unter Hausarrest gestellt.

US-Außenminister Mike Pompeo kritisierte dies bereits am Mittwoch als "nicht ausreichend". Trump legte nun nach. Er prangerte an, dass der Pastor "stark leidet". Auch pries er Brunson als "großartigen Christen" und "wunderbaren Menschen".

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis dürfe der Pastor sein Haus im westtürkischen Izmir nicht verlassen, berichtete der Sender CNN Türk unter Berufung auf die Gerichtsentscheidung. Brunson sollen demnach elektronische Fußfesseln angelegt werden oder er soll durch eine ähnliche technische Vorrichtung kontrolliert werden.

Trump: Brunson ist "Geisel"

Brunson werden Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und zur Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft fordert dafür bis zu 35 Jahre Haft. Die nächste Gerichtsverhandlung ist am 12. Oktober. Die türkische Führung macht Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte in der Vergangenheit einen Austausch von Gülen gegen Brunson vorgeschlagen.

Brunson betrieb mit seiner Ehefrau über zwei Jahrzehnte hinweg eine kleine Kirche in Izmir. Er wurde im Oktober 2016 festgenommen. Trump hatte die türkische Regierung bereits in der vergangenen Woche beschuldigt, Brunson als "Geisel" zu halten. Ankara wies dies nun erneut zurück und betonte, die türkische Justiz sei unabhängig. "Die Herrschaft des Rechts gilt für jeden; keine Ausnahmen", schrieb Außenminister Cavusoglu bei Twitter. Seine Regierung werde "niemals Drohungen von irgendjemandem hinnehmen".

US-Vizepräsident Mike Pence machte deutlich, dass seiner Regierung die Aufhebung des Hausarrests nicht reichen würde, sondern sie auch das Ende der Ausreisesperre verlangt. Die Türkei müsse Brunson "nach Hause nach Amerika schicken", sagte er in Washington bei einer internationalen Konferenz des US-Außenministeriums zur Religionsfreiheit. Pence betonte auch, dass es "keine glaubwürdigen Beweise" gegen den Pastor gebe.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa/AFP

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