Politik

"Wie aus dem Lehrbuch" Trump hat sich schon oft rassistisch geäußert

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"Er will einfach nicht 'schwach' erscheinen", sagt der US-Journalist Marc Fisher über Trump. "Wenn das bedeutet, dass Leute ihn für einen Rassisten oder für gefühlskalt halten, dann ist ihm das egal."

(Foto: imago images / ZUMA Press)

US-Präsident Donald Trump nennt sich selbst "die am wenigsten rassistische Person, die Sie je getroffen haben". Ein Blick in die Vergangenheit legt nahe, dass das nicht stimmt. Aber vielleicht geht es ihm auch um etwas anderes.

Ist Donald Trump ein Rassist? Die Frage, die bereits im Präsidentschaftswahlkampf 2016 gestellt wurde, ist wieder einmal aktuell. Anlass sind seine Tweets über mehrere Politikerinnen der Demokraten.

Klar ist, dass seine Bemerkungen rassistisch sind. An die Adresse von linken Demokratinnen im Repräsentantenhaus schrieb Trump, diese kämen ursprünglich aus Ländern, deren Regierungen eine "totale Katastrophe" seien - und ausgerechnet sie würden nun den US-Bürgern erzählen, wie die USA regiert werden müssten. "Warum gehen sie nicht zurück und helfen, die total kaputten und kriminalitätsverseuchten Länder zu reparieren, wo sie herkommen", so Trump.

Rassistisch ist diese Abfolge von Tweets, weil drei der vier Frauen, die Trump meint, in den USA zur Welt gekommen sind. Aus seiner Sicht reicht es nicht, die amerikanische Staatsbürgerschaft zu haben, um US-Bürger zu sein. Nancy Pelosi, die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses, schrieb auf Twitter, Trump zeige, dass er Amerika nicht "wieder groß", sondern "wieder weiß" machen wolle. Auch Trumps ehemaliger Anwalt Michael Cohen, ein jahrelanger Vertrauter, hält den Präsidenten für einen Rassisten.

Stimmt das, sitzt wirklich ein Rassist im Oval Office? Da es um innere Einstellungen geht, ist das schwer zu beantworten. Sinnvoller ist die Frage, ob Trump sich rassistisch verhält und äußert. Das ist auch leichter zu überprüfen. Hier eine Übersicht:

  • Ein früherer Mitarbeiter beschrieb 1991 in einem Buch (und 2018 für die Nachrichtenseite Politico), wie Trump in seiner Zeit als Casino-Betreiber in Atlantic City über schwarze Buchhalter, die bei ihm angestellt waren, gesprochen habe: "Schwarze Typen zählen mein Geld! Ich hasse das. Die einzigen, von denen ich will, dass sie mein Geld zählen, sind kleine Typen, die jeden Tag eine Kippa tragen." Über einen seiner Manager in Atlantic City sagte Trump, er sei faul. "Und das ist wahrscheinlich nicht seine Schuld, denn Faulheit ist typisch für Schwarze." 1997 sagte er in einem Interview mit dem "Playboy", die Aussagen in dem Buch seien "vermutlich wahr". Später bestritt er das.
  • Vielfach als rassistisch gesehen wurde Trumps Auftreten als Speerspitze der sogenannten "Birther". Das waren Leute, die ohne jeden Beleg behaupteten, der damalige US-Präsident Barack Obama sei nicht in den USA zur Welt gekommen und hätte deshalb nie Präsident werden dürfen. Noch 2015, im Vorwahlkampf der Republikaner, sagte Trump, er wisse nicht, wo Obama geboren sei, und er wisse auch nicht, warum der Präsident seine Geburtsurkunde nicht zeige. Diese Urkunde hatte Obama zu diesem Zeitpunkt längst veröffentlicht. Erst 2016 rückte Trump, wenn auch nur halbherzig, von dieser Verschwörungstheorie ab.
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    In der Ankündigung seiner Bewerbung um die republikanische Präsidentschaftskandidatur am 16. Juni 2015 setzte Trump mexikanische Einwanderer mit Vergewaltigern gleich. "Sie bringen Drogen. Sie bringen Verbrechen. Sie sind Vergewaltiger." (In typischer Trump-Manier fügte er hinzu: "Und einige, nehme ich an, sind gute Menschen.")
  • Über einen in den USA geborenen Bundesrichter mit mexikanischen Wurzeln, über dessen Urteil Trump sich aufregte, sagte er, dieser könne angesichts seiner Herkunft gar nicht unparteiisch sein. Bei einer Wahlkampfkundgebung bezeichnete er den Richter als Mexikaner. Der damalige Sprecher des Repräsentantenhauses, der Republikaner Paul Ryan, nannte diese Äußerungen "rassistisch wie aus dem Lehrbuch".
  • Berühmt wurde Trumps falsche Behauptung, nach dem 11. September 2001, dem Tag der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon, hätten in New Jersey "Tausende und Abertausende" Araber gefeiert. Trump bezog sich auf eine Reportage, in der aber nur von einzelnen Personen die Rede ist.
  • Trump benutzte auf seinem Twitter-Konto Bilder von rassistischen Webseiten und Zitate des faschistischen Diktators Mussolini. Er verbreitete auch eine rassistische und falsche Statistik, in der behauptet wurde, dass weiße Mordopfer vor allem von Schwarzen getötet worden seien.
  • Der umstrittene Sheriff Joe Arpaio, der wegen seines Festhaltens an rassistischen Polizeimethoden verurteilt worden war, wurde von Trump begnadigt.
  • 2016 und später attackierte Trump mehrfach Spieler der National Football League, die aus Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus beim Abspielen der Nationalhymne nicht standen, sondern knieten. Robert Kraft, der Besitzer der New England Patriots und eigentlich ein Trump-Anhänger, nannte dieses Verhalten "spaltend und schrecklich".
  • Nach einer Kundgebung von Rechtsradikalen in der Stadt Charlottesville im August 2017, bei der ein Neonazi mit einem Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten fuhr und eine Frau tötete, verurteilte Trump zwar ganz allgemein Hass und Gewalt. Er sagte aber auch, auf beiden Seiten habe es "sehr gute Menschen" gegeben.
  • Im Oval Office soll Trump am 11. Januar 2018 über mittelamerikanische und afrikanische Staaten gesagt haben, diese seien "shithole countries". Auf Twitter bestritt er später diesen Ausdruck, räumte aber ein, "harte Sprache" benutzt zu haben.

Als Reaktion auf Kritik an seinem mutmaßlichen "Drecksloch"-Zitat sagte Trump damals, er sei kein Rassist. "Ich bin die am wenigsten rassistische Person, die Sie jemals interviewten", erklärte er Journalisten. Diese Formulierung hat er mehrfach benutzt, unter anderem 2016 im Gespräch mit dem Journalisten Marc Fisher von der "Washington Post".

Ist Trump also ein Rassist? Es gibt viele Hinweise, die dafür sprechen. Aber vielleicht ist es auch die falsche Frage. "Er will einfach nicht 'schwach' erscheinen", sagte Fisher im Interview mit n-tv.de. "Wenn das bedeutet, dass Leute ihn für einen Rassisten oder für gefühlskalt halten, dann ist ihm das egal." Demnach würde Trump sich rassistisch äußern, weil er glaubt, dass das bei seinen Wählern ankommt. Für einen Teil seiner Wählerschaft stimmt das, wenn auch nur für eine Minderheit. Die anderen sehen darüber hinweg. Jedenfalls bislang.

Quelle: n-tv.de

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