Politik

Eigene Geheimdienste ignoriertTrump und Hegseth bombten sich sehenden Auges in Iran-Krise

29.08.2026, 19:07 Uhr
imageVon Roland Peters, New York
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US-Präsident Donald Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth bei einer Kabinettssitzung am 31. Juli. (Foto: REUTERS)

Seit sechs Monaten sind die USA im Krieg gegen den Iran, erzwungenermaßen ändert das Weiße Haus einmal mehr seine Taktik gegen die Islamische Republik. Schon vor Kriegsbeginn verschätzte sich die Regierung von Präsident Trump.

Donald Trump ist am Donnerstag gut gelaunt. "Ich habe schon lange an den See von Amerika gedacht", säuselt er selbstzufrieden im Oval Office. Durch den bei US-Behörden in "Lake America" umbenannten "Lake Ontario" verläuft die gemeinsame Grenze mit Kanada - Trump trollt das Nachbarland mitten im Zollkrieg. Doch das Amüsement des Präsidenten verfliegt schnell, als er von den anwesenden Journalisten zum Krieg gegen den Iran gefragt wird. Seine Antwort klingt, als sei es für das Weiße Haus nur eine Frage der Zeit, bis das Regime in Teheran zusammenbricht. "Sie bezahlen ihre Truppen nicht (…) wir sind fertig mit ihrem Militär (…) die Straße von Hormus ist frei", tönt er. "Sie haben richtige Probleme." Die USA hätten die Kontrolle über die Meeresenge, eskortierten zivile Schiffe und blockierten die des Iran.

Ist das so? Als die Vereinigten Staaten am 28. Februar gemeinsam mit Israel den Krieg gegen den Iran begannen, gingen sie öffentlich von sechs Wochen mit Bomben und anderen Luftangriffen aus. Nun sind es sechs Monate. Ein Ende des Konfliktes gegen die Islamische Republik ist nicht abzusehen. Die militärische Strategie des Weißen Hauses ist gescheitert. Die iranische Revolutionsgarde kontrolliert das Land und feuert laut US-Medienberichten und entgegen den Aussagen Trumps weiterhin auf Schiffe in der Seestraße, wo Hunderte von diesen stillstehen. Die Munitionsbestände der USA sollen niedrig und die Moral der Truppe durchwachsen sein. Internationale Energiepreise sind höher als vor Kriegsbeginn, was auch im eigenen Land die Verbraucherpreise treibt. Das verkompliziert Trumps Republikanern ihren Wahlkampf für die Kongresswahlen im November.

Dabei hatte Trump der iranischen Bevölkerung am ersten Kriegstag versprochen: "Die Stunde Ihrer Freiheit ist da." Nun soll der Krieg nach Willen der US-Regierung mit Wirtschaftssanktionen entschieden werden, den Revolutionsgarden die Finanzierung entzogen und damit das theokratische Regime doch noch gestürzt werden. Die Taktik klingt ähnlich wie die gegen Kuba, wo Trump die dortige unliebsame Regierung durch Wirtschaftsblockade zur Aufgabe bewegen will.

Finanzminister Scott Bessent hat einen "Großangriff auf die weltweiten Finanzverbindungen des Iran" und zugleich weitreichende neue Sanktionen angekündigt. Ziel sei es, "jede wirtschaftliche Lebensader zu durchtrennen, die dieses tyrannische Regime am Leben erhält, bis Teheran auf sich allein gestellt ist". Ausländische Kollaborateure würden aus dem internationalen Finanzsystem gedrängt. Trump nannte es einen "wirtschaftlichen D-Day" in Anspielung auf die Landung der Alliierten in der Normandie als Anfang vom Ende Nazi-Deutschlands.

Alle Risiken bekannt

Wenige Tage vor Kriegsbeginn sei Trump von den eigenen Geheimdiensten vor dem aktuellen Szenario gewarnt worden, berichtet das "Wall Street Journal". Der Präsident habe nach Rücksprache mit Verteidigungsminister Pete Hegseth trotzdem den Angriffsbefehl gegeben. Seine damalige Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard hatte er demnach ins Oval Office gerufen und gefragt, ob sie einen breit angelegten Angriff für eine gute Idee halte. Das tat sie nicht, was sie mit Erkenntnissen und Einschätzungen aus ihren Behörden begründete.

