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Donnerstag, 26. November 2015

Behauptungen über 9/11: Donald Trump imitiert behinderten Reporter

Tausende Menschen sollen in New Jersey wegen 9/11 Partys gefeiert haben - sagt Donald Trump. Dabei macht sich der republikanische Päsidentschaftsanwärter über angebliche Gedächtnislücken eines Reporters lustig und imitiert dessen körperliche Behinderung.

Donald Trump, einer der republikanischen Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahlen, hat sich in einer Rede über die körperliche Behinderung eines Reporters der "New York Times" lustig gemacht. Der Journalist Serge Kovaleski kann seine Arme und Hände wegen Muskelrückbildung nur eingeschränkt bewegen. Trump machte die für Arthrogrypose typischen Bewegungen nach, während er Kovaleski zitierte.

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Der Unternehmer verteidigte in der entsprechenden Rede seine Behauptung, dass Tausende Menschen in New Jersey, wo viele Araber leben, den Einsturz der World Trade Center Türme am 11. September 2001 bejubelt haben sollen. Dabei bezog er sich auf eine Reportage Kovaleskis nach den Anschlägen für die "Washington Post". Darin schrieb der Journalist kurz nach 9/11: "Ermittler nahmen einige Personen fest und befragten sie, nachdem sie gesehen worden sein sollen, wie sie die Angriffe bejubelten und Partys auf Dächern feierten, während sie die Zerstörung auf der anderen Seite des Flusses beobachteten."

Trump sagte zunächst, dass der Text von einem "guten Reporter" geschrieben sei, fing dann aber an, die Arme und Hände entsprechend Kovaleskis Krankheit zu bewegen: "Sie sollten ihn sich mal ansehen", so Trump, und wiederholte die Äußerungen des Journalisten: "Ich weiß nicht, was ich gesagt habe. Ich erinnere mich nicht. Vielleicht ist es das, was ich gesagt habe." Dabei verzog der Republikaner zudem sein Gesicht und verstellte seine Stimme.

"Hat mich nicht überrascht"

"Wir denken, es ist abscheulich, dass er sich über das Erscheinungsbild eines unserer Reporter lustig macht", sagte eine Sprecherin der "New York Times". Pikant wird die Geschichte zusätzlich, weil Kovaleski für Trump kein Unbekannter ist. Als Reporter der "New York Daily News" hatte er über Trumps Geschäfte geschrieben und sich zu verschiedenen Anlässen mehrmals mit ihm persönlich getroffen. Kovaleski selbst sagte dazu, das Traurige sei, "angesichts seiner Vorgeschichte hat es mich überhaupt nicht irritiert oder überrascht, dass Donald Trump so etwas Armseliges machen würde".

Trump hatte bei einem Interview am Wochenende mit "ABC News" behauptet, die Szenen jubelnder Menschen selbst im TV gesehen zu haben. Die Polizei in New Jersey dementierte die Aussagen. Kovaleski sagte, er sei für seine Reportagen viel herumgekommen nach 9/11, aber er erinnere sich nicht daran, dass irgendjemand etwas von Tausenden oder Hunderten feiernden Menschen erzählt hätte.

Bislang hat Trump keine seiner Aussagen geschadet - egal, ob sie nachprüfbar waren oder nicht. In Umfragen unter Republikanern konnte der Unternehmer nach den Anschlägen von Paris kräftig zulegen, je nach Medium zwischen 4 und 10 Prozent. Im Schnitt liegt er bei 27,5 Prozent. Trumps ärgster Verfolger ist derzeit Ben Carson, der auf 19,8 Prozent kommt.

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Quelle: n-tv.de