Venezuela hat nicht geholfenTrump stürzt in Umfragen noch weiter ab

Seinen Umfragewerten hilft weder die erfolgreiche Gefangennahme des venezolanischen Machthabers noch die ständigen Drohungen gegen Grönland: Die meisten US-Amerikaner sind mit der Arbeit von Donald Trump unzufrieden. Das hat Gründe.
Trotz der Absetzung des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro sinken die Zustimmungswerte für US-Präsident Donald Trump. Neue Umfragen zeigen einen regelrechten Knick im Januar.
Nach Daten des Portals RealClearPolling, die aus verschiedenen Umfragen ermittelt wurden, verschärfte sich die Unzufriedenheit mit Trumps Arbeit in dieser Woche. Bereits vergangene Woche war die Zufriedenheit mit Trumps Arbeit deutlich gesunken. Aktuell sind demnach 43 Prozent der US-Amerikaner zufrieden mit der Politik ihres Präsidenten. Eine Mehrheit von 55 Prozent ist unzufrieden.
Auffällig: Die Maduro-Entführung am 3. Januar schlägt sich in den Umfragen nicht nieder. Vermutlich, weil die US-Amerikaner das Vorgehen der Trump-Regierung nicht durchgehend positiv sehen: Nach einer Umfrage für die Nachrichtenagentur Reuters billigen zwar 33 Prozent Maduros Absetzung. Fast ebenso viele, 34 Prozent, sehen den Militäreinsatz allerdings kritisch.
Venezuela gehört zu den Themen, die die USA spalten: Republikanische Wähler befürworten die Maduro-Absetzung mit einer großen Mehrheit von 65 Prozent. Mit genauso großer Mehrheit lehnen die Anhänger der Demokraten sie ab.
Da sich Zustimmung und Ablehnung in etwa die Waage halten, muss es andere Gründe für Trumps Umfrage-Absturz geben. Der wahrscheinliche Grund ist die Erschießung einer Frau in Minneapolis durch einen Agenten der Bundesbehörde ICE. Der Mann tötete die 37 Jahre alte Renee Good am 7. Januar mit drei Kopfschüssen. Der Fall fand ein riesiges mediales Echo und sorgte in den gesamten USA für Empörung. Trump und seine Regierung machen die Frau selbst für ihren Tod verantwortlich, juristische Konsequenzen soll der Fall nicht haben - jedenfalls nicht für den ICE-Mitarbeiter. Laut "New York Times" will das US-Justizministerium sogar Ermittlungen gegen die Witwe der Getöteten einleiten.
Auch Umfragen stützen die Vermutung, dass der Fall Auswirkungen auf Trumps Zustimmungswerte hat. Einer Erhebung des Senders CNN zufolge sagen 56 Prozent der US-Amerikaner, das Vorgehen des ICE-Agenten sei unangemessen gewesen, nur 26 Prozent nennen es angemessen. Dies scheint mehr zu sein als eine Momentaufnahme: In derselben Umfrage sagen 51 Prozent, dass die Razzien der ICE-Behörde die betroffenen Städte weniger sicher machten. Nur 31 Prozent glauben, die Städte in den USA würden durch den Einsatz der ICE-Agenten sicherer. Auch diese Umfrage zeigt die Spaltung der USA: Eine Mehrheit der republikanischen Wähler (56 Prozent) hält das Vorgehen des ICE-Agenten für angemessen. Bei den Demokraten sehen dies nur 4 Prozent so.
Neben dem Agieren der Migrationsbehörde ICE wächst die Unzufriedenheit mit Trumps Wirtschaftspolitik. Dazu trägt vor allem das Thema Inflation bei: 61,2 Prozent finden seine Politik bei diesem Thema schlecht, 36,8 Prozent befürworten sie - eine Differenz von minus 24,4 Prozentpunkten. Das ist ein übler Werte für einen Präsidenten, dessen wichtigstes Wahlkampfversprechen es war, die Wirtschaft wieder auf Touren zu bringen.
In allen relevanten Politikbereichen mit Ausnahme des Nahostkonflikts hat die Zustimmung seit Beginn der Amtszeit abgenommen. Beim Thema Einwanderung genoss Trump noch die längste Zeit das Vertrauen der Wählerschaft. Seit dem vergangenen Herbst überwiegt jedoch auch hier die Ablehnung.
Sollte Trump denken, er könne in den USA mit weiteren Drohungen gegen Grönland punkten, wäre dies abwegig. Nur 17 Prozent der US-Bürger befürworten Versuche, die Insel zu erwerben, wie eine weitere Reuters-Umfrage zeigt. Lediglich 4 Prozent halten den Einsatz militärischer Gewalt zu diesem Zweck für eine gute Idee. Zwei Drittel der Befragten äußern zudem die Sorge, dass die US-Bemühungen um eine Inbesitznahme Grönlands den Beziehungen der USA zu ihren europäischen Verbündeten und der Nato schaden.