Gabbard erklärte Trump dem Bericht zufolge, dass die Tötung des obersten Führers des Iran wahrscheinlich ein noch radikaleres Regime an die Macht bringen würde, das bereit wäre, Atomwaffen zu erlangen. Teheran würde die Straße von Hormus unverzüglich sperren und damit den globalen Energiemarkt destabilisieren, und zudem US-Streitkräfte und Verbündete im Nahen Osten angreifen, was Zweifel an der Entschlossenheit der USA und ihrer Verlässlichkeit gegenüber den Verbündeten aufkommen lassen würde. Hochrangige Militärs warnten Trump zugleich vor den Risiken von Toten und Verletzten, sich erschöpfenden Waffen- und Munitionsreserven sowie schlechter Truppenmoral wegen Überlastung. Vizepräsident JD Vance sprach sich für Verhandlungen aus, da die risikoärmer seien und Irans Wirtschaft ohnehin schon unter den US-Sanktionen leide.

Hingegen war das Argument der Befürworter und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu: Teheran befände sich in der schlimmsten Krise seit dem Ende des Kriegs gegen den Irak Ende der 1980er Jahre. Die Gelegenheit sei deshalb äußerst günstig, die potenzielle Gefahr der Islamischen Republik und ihrer Urananreicherung ein für alle Mal auszuschalten und damit den Weg zu Atomwaffen zu versperren.

Trump habe sich letztendlich von den vom Pentagon vorgestellten "entscheidenden" Optionen überzeugen lassen, schreibt das "Wall Street Journal". Hegseth, der militärische Stabschefvorsitzende Dan Caine und andere Kommandeure hätten den Präsidenten mehrfach über Angriffspläne auf iranische Ziele informiert, darunter auf Raketenabschussrampen, Radaranlagen, Waffenproduktionsstätten, Minenlager und Kriegsschiffe. Die Idee war, die Islamische Republik zu überwältigen und ihre Streitkräfte lahmzulegen, während Israel die oberste Führung des Iran ausschaltete.

Warnungen schlug Trump in den Wind. Hegseth und Caine versicherten mehrfach, sie würden etwaige Komplikationen meistern. Das taten sie nicht, der Krieg schleppte sich dahin, eine zwischenzeitliche Waffenruhe brachen beide Seiten. Ende Juli blies Trump schließlich im letzten Moment eine neue Welle von Bombardements des Iran ab. Womöglich wegen der erschöpften Waffenarsenale? Die können potenziell die nationale Sicherheit und die von Bündnispartnern gefährden.

Führungsposten der US-Armee unbesetzt

Stattdessen haben die USA nun den Schwenk zum Wirtschaftskrieg vollführt, womit ein Bodentruppeneinsatz vorerst vom Tisch sein dürfte. Würde Trump sich doch noch dafür entscheiden, müsste er sich auf eine "im Grunde führungslose Armee" verlassen, wie es die "New York Times" schreibt. Hegseth feuerte bereits im April den für die Truppe verantwortlichen Stabschef Randy George ohne Angabe von Gründen. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass der Posten neu besetzt wird, so das US-Medium. Mehrere potenzielle Nachfolger seien ebenfalls aus der Armee gedrängt worden.

"Das war alles vorhersehbar und wurde auch vorhergesagt", wird Eric Brewer, Vizepräsident der Anti-Atomwaffen-NGO "Nuclear Threat Initiative", vom "Wall Street Journal" zitiert. "Man kann eine direkte Verbindung ziehen zwischen der Tatsache, dass der Krieg ohne klares politisches Ziel begonnen wurde, und der verfehlten Diplomatie bei den Bemühungen, ihn zu beenden." Bislang zeigt sich Irans politische Führung trotz der anfänglichen Tötung des ab 1989 herrschenden Obersten Führers Ali Chamenei stabil. Auf ihn ist sein Sohn Modschtaba Chamenei gefolgt. Die Bevölkerung erhob sich nicht erneut gegen die Regierung. Die Mullahs machen bislang auch keine Anzeichen, aufgeben zu wollen.

Zu Verhandlungen mit Teheran ist Trump laut seinen Äußerungen vom Donnerstag nicht bereit: "Wir wollen nicht mit ihnen reden. Wir versuchen nicht, uns mit ihnen zu treffen oder irgendwas." Irans Außenminister Abbas Araghtschi zeigte sich am Freitag etwas gesprächsbereiter. Eine Rückkehr zur Diplomatie sei "nicht unmöglich", schrieb er bei X. "Es hängt davon ab, dass die USA eine wichtige Tatsache verstehen: Druck funktioniert nicht." Das Weiße Haus ist auch ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn anderer Ansicht.

Quelle: ntv.de

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