Politik

Röttgen im "ntv Frühstart" "Trump ist bereit, alles in Brand zu setzen"

Norbert Röttgen will nicht nur CDU-Vorsitzender werden, er ist auch führender Außenpolitiker der Union im Bundestag. Als solcher begrüßt er die Zurückhaltung der Bundesregierung zum US-Wahlkampf - hat aber selbst eine klare Meinung zu Trumps Verhalten.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen, hält deutlichere Worte der Bundesregierung zum Verhalten von Präsident Trump nach der US-Wahl nicht für angebracht. "Das ist eine amerikanische Angelegenheit und die Amerikaner werden das hinbekommen", sagte Röttgen in der ntv-Sendung "Frühstart". Man habe in Deutschland eine klare Einschätzung zu den Ereignissen und Vertrauen in die Verfassungsinstitutionen der USA. Man mache sich nicht unglaubwürdig, wenn man in anderen Ländern auf demokratische Spielregeln hinweise und in diesem Fall nicht. In diesen Ländern schließe man die Bürger von vornherein von den politischen Prozessen aus, das sei der Unterschied zu den USA, so Röttgen.

Den US-Präsidenten kritisierte Röttgen deutlich. "Er ist bereit, alles zu vergiften und in Brand zu setzen." Sein Verhalten sei "gefährlich" und "ungeheuerlich". Trump nutze inzwischen Brandrhetorik. Die Gefahr sei, dass ihn seine Anhänger wörtlich nähmen und meinten, die Demokratie vermeintlich verteidigen zu müssen. "Es war immer klar, wenn es eng wird, wird er an der Legende stricken, ich habe nicht verloren, sondern ich bin betrogen worden."

Röttgen erwartet, dass der US-Präsident nicht einmal eine Niederlage vor Gericht hinnehmen würde. "Er akzeptiert nichts, was Niederlage ist. Er wird auch die Justiz nicht verschonen von seinen Vorwürfen der Parteilichkeit. Es geht immer nur um ihn und darum wird es alle erfassen, die nicht für ihn sind." Für den Fall einer endgültigen, juristischen Niederlage rechnet Röttgen damit, dass das amerikanische System funktioniere und Trump das Weiße Haus verlassen werde.

Röttgen spürt Rückenwind

Mit Blick auf das Rennen um den CDU-Vorsitz interpretiert Röttgen seinen zweiten Platz beim Voting der Jungen Union als Chance, auch in der ganzen Partei aufzuholen. "Wenn man das auf die CDU übersetzt, wo eine andere Stimmungslage insgesamt ist, dann zeigt das, dass in der CDU noch viel mehr drin ist für mich", sagte Röttgen. Das Ergebnis gebe ihm Aufwind. Dass sein Konkurrent Friedrich Merz bei der Jungen Union stark abschneidet, sei zu erwarten gewesen. Es sei aber eine Überraschung, dass er selbst so klar vor Armin Laschet liege. "Ich glaube, dass ich damit in der CDU sehr gut arbeiten kann und stelle auch fest, dass der Zuspruch ganz schön wächst", so Röttgen.

Der Außenpolitiker zeigte sich zuversichtlich, dass die Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden im Januar funktionieren wird. Man könne über die Kandidaten digital abstimmen, der Sieger müsse dann allerdings per klassischer Briefwahl noch bestätigt werden. Dann sei die Abstimmung rechtlich sicher.

Quelle: ntv.de, psc