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Grönland geostrategisch wichtigTrump ist "wie der Fuchs, der in den Hühnerstall hineinsticht"

14.01.2026, 17:54 Uhr
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Die USA strecken die Hand nach Dänemark und drohen den Verbündeten. In Washington treffen Dänische Abgesandte auf US-Vize JD Vance und Außenminister Rubio. Oberst Markus Reisner erklärt im ntv Ukraine Talk, warum die größte Insel der Welt so interessant für die USA ist.

Für die USA ist Grönland ein geostrategisch wichtiger Standort. Viel größer als die Frage nach den Ressourcen Grönlands, sei für US-Präsident Donald Trump die der Lage, meint Oberst Markus Reisner von der Theresianischen Militärakademie Wiener Neustadt. Wenn Interkontinentalraketen zwischen den militärischen Großmächten Russland und USA eingesetzt würden, dann ist der kürzeste Weg nicht der über den Atlantik, sondern über den Nordpol. "Grönland liegt also quasi genau hier unter dieser Flugbewegung. Und darum hat Grönland eine sehr wichtige Rolle, zum Beispiel in der Früherkennung und Frühwarnung beim Einsatz von derartigen Systemen", sagt er bei ntv.

Außerdem gebe es zwischen Grönland, Island und Großbritannien zwei Lücken, durch die russische Atom-U-Boote in den Atlantik vordringen könnten. Zwar seien die Regionen gut bewacht, die USA aber wollen die Abschreckung erhöhen. Denn auch für China und Russland ist Grönland ein interessanter Standort: Durch den Klimawandel schmilzt das Eis, es ergeben sich kürzere Schiffsrouten, was von großem wirtschaftlichem Vorteil ist. Russland habe weltweit die meisten Eisbrecher. China könnte diese mitnutzen.

"Wir haben auf der einen Seite Russland, das seine militärische Präsenz vor Ort ausbaut, und wir haben auf der anderen Seite die Anstrengungen der Chinesen, hier vorzustoßen. Und das stört natürlich die USA in diesem Wettstreit, den wir sehen", sagt Reisner. "Die USA versuchen hier dagegenzuhalten. Genau das ist der Hintergrund dessen, was wir jetzt gerade erleben." Und Amerika sagt dann zu Europa: "Entweder ihr macht da jetzt etwas oder wir holen uns das, was uns aus unserer Sicht zusteht. Oder wir werden einfach Fakten schaffen", erklärt Reisner weiter.

Um Grönland unter amerikanische Kontrolle zu bringen, setzt Trump die Europäer unter Druck. Er ist "wie der Fuchs, der in den Hühnerstall hineinsticht", während die Europäer wie "die Hühner versuchen, den Fuchs zufriedenzustellen. Und wenn es sein muss, wird ein Huhn geopfert", so Reisner.

Trumps Forderung, dass sich die Europäer stärker in die NATO einbringen, ist nicht neu. Durch den Einsatz von mehr Soldaten in Grönland würden sie dazu US-Ressourcen schonen. Kämen die Europäer dem nach, hätte der Fuchs gewonnen. Zum "Worst-Case-Szenario", also einem militärischen Angriff auf Grönland, wird es nach Einschätzung des Militärexperten nicht kommen.

Quelle: ntv.de, nba

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