Politik

"Sie haben mich Daddy genannt"Trump fordert Grönland von der Nato, verwechselt es aber mit Island

21.01.2026, 18:19 Uhr
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Möchte Grönland zu einem Teil der USA machen: Präsident Donald Trump. (Foto: REUTERS)

In einer ausführlichen Rede in Davos versucht US-Präsident Trump zu begründen, warum Grönland in den Besitz der Vereinigten Staaten übergehen sollte. Dabei verwechselt er die Arktisinsel mit Island - und moniert, wie die Nato ihn plötzlich behandelt.

In der Rede beim Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos ist Donald Trump in seinen Aussagen über Grönland deutlich: Gewaltsam einmarschieren werden die Vereinigten Staaten nicht auf der riesigen Arktisinsel, die zum Königreich Dänemark gehört, möchten aber unmittelbar darüber verhandeln, damit sie in den Besitz der Vereinigten Staaten übergeht. Falls sich die entsprechenden Länder weigerten, "werden wir uns daran erinnern", sagte der US-Präsident. Seine Begründungen für die gewünschte Annexion waren vielfältig - die Rolle der USA im Zweiten Weltkrieg, aktuelle nationale und internationale Sicherheit, frühere Annexionen durch die Vereinigten Staaten.

Doch während seiner umfassenden Ausführungen, die weit über eine Stunde dauerten, war zwischendurch nicht eindeutig, über welches Land er nun sprach. An einer Stelle sagte er, die Nato habe ihn bis vor ein paar Tagen "geliebt". "Sie haben mich Daddy genannt", meinte er - "bis ich ihnen vor ein paar Tagen von Island erzählt habe". Vom Anführer sei er "zu einem schrecklichen Menschen geworden". Trump beschwerte sich, das Verteidigungsbündnis sei "in Island nicht für uns da". Und wegen "Island" und der Angst vor einem Bruch transatlantischer internationaler Beziehungen seien die Aktienmärkte eingebrochen. "Island hat uns also schon viel Geld gekostet", erklärte er. Was denn nun? Grönland oder Island?

Mehrmals nannte er Grönland in Davos ein "großes, schönes Stück Eis" oder "gigantisches Stück Eis", wo im Kriegsfall "Raketen genau über die Mitte fliegen würden". Es liege "genau zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und China". Island wird auf Englisch als "Iceland" bezeichnet. Vermutlich verirrte sich Trump, der seinen Teleprompter meist nur als einen Leitfaden nutzt, nicht wörtlich alles abliest, also in seinen eigenen Ausführungen. Er und seine Unterstützer nennen seinen Vortragsstil "weben" (weave), weil er spontan verschiedenste Inhalte miteinander kombiniert.

"Wie dumm waren wir?"

"Wir wollen ein Stück Eis zum Schutz der Welt, und sie geben es uns nicht", beklagte er sich an anderer Stelle seiner Rede. Der US-Präsident monierte mehrfach, die Nato nutze die Vereinigten Staaten aus, und führte aus, dass die USA im Zweiten Weltkrieg Grönland militärisch geschützt hätten, und es danach sogar an Dänemark zurückgegeben habe. "Wie dumm waren wir, das zu tun?", sinnierte er. "Aber wie undankbar sind sie jetzt?" Die USA und die Welt seien in Gefahr, "wegen Raketen, wegen Atom(waffen), wegen Waffen, wegen Kriegsführung, über die ich gar nicht reden darf." Die USA seien die weltweit größte Militärmacht und das einzige Land, das Grönland schützen könne.

Als Druckmittel hatte Trump am Wochenende mit allgemeinen Zöllen für Importe aus mehreren europäischen Ländern gedroht, darunter auch Deutschland. Ab 1. Februar wären es 10 Prozent, ab 1. Juni 25 Prozent. Das EU-Parlament hat im Gegenzug die Arbeit an den zuvor getroffenen Vereinbarungen über eine neue Zollregelung zwischen Brüssel und Washington gestoppt.

Die Annexion Grönlands sei "eine sehr kleine Bitte im Vergleich zu dem, was wir ihnen seit vielen, vielen Jahrzehnten gegeben haben", sagte Trump nun über die Nato, und stellte infrage, ob die Mitgliedsländer den USA im Verteidigungsfall helfen würden. "Ich weiß nicht, ob sie für uns da wären. Bei all dem Geld, das wir ausgeben, bei all dem Blut, Schweiß und Tränen."

Es gibt bereits zwei weitreichende Abkommen zwischen den USA, Dänemark und Grönland über militärische Zusammenarbeit. Kopenhagen und Nuuk haben sich offen über Gespräche zur Sicherheit der Arktisinsel gezeigt. Die europäischen Länder, Grönland und die dortige Bevölkerung lehnen eine Annexion bislang entschieden ab.

Quelle: ntv.de, rpe

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