Politik

"Nicht mehr das, was es mal war" Trump geht Fox News fremd

RTX1Z118.jpg

Die Zeiten, in denen Donald Trump dem Sender Fox News bereitwillig Interviews gibt, könnten bald vorbei sein.

(Foto: REUTERS)

In einer Medienlandschaft, die seiner Meinung nach von Fake News bestimmt ist, konnte sich US-Präsident Trump in der Vergangenheit auf die Loyalität von Fox News verlassen. Diese Zeiten scheinen nun vorbei zu sein. Vielmehr hat ein anderes Medium das Herz des Republikaners erobert.

Donald Trump und Fox News - das war in den vergangenen Jahren geradezu eine Symbiose. Doch diese Zeiten sind vorbei. Zwar wirbt der rechtslastige US-Sender weiterhin überwiegend kritiklos im Stil eines Staatsfernsehens für den US-Präsidenten, doch zumindest auf Trumps Seite ist die Beziehung abgekühlt. Stattdessen schwärmt der Präsident inzwischen für einen anderen Partner in der US-Fernsehlandschaft, der ihm noch herzlicher zugeneigt ist - den eher kleinen Sender One America News Network (OANN).

*Datenschutz

"Tatsächlich mache ich, wenn immer es möglich ist, @OANN an!" bekundete Trump kürzlich auf Twitter. Über Fox News hingegen zog er zuletzt immer wieder her. Der Sender sei "nicht mehr das, was er mal war", moserte der Präsident im Juli, nachdem Fox News seiner Ansicht nach einen Oppositionsabgeordneten zu schonend befragt hatte.

Auch bei seiner Rückkehr vom Sommerurlaub am Sonntag machte der Präsident seinem Frust über Fox News wieder Luft: Dort sei "etwas im Gange", über das er "nicht glücklich" sei. Trotz aller Pro-Trump-Botschaften auf Fox News stellt Trump inzwischen die Loyalität des Senders aus dem Reich des Medienmoguls Rupert Murdoch in Frage.

Dies hat vor allem zwei Gründe: Zum einen hat Fox News diverse Auftritte von demokratischen Präsidentschaftsbewerbern bei Bürgerversammlungen ausgestrahlt, zum anderen lassen die Fox-News-Umfragen Trump nicht gut aussehen. "Fox bewegt sich immer mehr auf die verlierende (falsche) Seite zu, indem es über die Dems (Kurzform für die Demokraten) berichtet", grantelte Trump im Mai.

"Danke für die nette Art"

Jüngst beschwerte sich der Präsident, seine "schlimmsten Umfragewerte" habe er immer bei Fox News bekommen. Jüngste Befragungen für den Sender ergaben, dass Trump im direkten Vergleich mit den demokratischen Präsidentschaftsbewerbern Joe Biden und Bernie Sanders deutlich hinten liegt.

*Datenschutz

Über den erst seit 2013 existierenden Kabelsender OANN schüttet Trump hingegen Lob aus, darunter in einer Serie von Twitter-Botschaften der vergangenen Monate. Bereits im Juni 2018 hatte Trump bei einer Pressekonferenz in Singapur nach seinem historischen ersten Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un nicht nur eine OANN-Reporterin eine Frage stellen lassen, sondern dabei gleich auch noch vor der Weltöffentlichkeit ihren Sender gerühmt: "Danke für die nette Art, in der Sie uns behandeln. (...) Es ist wirklich schön, was Sie machen."

Der Sender mit Sitz im südkalifornischen San Diego wurde von dem aus der Technologiebranche kommenden Millionär Robert Herring gegründet. OANN beschreibt sich als Kanal "für unverfälschte Nachrichten" und ohne politische Meinung. Das erinnert an das "Fair und ausgewogen"-Motto von Fox News. Doch ebenso wie der Konkurrenzsender ist OANN alles andere als unparteiisch.

Vermeintliche Nähe zu Russland als Parallele

Vielmehr setzt OANN konsequent auf eine noch Trump-freundlichere Berichterstattung als Fox News. Als Letzterer sich kürzlich von einem Trump-Auftritt im Bundesstaat New Hampshire ausblendete, blieb OANN dabei: "Wir werden niemals ausblenden!" versicherte Herring persönlich in einer Twitter-Botschaft.

Der Chef beschreibt seinen Sender als "den liebsten Nachrichtenkanal des Präsidenten". Eine Gemeinsamkeit mit Trump ist, dass OANN einer großen Nähe zu Moskau verdächtigt wird. Kritiker werfen dem Sender vor, russische Propaganda zu verbreiten.

Trumps frische Liebe zu OANN bedeutet aber nicht, dass seine alte Liebe zu Fox News völlig erloschen ist. So startet der Präsident weiterhin regelmäßig mit der Morgensendung "Fox & Friends" in den Tag - von der Sendung hat er sich immer wieder inspirieren lassen, ihr hat er auch häufig Telefoninterviews gegeben. Nicht zuletzt an der Zahl der künftigen Trump-Interviews bei Fox News wird sich abmessen lassen, wie eng die Beziehung noch ist.

Quelle: n-tv.de, Michael Mathes, AFP

Mehr zum Thema